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Andreas Häseli
FiBL Beratung
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5070 Frick

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Fax 062 865 72 73
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www.fibl.org

Bioobsttagung 2009: Tagungsbericht

Der Tagungsband kann kostenlos heruntergeladen werden. Der Link befindet sich am Schluss des Textes.

An der Bioobsttagung am 30. Januar 2009 in Frick standen die neusten Erkenntnisse zu den Themen Feuerbrand, Regenfleckenkrankheit, Sortenwahl, Wirtschaftlichkeit und Düngung im Vordergrund. 80 Produzenten, Beratern und Interessenten aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Südtirol haben teilgenommen.

Wichtige Fachkommission Bioobst

Christoph Schmid, Präsident der Fachkommission Bioobst hielt fest, dass der Absatz von Biotafelkernobst in der Schweiz weiterhin zunehmend ist. Als Basis für den erfolgreichen Absatz dient das gemeinsame Vermarktungskonzept von Bio Suisse und Obsthandel. Die gute Partnerschaft zwischen Produktion, Handel und Absatz trägt Früchte:

  • Das Geschmacksgruppenkonzept ermöglicht eine grosse Sortenvielfalt.
  • Die Sortiervorschriften sind an die Bioproduktion angepasst.
  • Die seit zehn Jahren stabilen Produzentenpreise konnten 2009 teuerungsbedingt um zehn Rappen erhöht werden.

Ein Überblick über die Feuerbrand-Aktivitäten der ACW

Simon Egger von Agroscope Changins-Wädenswil stellte folgende Schwerpunkte vor:

  • Neue Methoden in der Diagnostik
  • Biologische Bekämpfung mit Antagonisten
  • Feldversuche mit biologischen Mitteln
  • Genetik des Feuerbranderregers und Antagonisten
  • Züchtung von Feuerbrandtoleranten Tafeläpfelsorten
  • Sortenwahl Feuerbrandtoleranten Mostapfelsorten
  • Prüfung Feuerbrandtolerante Apfelunterlagen
  • Anbauempfehlungen für die Praxis

ACW versucht mit einem ganzheitlichen Ansatz und in Zusammenarbeit mit Forschung, Beratung, Handel und Praxis taugliche Lösungen zur Eindämmung von Feuerbrand im Bio- und IP-Anbau zu entwickeln.

FIBL: Versuche und Strategien gegen Feuerbrand

Das FIBL engagiert sich, wie auch ACW für eine längerfristige Lösung der Feuerbrandproblematik.

  • Dazu beteiligt sich das FiBL beim BLW Zusatzprojekt Feuerbrand mit der Prüfung der Biotauglichkeit von feuerbrandtoleranten Apfel- und Birnensorten sowie –unterlagen.
  • Zur Erfassung der Feuerbrandsituation auf Biobetrieben und den Erfahrungen mit den biokompatiblen Regulierungsmöglichkeiten wurde 2008 wiederum eine Umfrage durchgeführt.

Hansjakob Schärer (FIBL) zeigte auf, dass in der Praxis unterschiedliche Pflanzenschutzstrategien gewählt und diese auch sehr unterschiedlich beurteilt werden. Noch ist nicht abschliessend geklärt, welche Kombination von Mitteln eine gleichzeitige Reduktion von Schorf, Feuerbrand und anderen Krankheiten in Kombination mit Behangsregulierung und Düngung erlaubt.

Bei der direkten Feuerbrandregulierung steht nebst dem Tonerdepräparat Myco-Sin das Antagonisten-haltige Mittel BlossomProtect im Vordergrund. BlossomProtect wurde in Applikationsversuche des FiBL entweder mit der Rückenspritze, mit Traktor und Gun, oder mit Bienen auf Apfelbäume appliziert. Die Ausbringung mit Bienen könnte für Hochstämme interessant sein, da der obere Kronenteil mit der Gun-Behandlung zu wenig gut erfasst wird. Offen bleibt, ob mit den Bienen genügend Antagonisten auf den Hochstammbäumen gebracht werden können.

