Dossier Ebermast
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Jährlich werden in der Schweiz 1,3 Millionen Ferkel ohne Narkose kastriert. Um den Jungebern diesen schmerzhaften Eingriff zu ersparen, ist die Kastration ohne Betäubung ab 1.1.2009 per Gesetz verboten, dies mit einer Übergangsfrist bis zum 1.1.2010. Ein FiBL-Projekt sucht die Lösung des Problems in der Ebermast. Dies ist der einzige Weg, den Tieren Stress und Schmerz einer Kastration vollständig zu ersparen. Das Projektteam möchte die tierfreundliche Mastform im Biolandbau etablieren.
Die grösste Herausforderung bei der Ebermast besteht darin, die Vorurteile der Bevölkerung gegenüber Eberfleisch zu überwinden. Bei einer Degustation auf der Naturmesse in Basel waren die Besucher mehrheitlich von den aus Eberfleisch hergestellten Produkten begeistert.
Aber auch auf Landwirtseite fallen die Berichte gut aus. Die eberhaltenden Betriebe bezeichnen die reinen Ebergruppen als genauso ruhig und unproblematisch zu handhaben wie Gruppen mit weiblichen oder kastrierten Tieren.
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Weitere Kapitel zum Thema Ebermast
Neues zur Ebermast
Auf dieser Seite erscheinen laufend die neuesten Mitteilungen zu Ebermast und Kastration.
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Stellungnahmen von Bio Suisse-Vertretern und Praktikern
Markus Arbenz, Cäsar Bürgi, Urban Gschwend Hans-Georg Kessler und Bernhard Simon sagen, was sie von der Ebermast halten.
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Forschung: Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration
Am FiBL läuft ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, Lösungen speziell für Biobetriebe zu finden. Kurzfristig geht es um praxisgerechte Lösungen bei der Kastration. Lanfristig soll die Ebermast die Kastration ablösen.
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Ergebnisse einer Eberfleisch-Degustation
Die Eberfleischprodukte wurden sehr positiv beurteilt. Damit Eberfleisch im grossen Stil abgesetzt werden kann, braucht es jedoch noch grosse Anstrengungen.
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Weiterführende Beiträge zur Ebermast
In der Zeitschrift bioaktuell und auf verschiedenen Websites wurde und wird über die Ebermast berichtet. Hier finden Sie eine Zusammenstellung.
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Der Ebergeruch entsteht mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife. Ein Bestandteil des Ebergeruchs, das Androstenon, ein sogenanntes Pheromon. Das ist ein sexueller Lockstoff, mit dem der Eber die Sauen in Rausche bringt.
Ich würde gerne wissen, ab wann der Ebergeruch bei Ferkeln entsteht.
Liebe Grüße von Anne
Eigentlich kein Problem. Die Engländer haben Endstufeneber- kein Pit, die spätreif sind und einen hohen MF aufweisen.
war 1994 dort und habe die Ebermast erlebt. Als Freilandhalter im Ökobereich bin ich voll dafür...dann kommt endlich auch diese Europ-Maske abhanden, die die Ökoschweine eindeutig benachteiligt. war zwei jahre in Russland und steige jetzt wieder mit 120 Sauen ein ..aber wir brauchen andere Futterkurven und endgewichte...ich sehe eine große chance.
Zur Ebermast,
habe bis dato schon mehrere Eber gemästet und selbst für mich und Bekannte als Hausschlachtung im nahegelegenen Schlachtbetrieb
geschlachtet. Lebendgewichte von 95-125kg .
Konnte in keinster Weise negative Merkmale feststellen.
Wie schon oft geschrieben , es muß nur gegenüber dem Verbraucher alles verständlich gemacht werden.
Vieles liegt auch an den Strukturen in unserem Lande, ebenso auch an den beratenden Stellen.
karl streeb
Bekanntmachung:
KAGfreiland bietet dieses Jahr in Zusammenarbeit mit der ALP (Agroscope Liebefeld-Posieux) erneut einen Kurs für Eber-Kochproben an. Im Kurs lernen Sie als interessierte Spürnasen die Substanzen kennen, die für den Ebergeruch verantwortlich sind und Sie bewerten Eber-Kochproben.
Damit ein Kurstermin gefunden wird, der möglichst vielen
passt, werden Interessierte gebeten, sich bis am 20. Februar in folgender Terminumfrage zu beteiligen. Der Kurs findet nur bei mindestens 8 Anmeldungen statt.
www.doodle.com/x6p9g6f8uts6nm7i
An der Ebermast bin ich sehr interessiert, habe aber als Konsument keinerlei Erfahrung. Sie ist aber doch wohl die tierfreundlichste Methode, wenn nicht zusätzliche, für das Tierwohl negative Haltungsbedingungen eingehalten werden müssen. Auch darüber weiss ich nichts. Aber ich werde mir nun zwecks Eigenerfahrung, irgendwoher ein Fleischpaket aus Eberfleich bestellen. Auf die Dauer ist der Versandweg natürlich nicht praktikabel, aber zum Ausprobieren schon.
