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Äpfel: Einsatzstrategien für Armicarb gegen Schorf und Regenflecken
Der Apfelschorf und die Regenfleckenkrankheiten verursachen die weitaus grössten Pflanzenschutzprobleme im Bioapfelanbau. Gegen den Apfelschorf erspart das stetig wachsende Sortiment an schorfresistenten Sorten einen Grossteil des Pflanzenschutzaufwandes. Gegenüber der Regenfleckenkrankheit sind aber alle spät reifenden Sorten mehr oder weniger anfällig. Gegen den Apfelschorf wurde bislang bis zur Blüte Kupfer und/oder Tonerdeprodukte in Kombination mit Netzschwefel und nach der Blüte Netzschwefel eingesetzt. Zur Reduktion der Regenfleckenkrankheiten stand bislang in der Praxis einzig das Kokosseifepräparat Cocana RF zur Verfügung.Vor zwei Jahren konnte mit dem Kaliumbicarbonat- Präparat “Armicarb“ für den Bioanbau ein neues Fungizid bewilligt werden, mit dem beide Krankheiten erfasst werden können. Aus den Versuchen und dem bisherigen Praxiseinsatz konnten seitdem umfangreiche Erfahrungen gesammelt werden, die in die optimierten Pflanzenschutzempfehlungen einfliessen.
Zusammensetzung
Armicarb enthält neben Kaliumbikarbonat rund 20% Zusatzstoffe, welche die Wirkungssicherheit des Produktes gegenüber dem reinen Kaliumbicarbonat verbessert. Armicarb wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) als nicht-toxisch eingestuft und es wurden deshalb auch keine Grenzwerte festgelegt. Neben dem Einsatz im Kernobst ist Armicarb auch im Gemüse- und im Gewürzpflanzenanbau gegen Echten Mehltau an verschiedenen Kulturen zugelassen.
Wirkung gegen Schorf und Regenflecken
Die Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz (2008 und 2009) bestätigen die gute Wirkung aus den Versuchen gegen die Regenflecken und die Fliegenschmutzkrankheit. Die Wirkung gegen Blattschorf ist ebenfalls relativ gut und leicht besser als Schwefel alleine, allerdings hat die Saison 2008 mit dem sehr hohen Schorfdruck auch die Grenzen in der Wirkung gegen Blattschorf aufgezeigt. Die Wirkung auf Fruchtschorf hingegen ist überraschend gut und vor allem in Kombination mit Schwefel den bisherigen Verfahren klar überlegen.
Versuche unter kontrollierten Bedingungen haben gezeigt, dass Armicarb auch bis 24 Std. nach Infektionsbeginn eine sehr gute Wirkung zeigt. Damit wird das Produkt zum Abstoppen von Infektionen zur interessanten Alternative.
Nebenwirkungen
Im Praxiseinsatz hat sich gezeigt, daß Armicarb je nach Einsatzstrategie und Sorte (siehe Tabelle) zu Blattreizungen und verfrühtem Blattfall führen kann. Die Blattreizungen zeigen sich durch abruptes Auftreten von braunen Flecken auf dem Laub, wobei keine ‚milden’ oder frühen Stadien erkennbar sind. Beim verfrühten Blattfall zeigen sich Symptome, die auf Magnesiummangel hindeuten. Die Blattreizungen hängen sehr stark von Einsatzmenge, -Häufigkeit, Sorte und Witterung ab. Wir haben noch nicht alle Zusammenhänge verstanden. Die Applikationsmenge und Applikationshäufigkeit haben offensichtlich einen erheblichen Einfluß auf die unerwünschten sortenabhängigen Blattverbrennungen. Bei den anfälligen Sorten sollten deshalb Spritzintervalle von 8 Tagen nicht unterschritten werden, und nicht mehr als 4.8 kg/ha Armicarb eingesetzt werden. Vorteilhaft ist die Kombination mit 2-5 kg/ha Netzschwefel wie z.B. Thiovit, Soufralo oder Stullnschwefel. Kombinationen mit anderen, insbesondere mit flüssigen Schwefelformulierungen, sollten gemieden werden, bis deren Eignung geklärt ist.