Die Strategie-Empfehlung des FiBL für 2009 besteht aus der Kombination von Massnahmen:

  • Befallskontrolle und/oder Rodung bei Wirtspflanzen (Ziergehölzen).
  • Winterschnitt unter Berücksichtigung der Hygiene-Massnahmen.
  • Vorblütebehandlungen und Blütenschutz mit gezieltem Mitteleinsatz je nach Witterung unter Berücksichtigung des Prognosemodells.
  • Sofortiger Rückschnitt bei Frischbefall.
  • Rodung stark befallener Bäume.
  • Bei Neupflanzung möglichst tolerante Sorten wählen.

Erfahrungen mit BlossomProtect in der Schweiz und Deutschland

In einer Umfrage äusserten Schweizer Bioobstbauern ihre Unzufriedenheit mit der Wirkung von BlossomProtect. Bertrand Gentizon von Andermatt Biocontrol begründete diese mit der zu geringen Anzahl Behandlungen. Anstatt den empfohlenen vier Behandlungen sei oft nur ein- oder zweimal behandelt worden.
Katrin Denzel vom Beratungsdienst Ökologischer Obstbau in Baden-Würtenberg bestätigte die Wichtigkeit der Behandlungsanzahl für die Wirkung der Biomittel. Mit vier Behandlungen zeigten sich die deutschen Bioobstbauern 2008 überwiegend zufrieden mit der Wirkung von BlossomProtect. Auch die nachgesagte Mehrberostung stellte sich nicht ein oder hielt sich soweit in Grenzen, dass die Früchte ohne Einschränkung vermarktet werden konnten. Bei den Exakt-Versuchen der Uni Konstanz erzielte Blossom Protect in den letzten drei Jahren regelmässig Wirkungsgrade von über 80 Prozent. Der Befalldruck war aber tiefer als zum Beispiel im Kanton Thurgau im 2007 und 2008. Myco-Sin wirkte leicht schwächer, kann aber gleichzeitig zur Schorfregulierung eingesetzt werden. Deutlich geringer war die Wirkung mit Kupferpräparaten und nicht zufriedenstellend diejenige mit Löschkalk.

Biosorten und Wirtschaftlichkeit

Franco Weibel (FiBL) stellte die neusten für den Bioanbau geeigneten Sorten vor und die Tagungsteilnehmer konnten sich bei einer umfangreichen Degustation gleich selbst ein Bild über ihre Konsumeignung machen. Für den Bioanbau bleiben krankheitsresistente Sorten das Mass aller Dinge. Dank dem gut funktionierenden Geschmacksgruppenkonzept lassen sie sich auch über den Grossverteiler gut absetzen.

Esther Bravin von der ACW stellte eine Analyse der Wirtschaftlichkeit des Schweizer Bioobstbaus vor. Produktepreis, Ertrag und Anteil Handelsware sind die absoluten Schlüsselfaktoren. Ändern sich diese, folgen überproportionale Änderungen des Arbeitseinkommens. Hagelnetz, Bewässerung und Heisswassertauchen verbessern die Qualitätsausbeute der Äpfel deutlich. Jede einzelne dieser Massnahmen kostet aber je nach Ertrag zwischen 9 und 15 Rappen pro Kilo Äpfel.

Präzisions-Düngung

Franco Weibel stellte die Resultate aus einem siebenjährigen Versuch vor. Bei der Sorte Topaz wurden die Auswirkungen verschiedener Baumernährungsstragegien (Kompost, Handelsündger, Blattdünger und bio-dynamische Methoden) auf Baumleistung, Fruchtqualität und Bodenfürchtbarkeit untersucht. Dabei wurde auch die Idee der „Präzisions-Düngung“ vorgestellt.

Am Schluss der Tagung konnten die Teilnehmer im Rahmen einer Degustation geschmackvolle Bioweine des FIBL testen und sich weiter über die Bioobstproduktion unterhalten.

Autoren: Esther Bravin (ACW) und Andi Häseli (FIBL)

Für weitergehende Informationen:

Der umfangreiche Tagungsband steht kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung.
Tagungsband Fachtagung Bioobstbau 2009 (im FiBL-Shop)