Ansprechpartner

Giselher Grabenweger

Giselher Grabenweger
Ökologie von Schad- und Nutzorganismen
Agroscope
Reckenholzstrasse 191
8046 Zürich

Tel. 044 377 75 97
Fax 044 377 72 01
E-Mail
www.agroscope.ch

Drahtwürmer: Aktuelle und zukünftige Regulierungsstrategien

Drahtwürmer auf dem Boden. Foto: © Agroscope, Christian Schweizer
viele gelbbraune Drahtwürmer in schwarzbrauner Erde (Bodenprofil einer Wiese)

Der Name ist bei ihnen Programm: Drahtwürmer sind zäh und widerstandsfähig. Einmal im Feld etabliert, bereiten sie betroffenen Landwirten oft jahrelanges Kopfzerbrechen. Doch warum sind Drahtwürmer eigentlich so schwer zu bekämpfen? Und welche Bekämpfungsmassnahmen führen am ehesten zum Erfolg?

Mehrere Drahtwurmarten

Die Schwierigkeiten beginnen bereits mit der Bestimmung der Schädlinge. Auf einer Fläche kommen häufig mehrere Drahtwurmarten vor. Meist ist es eine Mischung aus zwei bis drei häufigen Arten, die zwar alle ähnlichen Schäden an den Kulturpflanzen verursachen, sich in ihrer Biologie jedoch wesentlich unterscheiden können. Bekämpfungsmassnahmen zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen daher möglicherweise eine Art, während eine andere grösstenteils verschont bleibt.

Mehrere Larvenstadien

Bis sich aus Drahtwürmern ausgewachsene Schnellkäfer entwickeln, vergehen mehrere Jahre, in denen sie bis zu 15 Larvenstadien durchlaufen. In einer Saison findet man deshalb im Ackerboden Drahtwürmer verschiedenen Alters vor, die unterschiedliche Aktivitätsphasen und Nahrungsvorlieben haben.

Überlebensart

Der grösste Trumpf der Drahtwürmer ist ihre Fähigkeit, sich bei Gefahr in tiefe Bodenschichten zu vergraben. Sobald die Lebensbedingungen in oberflächennahen Schichten ungünstig werden, «tauchen» die Tiere in wenigen Tagen in bis zu 70 Zentimeter Tiefe ab. Ohne Nahrung können sie dort, gleichermassen gut geschützt vor Witterungseinflüssen und Bekämpfungsmassnahmen, problemlos mehrere Monate überdauern. Ebenso schnell kommen sie wieder nach oben und richten unerwartet an Kulturpflanzen Schaden an.

Fruchtfolge

Drahtwürmer schlägt man am besten mit ihren eigenen Waffen: mit Zähigkeit und Ausdauer. Die Bekämpfung erfolgt über einen langen Zeitraum hinweg und umfasst mehrere verschiedene Methoden. Vorbeugende Massnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Dazu gehört eine sorgfältige Planung der Fruchtfolge. Schnellkäfer legen ihre Eier bevorzugt im Grasland ab. Anfällige Kulturen wie Kartoffeln dürfen daher nicht nach Wiesenumbruch angebaut werden. Da die Entwicklung der Larven mehrere Jahre dauert, muss der Abstand zwischen diesen Fruchtfolgegliedern möglichst gross gewählt werden. Am besten werden Kartoffeln erst ab dem 4. oder 5. Jahr nach dem Umbruch gepflanzt.

Bodenbearbeitung

Mit Bodenbearbeitung können Drahtwurmpopulationen deutlich dezimiert werden. Es ist aber zu beachten, dass die Bodenstruktur geschont wird. Selbst die intensivste Bodenbearbeitung bleibt wirkungslos, wenn sie nicht dann stattfindet, wenn die Drahtwürmer nahe der Oberfläche aktiv sind. Zu erwarten sind solche Aktivitätsphasen zu Saisonbeginn im Frühjahr (März/April) und im Spätsommer (August/September). Im Frühjahr kommen die Drahtwürmer bei einer geeigneten Kombination aus steigender Bodentemperatur und hoher Bodenfeuchtigkeit nach der Winterruhe an die Oberfläche. Im Spätsommer löst steigende Bodenfeuchtigkeit (zum Beispiel Regentage nach langen Trockenphasen) oft dieselbe Wanderbewegung aus. Zusätzlich schlüpfen dann auch die Junglarven aus den Eiern. Die Junglarven sind empfindlicher als ältere Larvenstadien und daher mit Kulturmassnahmen besser bekämpfbar.

