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Andreas Häseli
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Feuerbrand: Behandlungsempfehlungen

Astspitze ist abgestorben, die Blätter sind dunkelbraun
Vom Feuerbrand befallener Birnenast

Nach dem sehr starken Befallsjahr 2007 ist der Feuerbrand in den letzten drei Jahren in Obstanlagen nur noch wenig aufgetreten. Zu dieser erfreulichen Entwicklung haben nebst den für den Feuerbrand ungünstigeren Infektionsbedingungen während der Blütezeit sicherlich auch die konsequent durchgeführten indirekten und direkten Bekämpfungsmassnahmen beigetragen. Trotzdem gilt es dem gefährlichen Feuerbrand höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Das Bakterium ist latent vorhanden und kann sich bei günstigen Infektionsbedingungen während der Blüte schnell und über grosse Gebiete ausbreiten und Schaden anrichten. 

Massnahmenkombinationen

Ein erfolgreiches Feuerbrand-Management beruht auf der Kombination von verschiedenen Massnahmen, die jede für sich einen Teil zur Reduktion des Gefährdungspotenziales beiträgt. Einzelmassnahmen sind:

  • Management von Alternativ-Wirtspflanzen (Befallskontrolle und/oder Rodung)
  • Winterschnitt zur Entfernung von Cankern sowie von Blüten- und Fruchtmumien
  • Vorblütebehandlungen zur Reduktion der Bakterienmenge
  • Blütenschutz mit gezieltem Mittel-Einsatz nach Prognosemodell
  • Sofort-Schnitt bei Frischbefall
  • Sofortige Behandlung nach Hagel im Sommer
  • Roden von stark befallenen und/oder stark anfälligen Bäumen/Sorten
  • Wahl von möglichst toleranten oder resistenten Sorten für Neupflanzungen.

Es braucht alle Teile um eine optimale Situation zu erreichen. Garantie für vollen Erfolg dieser Strategie gibt es aber nicht, insbesondere dann nicht, wenn das Erregerpotenzial in der eigenen Anlage oder in der Umgebung sehr hoch ist.

Vorblütebehandlungen

In Anlagen mit Vorjahresbefall, resp. Feuerbrandbefall in unmittelbarer Umgebung können mit einer Kupferbehandlung im Stadium Knospenschwellen bis Knospenaufbruch (51-53 = B-C) in einer erhöhten Aufwandmenge von ca. 2 kg Reinkupfer pro ha die Bakterien auf dem Holzkörper reduziert werden. Für eine solche, die maximale Kupferausbringmenge von 1.5 kg pro ha und Jahr überschreitende Behandlung braucht es eine Sonderbewilligung durch die kantonale Fachstelle.

Blütebehandlungen

Die absolut grösste Gefahr für den Befall und die Ausbreitung von Feuerbrand besteht während der Blüte bei Erreichen von Infektionsbedingungen. Für die direkte Bekämpfung des Feuerbrandes können im biologischen Anbau zurzeit zwei Produkte empfohlen werden:

  • Das Hefepräparat Blossom Protect
  • Das Tonerdepräparat Myco-Sin

Blossom Protect zeigte in Versuchen eine leicht bessere Wirkung als Myco-Sin. Dieses Hefepräparat eignet sich sowohl für den Einsatz in Niederstammanlagen wie auch bei Hochstammbäumen. Berostungsempfindliche Sorten wie zum Beispiel Golden Delicious, Idared oder Pinova sollten aber höchstens zweimal behandelt werden, sie können mit leicht verstärkter Berostung auf das Mittel reagieren.

Da aber Myco-Sin in Kombination mit Netzschwefel Stulln zusätzlich auch eine Wirkung gegen Schorf, Mehltau und Fruchtspot (Pseudomonas) aufweist, bleibt dieses Präparat erste Wahl für den Einsatz bei schorfanfälligen Sorten und schwachem Feuerbranddruck.

Ist gemäss Prognose eine Feuerbrandinfektion zu erwarten, so kann ein Tag vor der Infektionsmöglichkeit anstelle von Tonerde auch  Blossom Protect eingesetzt werden. Bleibt das Infektionsrisiko über mehrere Tage hoch, so muss alle 2 Tage mit einem der beiden Präparate behandelt werden.

Wichtige Hilfen zur Einschätzung der Schorf- und Feuerbrandinfektionsgefahr sind die Prognosemodelle RimPro und Maryblight (siehe ganz unten).