In Einzelfällen wurde beobachtet, dass Armicarb je nach Standort und/oder Sorte die Bildung von Lentizellenröte (möglicherweise verursacht durch Pseudomonas syringae) und Gloeosporium fördern kann. Es handelt sich hierbei aber nicht um gesicherte Beobachtungen. In Einlagerungsversuchen in der Praxis wurden beim erstmaligen grösseren Einsatz bislang keine Probleme festgestellt. Positiv zu vermerken ist, daß der Befall mit Lagerschorf nach Einsatz von Armicarb reduziert wurde.&nb
Anfälligkeit von verschiedenen Sorten auf Blattverbrennungen durch Armicarb-Anwendung | |
|---|---|
Sorte | Anfälligkeit auf Blattverbrennungen |
Berner Rosen | stark |
Ecolette | stark |
Elstar | stark |
Glockenapfel | stark |
Golden Delicious | mittel |
Gala | mittel |
Iduna | mittel |
Meran | mittel |
Arlette | wenig |
Cox Orange | wenig |
Retina | wenig |
Resi | wenig |
Vanda | wenig |
Boskoop | kein |
Braeburn | kein |
Evelina | kein |
Fiesta | kein |
Goldparmäne | kein |
Gravensteiner | kein |
Idared | kein |
Jonica | kein |
Maigold | kein |
Ottawa | kein |
Pinowa | kein |
Einsatzzeitpunkt
Die aktualisierten Empfehlungen sehen den Einsatz von Armicarb vor:
- nach der Blüte;
- vor allem im Sommer/Herbst, wenn auch die hervorragende Wirkung auf Regenflecken voll genutzt werden kann;
- aufgrund der guten abstoppenden Wirkung kann Armicarb auch zum Abstoppen einer laufenden und anhaltenden Schorfinfektion während der Ascosporenphase im April bis Mai eingesetzt werden, nachdem der vor der Infektion applizierte Spritzbelag abgewaschen wurde. Für die Erkennung einer solchen kritischen Phase bildet das RimPro-Modell mit der entsprechenden Empfehlung eine gute Hilfestellung
Schorfprognose mit RIMpro
Dosierung
Armicarb soll mit 4.8 kg/ha (0.3%) in Tankmischung mit 3.2 kg/ha (0.2%) (Netzschwefel Stulln, Thiovit oder Soufralo) nach der Blüte ab ca. Nussgrösse eingesetzt werden. Bei schorfresistenten Sorten, zur Vorbeugung und Bekämpfung der Regenfleckenkrankheit, kann Armicarb ab Juni, eher nach Regenereignissen, mit 4.2 kg/ha ausgebracht werden. Zur Reduktion des Phytotoxizitätsrisikos kann gegen Regenfleckenkrankheit vor allem im Juni/Juli alternierend mit Armicarb auch Kokosseife eingesetzt werden. Für die letzten Behandlungen bis 8 Tage vor der Ernte und allenfalls bei sehr starken Infektionsbedingungen auch zwischen dem ersten und zweiten Erntedurchgang eignet sich dank der kurzen Wartefrist von 8 Tagen nur noch Amicarb für den Einsatz gegen die Regenfleckenkrankheiten.
Ausblick
Armicarb wird bei vielen Sorten, vor allem bei den Spätsorten, die anfällig auf Regenfleckenkrankheiten sind, eine wichtige Lücke schliessen. Offensichtlich bestehen noch einige Wissenslücken in Bezug auf den Einfluss der Witterung und der Baumphysiologie auf Wirkung und Nebenwirkungen. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Berichte aus Italien, die auf eine gewisse kurative Wirkung von Armicarb hinweisen.
Autoren: Lucius Tamm, Andi Häseli,Thomas Amsler und Hansjakob Schärer