Keine direkte Bekämpfung möglich

Eine direkte Bekämpfung von Drahtwürmern in oder unmittelbar vor empfindlichen Kulturen ist derzeit unmöglich, weil geeignete Mittel dazu fehlen.

Pilz bringt neue Chance

Agroscope unterstützt die Schweizer Kartoffelproduzenten in dieser Situation mit der Entwicklung alternativer Bekämpfungsverfahren. Die Forschungsgruppe Ökologischer Pflanzenschutz an Agroscope in Zürich-Reckenholz arbeitet intensiv an einer vielversprechenden, biologischen Bekämpfungsmöglichkeit, dem Einsatz eines insektentötenden Pilzes. Nach jahrelanger Suche konnte ein heimischer Stamm der sogenannten «grünen Muskardine» (Metarhizium anisopliae) isoliert werden, der sich in Laborversuchen als hochwirksam gegen verschiedene Drahtwurmarten erwiesen hat. Innert zwei Wochen starben bis zu 80 Prozent der Drahtwürmer, wenn sie mit den Sporen dieses Pilzstammes infiziert wurden. Die Wirksamkeit des Pilzisolates gegen Drahtwürmer konnte auch im Gewächshaus bestätigt werden.

Eine erfolgreiche Anwendung der grünen Muskardine gegen Drahtwürmer unter Praxisbedingungen im Feld ist das erklärte Ziel der derzeit laufenden Forschungsarbeiten. Im Rahmen des EU-Projekts Inbiosoil suchen die Wissenschaftler von Agroscope in den nächsten Jahren nach Möglichkeiten, das Überleben des Pilzes in der Ackererde zu gewährleisten und seine Wirksamkeit gegen Drahtwürmer noch zu erhöhen. Mithilfe moderner Formulierungstechnologien wird versucht, Pilzsporen zu verkapseln, damit sie die maschinelle Applikation und die ungünstigen Lebensbedingungen in trockenen Ackerböden besser überstehen. Zusätzlich werden Kombinationen des Pilzes mit anderen natürlichen Feinden der Drahtwürmer, zum Beispiel mit insektenparasitischen Fadenwürmern (Nematoden), untersucht. Im Idealfall ergänzen sich die beiden Partner in einer kombinierten Anwendung synergistisch, sodass ein deutlich höherer Wirkungsgrad erreicht wird als durch die blosse Addition der zwei Bekämpfungsmassnahmen.
Inbiosoil (Webseite Universität Göttingen)

Der Weg von den ersten erfolgversprechenden Laborversuchen bis zu einem marktfähigen biologischen Schädlingsbekämpfungsprodukt ist weit. Längerfristig zeichnet sich mit dem Einsatz dieses Pilzes jedoch ein alternatives Bekämpfungsverfahren gegen Drahtwürmer ab, das sowohl für den Biolandbau als auch für die IP/Extenso-Produktion und den konventionellen Anbau interessant sein könnte.

Untersuchen Sie Ihre Böden!

Durch das Legen von Fallen im Frühjahr (sobald die Temperatur zum ersten Mal über mehrere Tage lang 15 °C überschritten hat), können Sie den Acker untersuchen, der im Jahr danach für den Kartoffelanbau bestimmt ist:

  • Sie Legen Sie etwa 20 Stellen pro Hektare in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe je einen Kartonteller mit gequollenen Getreidekörnern aus.
  • Nach etwa 7 Tagen können Sie untersuchen, wie viele Fallen Drahtwürmer hatten und wie viele Drahtwürmer pro Fallen gefunden wurden.

Mit dieser Methode können Sie abschätzen, ob die Drahtwurmpopulation ein besorgniserregendes Ausmass erreicht hat. Als Faustregel gilt:

  • Wenn Sie dutzende Würmer auf der Fläche finden, sollten Sie vom Anbau einer empfindlichen Kultur absehen.
  • Der umgekehrte Schluss ist jedoch nicht zulässig: Keine oder nur einige wenige Drahtwürmer in den Fallen bedeuten nicht, dass auf der Fläche gefahrlos Kartoffeln gebaut werden können.

Eine allgemein gültige Schadschwelle kann für dieses Verfahren nicht definiert werden! Wenden Sie sich mit Fragen zur Probenahmetechnik oder zur Interpretation der Fangergebnisse an einem Experten des kantonalen Pflanzenschutzdienstes oder am Autor dieses Artikels (siehe Kasten rechts).

Autor: Giselher Grabenweger (Agroscope Zürich – Reckenholz)

Weitere Informationen

Drahtwurmschäden wie vermeiden (gleiche Rubrik)

 

WERBUNG