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Rapsglanzkäfer: Regulierung mit Steinmehl

Eine Feldspritze ist behandelt einen Rapsfeld mit Steinmehl. Hinter der Feldspritze ist einen weissen Nebel zu sehen.
Spritzung von Steinmehl auf einem Rapsbestand

Darf Gesteinsmehl 2012 eingesetzt werden?

Für den Einsatz in der Praxis ist Gesteinsmehl momentan nicht zur Rapsglanzkäferbekämpfung zugelassen. Gemäss Pflanzenschutzverordnung dürfen gegen Insekten grundsätzlich nur zugelassene Insektizide eingesetzt werden. Da Gesteinsmehl nur eine Zulassung als Düngemittel, aber nicht als Insektizid hat, darf es also nicht zur Regulierung des Rapsglanzkäfers angewendet werden. Um den Produzenten eine Möglichkeit zu geben, ihre Kulturen zu schützen und um weitere Daten für eine Insektizid-Zulassung von Gesteinsmehl zu erarbeiten, sollen auch im Jahr 2012 weitere Grossversuche auf Bio- und IP-SUISSE-Praxisbetrieben durchgeführt werden (Resultate aus den Grossversuchen 2011 siehe weiter unten). Die teilnehmenden Produzenten haben so die Möglichkeit, einen Grossteil ihrer Flächen zu behandeln und helfen zudem weitere Erfahrungen in der Anwendung von Gesteinsmehl zu sammeln. Die Extensoprämie sowie die Abnahme durch Bio Suisse und IP-SUISSE sind gewährleistet.

Wie Grossversuche 2012 durchführen?

Die teilnehmenden IP-und Bio-Produzenten müssen sich vorgängig anmelden. IP-SUISSE und Bio Suisse haben für das Jahr 2012 wieder eine Bewilligung für Grossversuche beim BLW beantragt. Sobald diese Bewilligung vorliegt, werden alle Informationen zur Versuchsdurchführung und zur Versuchsanmeldung aufgeschaltet unter:
Angaben und Dokumente zu den Grossversuchen mit Steinmehl 2011 (FiBL-Webseite)

Applikationstechnik

Für die Spritzapplikation sind nur sehr fein vermahlene Gesteinsmehle (zum Beispiel Klinospray) geeignet. Eine Behandlung mit 30 Kilo Klinospray (+ 2 Liter Netzmittel Heliosol pro Hekatare) mit 600 Liter Wasser pro Hektare ist problemlos auch mit sehr feinen Düsen (01 Orange) möglich.

Applikationskosten pro Hektare

30 kg Klinospray (Preis Fr. 60.- pro 25 kg)

Fr. 72.-

2 Liter Heliosol (Netzmittel; Preis Fr. 18.- pro Liter)

Fr. 36.-

Produktekosten pro Behandlung

Fr. 108.-

Arbeits- und Maschinenkosten pro Behandlung

Fr. 45.-

Kosten pro Behandlung

Fr. 153.-

Kosten für 3 Behandlungen

Fr. 459.-

Resultate der Versuche Gesteinsmehl im Jahr 2011

Grossversuche mit Gesteinsmehl Klinospray wurden im Jahr auf 105 Hektaren durchgeführt:

  • 9 Biofelder oder 27 Hektaren
  • 28 IP-Suisse-Felder oder 70 Hektaren
  • 3 ÖLN-Felder mit oder 7 Hektaren

Die Produzenten behandelten jeweils das ganze Feld, nur eine Fahrgasse in der Feldmitte blieb unbehandelt. Die Applikation von Gesteinsmehl Klinospray (30 Kilo pro Hektare) mit Netzmittel Heliosol (2 Liter pro Hektare) war problemlos auch mit sehr feinen Düsen (01 Orange) möglich. Bei keinem Produzenten traten Komplikationen bei der Behandlung auf.

Der Wirkungsgrad von Klinospray+Heliosol gegen die Rapsglanzkäfer lag im Stadium 53-55 BBCH am höchsten und nahm mit fortschreitender Pflanzenentwicklung ab:

  • 38 % im Stadium 53-55 BBCH
    BBCH 53: Hauptblütenstand überragt die obersten Blätter
    BBCH 55: Einzelblüten des Hauptblütenstandes sichbar, aber noch geschlossen
  • 29 % im Stadium 57-59 BBCH
    BBCH 57: Einzelblüten der sekundären Blütenstände sichtbar, aber noch geschlossen
    BBCH 59: Erste Blütenblätter sichtbar (Blüten noch geschlossen)
  • 21 % im Stadium 60-62 BBCH
    BBCH 60: Erste offene Blüten
    BBCH 62: Zirka 20 % der Blüten am Haupttrieb offen

In den behandelten Parzellen bildeten die Pflanzen signifikant mehr Seitentriebe (plus 9 Prozent) und mehr Schoten pro Quadratmeter (plus 18 Prozent), wobei der Wirkung auf den Schotenansatz auf IP-Feldern mit plus 26 Prozent grösser war als auf Biofeldern mit plus 13 Prozent.

Diese Unterschiede weisen darauf hin, dass die Stickstoffverfügbarkeit unter Biobedingungen ein begrenzender Faktor ist. Bei der Ernte war der Einfluss der Behandlungen kaum noch erkennbar (Behandelt: 32.4 Dezitonnen pro Hektare; unbehandelt: 29.8 Deztionnnen pro Hektare).

Grund dafür war der starke Befall mit Schotenmücke und Stängelrüssler. Ein Vergleich der Ernteresultate der Felder zeigte, dass der Befall mit Schotenmücke den grössten Einfluss auf den Ertrag hatte (je höher der Anteil durch die Schotenmücke geschädigter Schoten, umso niedriger der Ertrag). Der Befall mit Stängelrüssler hatte einen statistisch nachweisbaren, aber weniger starken Einfluss auf den Ertrag (je länger die Frassgänge im Stängelinneren, umso geringer der Ertrag).

Ein Einfluss des Rapsglanzkäfers (Anzahl Käfer pro  Pflanze im Stadium 53-60 BBCH) auf den Ertrag war nicht nachweisbar. Diese Resultate deuten darauf, dass eine Regulierung des Rapsglanzkäfers mit Gesteinsmehl nur auf gut gedüngten Feldern mit niedrigem bis mittlerem Stängelrüsslerbefall ökonomisch sinnvoll ist.
Auf einigen Feldern kam Klinospray mit dem Netzmittel Genolplant oder das Kaolin-Produkt Surround (mit verschiedenen Netzmitteln) zum Einsatz: die Resultate lagen in einem ähnlichen Bereich wie für die Kombination von Klinospray + Heliosol.

Produktkosten (alle Angaben pro Hektare):

  • 30 kg Klinospray + 2 Liter Heliosol, 2 Behandlungen: Fr. 216.-
  • 30 kg Klinospray + 2 Liter Genolplant, 2 Behandlungen: Fr. 184.-
  • 30 kg Surround + 0.3 Liter Sticker, 2 Behandlungen: Fr. 285.-
  • Zum Vergleich: 0.2 Liter Spinosad, 1 Behandlung: Fr. 114.-

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