Aktuelle Fragen

Trotz zunehmendem Wissen durch Forschungsarbeiten und Praxisbeobachtungen zum Beispiel über die Anfälligkeit von Sorten und Unterlagen, sind zum Feuerbrand und seiner Bekämpfung noch viele Fragen offen, wie zum Beispiel:

  • Bringen alternative Mittel wie Löschkalk, Hanftee oder homöopathische Produkte eine Wirkung?
    Die Praxisversuche mit Hanfextrakt und Löschkalk werden 2011 weitergeführt (siehe Praxisversuche unten).
  • Ist in Befallsgebieten des Hochstammanbaus das Unterlassen jeglicher Schnittmassnahmen, wie es einige Experten propagieren, geeigneter als der Rückschnitt, um das Überleben der Bäume zu sichern?
    Hierzu werden sowohl aus langfristigen Beobachtungen und Erhebungen wie auch aus dem Interreg-Programm „Gemeinsam gegen Feuerbrand“  Hinweise und Resultate erwartet.
  • Erreicht die Wirkung des Bakteriums Pantoea agglomerans diejenige der Hefen im Produkt «Blossom Protect»?
    Das in den USA unter dem Namen Bloomtime zugelassene Bakterium Pantoea agglomerans wird in der Schweiz 2011 in Feldversuchen geprüft. In den USA, wo grosse Hoffnungen auf dem Produkt Blossom Protect ruhen, wird die Wirkung von P. agglomerans als schwankend eingestuft.  Ein Wirkungsgrad von 60 bis 80%, wie ihn auch Blossom Protect erreicht, wird aber vom Produkt erwartet.
  • Kann Pantoea agglomerans für den Biolandbau zugelassen werden?
    Das Mittel ist in der Schweiz immer noch im Versuchsstadium. Weil der Mikroorganismus aus einem anderen Kontinent stammt, muss er sehr genau geprüft werden. Wenn das Prüfungsprozedere bei den verschiedenen Bundesämtern erfolgreich durchlaufen sein wird, sollte auch einer Zulassung für den Biolandbau nichts im Wege stehen.

Praxisversuche mit Löschkalk und Hanfextrakt gegen Feuerbrand

Blossom protect und Myco-Sin weisen nur eine Teilwirkung gegen Feuerbrand auf. Deshalb sind Alternativen zu diesen beiden Feuerbrand-Mitteln weiterhin gesucht. Im Rahmen eines Ringversuches wurden 2009 und 2010 auf 16 Bioobstbaubetrieben Löschkalk und Hanfextrakt auf ihre Wirkung gegen Feuerbrand geprüft. Über das tatsächliche Wirkungspotenzial von Hanfextrakt und Löschkalk zur Verhinderung von Feuerbrand-Blüteninfektionen unter Praxisbedingungen lassen sich aus den Versuchen keine gesicherten Schlussfolgerungen ziehen. Der Grund dafür ist, dass es in beiden Jahren kaum Infektionsbedingungen für Blüteninfektionen von Feuerbrand gegeben hat. Der Ringversuch wird im Jahr 2011 weitergeführt. Interessenten an einem solchen Versuch können sich beim FiBL melden (Hansjakob Schärer,  E-mail ).

Praxisversuche 2010 mit Löschkalk und Hanfextrakten: Versuchsbericht (794 KB)

Behandlung von Hochstammbäumen

Bei Hochstammbäumen ist es wegen der oft lang andauernden Blütezeit und der Grösse der Bäume besonders schwierig, die Produkte gegen Feuerbrand zum richtigen Zeitpunkt zuverlässig auf jede offene Blüte zu bringen. Die Anwendungszeitpunkte für «Blossom Protect» sind bei grossen Hochstämmen über einen längeren Zeitraum verteilt als in einer Tafelobst-Ertragsanlage. In Regionen mit Befall empfehlen wir, trotz dieser Schwierigkeiten, bei hoher Infektionsgefahr auch die Hochstämme mit «Blossom Protect» oder «Myco Sin + Netzschwefel Stulln» zu behandeln.

Meldepflicht

Bei Feuerbrandbefall besteht grundsätzlich immer noch Meldepflicht und er muss amtlich bekämpft werden. Dies insbesondere in der West- und Nordwestschweiz, wo es noch viele Gemeinden ohne Feuerbrand gibt. Dort gilt weiterhin die Tilgungsstrategie, das heisst, Feuerbrand soll dort weiter ausgerottet werden, sobald er auftritt (Link 1: Bekämpfungsstrategie des Bundes).

In Gebieten, wo Feuerbrand schon länger vorkommt und die vom Bund als Befallszone ausgeschieden wurden (Link 2), können die Kantonalen Pflanzenschutzdienste selber bestimmen, welche Massnahmen zu treffen sind. In solchen Befallszonen wird von vielen Kantonen eine Schutzobjektstrategie verfolgt. Das bedeutet, dass innerhalb und um Schutzobjekte (zum Beispiel bedeutende Hochstammbestände, Erwerbsobstanlagen, Baumschulen) die Melde- und Bekämpfungspflicht nach wie vor gilt. Die kantonalen Pflanzenschutzdienste ordnen dort die Massnahmen an, die zur Überwachung und zur Bekämpfung notwendig sind.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Kanton Wallis, welcher immer noch frei von Feuerbrand und als Schutzgebiet ausgeschieden ist (Link 3).

Link 1: Bekämpfungsstrategie des Bundes (Webseite Agroscope)
Link 2: Befallszonen (Webseite Agroscope)
Link 3: Schutzzonen (Webseite Agroscope)

Weiterführende Informationen: