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Andreas Häseli
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Bulletin Sulgen

Schluss-Bulletin von Ende Mai 2010

In der Ascosporenfalle in Frick wurden nach Mitte Mai keine weiteren Ascosporenausstösse festgestellt. Dies entspricht auch den Aussagen des RIMpro Modells. Die weitere Schorfentwicklung in der Anlage geht in der kommenden Periode aus möglichen Primärinfektionen hervor. Falls Schorf in der Anlage oder in der nahen Umgebung vorhanden ist, wird für die Einschätzung der weiteren Schorfgefahr die Konidieninfektion (Grafik 'Sekundäre Infektionen') massgebend. Die Bedeutung dieser möglichen Infektionsereignisse hängt direkt mit der Anzahl der jetzt vorhandenen sporulierenden Blattinfektionen zusammen.

Für die Einschätzung der Schorf-, aber auch Mehltau und Feuerbrandsituation, sind die Anlagen in nächster Zeit gut zu kontrollieren. Bleibt die Anlage und die nahe Umgebung schorffrei und ist auch der Mehltaubefall nur gering, kann der direkte Pflanzenschutz etwas extensiver gestaltet werden. Im andern Fall müssen die stark wachsenden Triebe und Früchte vor möglichen Infektionen weiter gut geschützt werden, denn das schnell wachsende Blattwerk und die jungen Früchte bleiben, je nach Sorte, äusserst anfällig.

Bei der Festlegung der Spritzintervalle gilt es nebst der Schorfsituation in der Anlage, die Witterung, die Niederschlagsmenge seit der letzten Behandlung, den Neuzuwachs, aber auch die Verdampfungsrate des Schwefels sowie die Sortenempfindlichkeit zu berücksichtigen.

Erkenntnisse

Mit dieser Mitteilung schliessen wir die diesjährigen, auf das RIMpro Modell abgestützten Pflanzenschutzempfehlungen ab. Aus der Ascosporenperiode 2010 können zwei wichtige Erkenntnisse aus den letzten Jahren bestätigt werden:

·         Der Vergleich zwischen den Angaben des RIMpro Modells, den Ascosporenauszählungen aus Ascosporenfalle in Frick sowie mit dem Schorf-Infektionsverlauf in der unbehandelten Kontrollparzelle der stark anfälligen Sorte Gala hat wie in den Vorjahren gezeigt, dass die im RIMpro Modell errechneten Daten bezüglich Ascosporenausstoss sowie Infektionsverlauf und –stärke eine hohe Zuverlässigkeit aufweisen. 2010 gab es am Standort Frick durch die Witterungsentwicklung lediglich Anfangs Mai ein sehr gefährliches Infektionsereignis. Weitere mittelstarke Infektionsmöglichkeiten folgten am 6.und am 10. Mai.  Wurden die Obstkulturen an diesen Terminen ausreichend mit Pflanzenschutzbehandlungen geschützt, so sollte für dieses Jahr keine wesentlicher Schorfbefall auftreten.

·         Aus dem Vergleich der RIMpro Daten der zwei in der Deutschschweiz sowie drei in der  Westschweiz und Wallis laufenden Anlagen geht hervor, dass im Frühjahr die Witterungsverhältnisse oft über weite Gebiete ähnlich sind und deshalb Aussagen von einer RIMpro-Station für eine grössere Umgebung Gültigkeit haben. Dies bestätigen auch die Fallenauszählungen von Ascosporen in verschiedenen Gegenden in den letzten Jahren.  Mit den Daten und Empfehlungen von der nächstgelegenen RIMpro-Station sowie einem Regenmesser auf dem Betrieb zur Abschätzung der Abweichungen in der Regenmenge zur Referenzstation lassen sich die betrieblichen Verhältnisse ausreichend sicher einschätzen und eventuelle Anpassungen gegenüber den Empfehlungen vornehmen.

Weitere Empfehlungen zu Pflanzenschutzmassnahmen und Mittelwahl entnehmen Sie bitte dem FiBL-Merkblatt 'Krankheits- und Schädlingsregulierung im biologischen Apfelanbau' sowie den wöchentlich erscheinenden 'Pflanzenschutzmitteilungen Obst- und Rebbau'. Für individuelle Beratung können Sie gerne unseren Beratungsdienst kontaktieren.

Ihre Anmerkungen und Kommentare sind sehr willkommen. Bitte mailen Sie uns Ihre Anregungen an lucius.tamm@fibl.org und andreas.haeseli@no-spam.fibl.org

Mit freundlichen Grüssen,

Andi Häseli & Lucius Tamm

 

Legende zur RIMpro-Graphik:

hellblauer Balken: Blattnass-Perioden

dunkelblauer Balken: Regenperioden

braune Fläche: Ascosporen-Potential (zu Beginn der Saison = 100 %, Reifung abhängig von Temperatur und Blattnässe)

rote Fläche: Reife Ascosporen (können beim nächsten Regen ausgeschleudert werden, Ausstoss ist abhängig von Temperatur, Blattnässedauer, Niederschlag und Licht )

gelbe Säule: Ausgeschleuderte Ascosporen (befinden sich auf den Apfelblättern und beginnen bei Blattnässe zu keimen. In Keimphase sind Sporen sehr empfindlich auf Kontaktfungizide. Behandlungen in dieser Phase auf das nasse Blatt haben sich als sehr wirksam gezeigt)

rote Linie: Infizierte Sporen = RIM Wert (zunehmende Anzahl gekeimter Sporen, die ins Blatt eindringen und deshalb mit Kontaktfungiziden nicht mehr erreicht werden können.

Bei Überschreitung des RIM-Wertes von ca. 300 ist von sehr schweren Infektionsbedingungen auszugehen, die seltener (zwei bis vier Mal pro Jahr) vorkommen. Die Werte rechts des vertikalen Strichs sind extrapolierte Werte für die Abschätzung der Entwicklung in den nachfolgenden 24 Stunden, wobei von einer anhaltenden Blattnässe ausgegangen wird.

  

Legende zur RIMpro-Graphik: