Überschüsse beim Biofuttergetreide vermeiden

In diesem Jahr werden bei der Biofuttergetreideernte hohe Flächenerträge erwartet. Bio Suisse hat deshalb zusammen mit der Branche ein Massnahmenpaket verabschiedet. Für Ackerbaubetriebe, die auf Anfang 2018 umstellen möchten, heisst das: Biogerste, Biohafer und Biotriticale sollten nicht angebaut werden, Biofutterweizen und Biokörnermais sind stark nachgefragt.

(11.08.2017) Der Absatz von tierischen Bioprodukten, die für den Futtergetreidemarkt massgebend sind, war im letzten Jahr insbesondere beim Fleisch und bei den Eiern stark wachsend. Der Mischfuttermarkt zeigte im 2016 deshalb ein Wachstum von knapp 8 Prozent. Auch in diesem Jahr erwarten die Mischfutterhersteller einen Zuwachs von mehr als 5 Prozent.

Die Biofuttergetreideernte war 2016 sehr schwach, mit zum Teil 15 Prozent Ertragseinbussen. Der Zuwachs der biologisch bewirtschafteten offenen Ackerfläche konnte die Ertragseinbussen jedoch kompensieren. Die Importmengen Biofuttergetreide im Getreidejahr 2016/17 blieben im langjährigen Mittel bei rund 20‘000 Tonnen in etwa stabil. Die Bedarfsdeckung an Biofuttergetreide durch die inländische Produktion ist je nach Kultur unterschiedlich. So erreichen Gerste, Hafer und Triticale einen Inlandanteil von rund 80 Prozent, entsprechend müssen nur geringe Mengen importiert werden. Die Importe von Futterweizen und Körnermais sind am bedeutendsten, da die Inlandversorgung mit rund 25 Prozent gering ist.

Überdurchschnittliche Biofuttergetreideernte erwartet

Die diesjährige Biofuttergetreideernte lässt gemäss ersten Informationen von Sammelstellen hohe Flächenerträge erwarten – insbesondere bei Gerste. Der Flächenzuwachs der offenen Ackerfläche wird die Erntemenge zusätzlich erhöhen. Das diesjährige Wachstum der Fläche wird auf knapp 12 Prozent geschätzt.

Da die offene Bioackerfläche stärker wächst als der Mischfuttermarkt und die Erntemengen vermutlich überdurchschnittlich sein werden, kann mit einer besseren Inlandversorgung gerechnet werden. Mischfutterhersteller, wie auch die Fachgruppe Ackerkulturen von Bio Suisse sehen deshalb die Vermarktung von Gerste, Hafer und Triticale bereits in der laufenden Getreideernte als Herausforderung. Die Mischfutterhersteller zwingen teilweise jetzt schon Biogerste in die Rezepturen, obwohl andere Getreide geeigneter wären. An der Richtpreisrunde Biofuttergetreide wurde deshalb intensiv diskutiert, welche Massnahmen nötig sind, um eine Überproduktion von Gerste, Hafer und Triticale zu vermeiden.

Massnahmenkonzept Biofuttergetreide

Die Branche hat gemeinsam ein Massnahmenkonzept für Biofuttergetreide erarbeitet und verabschiedet. Grundlage für das Konzept ist eine umfassende Markttransparenz. Dazu gehören die Erhebungen der Ernte-, Mischfutter- und Importmengen, sowie eine Einschätzung der Entwicklung der offenen Ackerfläche und der jeweiligen Fruchtfolgeanteile der Kulturen. Diese Informationen stehen allen Interessierten jederzeit auf bioaktuell.ch zur Verfügung. Des Weiteren wird der Austausch innerhalb der Branche durch runde Tische und die Richtpreisrunde unterstützt. Sollte es die Marktsituation erfordern, werden auch Preissenkungen zur Verbesserung des Absatzes an der nächsten Richtpreisrunde diskutiert werden.

Um mehr Biofuttergetreide vermarkten zu können, bedarf es höherer Tierbestände. Deshalb kommt der Absatzförderung von tierischen Produkten eine grössere Bedeutung zu. Das Massnahmenkonzept sieht weiter vor, dass die Mischfutterhersteller bis auf weiteres keine importierte Gerste, Hafer und Triticale mehr einsetzen. Dieser Importstopp wird nach der ersten Ernteerhebung bei den Sammelstellen per Ende September überprüft und wenn nötig verlängert. Weitere Überprüfungen des Importstopps sind per Ende Februar und im Mai an der Richtpreisrunde 2018 vorgesehen. Damit soll sichergestellt werden, dass die inländische Ernte rasch vermarktet werden kann und trotzdem Importe bei Bedarf möglich sind.

Für die Biofuttergetreideernte 2018 wurde beschlossen, dass Gerste, Hafer und Triticale von Umstellflächen im ersten Jahr nur noch beschränkt vermarktet werden können. Bei diesen Kulturen wird auf den Umstellmengen ein Rückbehalt eingeführt. Dieser Rückbehalt entspricht der Differenz zwischen Biorichtpreis und konventionellem Richtpreis. Die Deklassierung allfälliger Überschüsse würde mittels der Rückbehalte finanziert werden können. Für den Produzenten von Flächen im ersten Umstellungsjahr heisst dies konkret, dass er im schlechtesten Fall nur den konventionellen Richtpreis bei Gerste, Hafer und Triticale ausbezahlt bekommt. Je nach Entwicklung der Märkte kann der Rückbehalt ab Ernte 2019 auch auf Betriebe im zweiten Umstellungsjahr ausgeweitet werden.

Was heisst das für angehende Umstellbetriebe?

Biogerste, Biohafer und Biotriticale sind wenig gesucht und sollten nach Möglichkeit nicht angebaut werden. Biofutterweizen und Biokörnermais werden stark nachgefragt und sollten in der Fruchtfolge eingeplant werden. Die Preise für Futterweizen und Körnermais sind zudem besonders attraktiv. Der Anbau von Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Eiweisserbsen und Lupinen ist ebenfalls gut möglich.

In jedem Fall gilt, sich vor der Aussaat bei der Sammelstelle über die Übernahmemöglichkeiten zu informieren. Für angehende Umstellbetriebe gilt es zudem, die eigenen Möglichkeiten und Voraussetzungen sorgfältig zu prüfen. So ist zum Beispiel der betriebseigenen Nährstoffversorgung und Verwertung des Grünlandes im Sinne eines möglichst geschlossenen Nährstoffkreislaufes besondere Beachtung zu schenken. Wer Tiere hält, hilft Futtergetreide besser vermarkten zu können. AM


Weiterführende Informationen

Biofuttergetreide (Rubrik Markt)

Biogetreide (Rubrik Pflanzenbau)

Letzte Aktualisierung dieser Seite: -

Werbung