Martin Lobsiger, Oberscherli
Guten Tag miteinander
Die Impfung wird sich bei den Biobetrieben (HOFFENTLICH!) nie durchsetzen und die Ebermast finde ich aus tierfreundlichen Gründen (z.B. Rangkämpfe!) auch problematisch und bei der Umsetzung gibt es noch sehr viele Fragezeichen, die sich wohl kaum in den nächsten Jahren auflösen werden.
Ich verstehe nicht, warum die Kastration so in Verruf gerät. Jeder lässt seine Haustiere (Katze/Hund) kastrieren - natürich unter Narkose! Warum ist es bei den Ferkeln so anders?? Kastration bleibt Kastration, oder?
Liebe Grüsse,
P. Woer
Das Kastrationsverbot ohne Betäubung rückt näher und gerade für Selbstvermarkter wäre die Ebermast schon heute eine Option. Denn wenn die Tiere an keine Grossschlachterei abgegeben werden müssen, kann die Kochprobe am Schlachtkörper selbst gemacht werden. Schulungskurse zur Erkennung des Ebergeruches durch das Anwenden der Kochprobe werden angeboten. Durch einen früheren Schlachttermin und den Einsatz von Rohkartoffelstärke als Futterzusatz kurz vor der Schlachtung kann das Risiko der Geruchsbelastung gemindert werden. Stinker können je nach Erfahrung des Metzgers entsprechend verarbeitet werden. Allerdings ist eine gründliche Aufklärung der Kunden notwendig. Einerseits kann damit geworben werden, dass die Tiere ohne jeden Eingriff gemästet werden und andererseits ist es wichtig klarzustellen, dass eine Rohesswurst auch roh bzw. kalt gegessen werden soll. Somit kann man Missverständnissen zuvorkommen.
Ich finde, dass der Mensch sich viel zu schnell überzeugen lässt. Wir züchten das rotbunte Husumer Schwein zum Erhalt und zum Verkauf von Biofleisch und kastrieren die Eberchen nicht. Auch nicht wenn mal "ein Stinker" dabei sein wird. Wir glauben und sind überzeugt von der Methode der Ebermast wobei diese jünger geslachtet werden, also noch kein Ebergeruch entwickelt haben. Viele Länder tun das schon lange und wir haben noch nie von jemandem gehört, dass er/sie in seinem Urlaubland wo nicht kastriert wird, schlechtes/fremdes Fleisch gegessen hat.
Es ist vor allem die Angst (und im Kopf des Menschen) und hat wenig mit Wissen zu tun.
Als langfristiges Ziel kann ich mir die Ebermast für den Biolandbau durchaus vorstellen.
Die "unveränderte Vollkommenheit" der männlichen Mastjager passt sehr gut zum schmackhaften Bio-Schweinefleisch.
Ich glaube, es wird sehr zentral sein, wie ansprechend das Marketing für ein solches Produkt ausgestaltet werden kann.
Prädikate wie kräftig, vollkommen oder auch ganzheitlich sind sehr geeignet für ein positives Image.
Ich bin aber klar der Meinung, dass von Seiten Grossverteiler positive Signale zu einem solchen Projekt gesendet werden müssen. Denn der Grossverteiler ist unser idealer Marketing Partner, der sehr grosse Erfahrung mit einem Marktauftritt mitbringt.
Kurz- bis mittelfristig bin ich der Meinung, dass wir mit der Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose kastrieren sollen.
Wir behalten uns damit die Tür für eine Bio-Ebermast offen. Ich schätze auch das Risiko für uns Biobauern als nicht sehr gross ein, dass uns ein anderes Label in der Zwischenzeit die Ebermast streitg machen könnte.
Wenn wir wollen, dass Eberfleisch von einer breiteren Konsumentenschaft akzeptiert wird, müssen wir dafür sorgen, dass es den Ruf eines Gourmetprodukts bekommt. Keinesfalls darf das Eberfleisch in die Kategorie "Prix Budget" abrutschen. Wir sollten versuchen, Spitzenköche für die Ebermastidee zu gewinnen. Vielleicht wären sie sogar bereit, ein Ebermastrezept zu kreieren. Hat man schon versucht herauszufinden, ob Eberfleisch eine aphrodisierende Wirkung hat? Es könnte ja sein. Jedenfalls wäre das eher bei Eber- als bei Kastratenfleisch zu vermuten...! Das wäre ein schlagendes Verkaufsargument!
Als Ferkelproduzent bin ich glücklich über jede Produktionsform die ohne Kastrartion auskommt. Ich habe jedoch meine Zweifel ob die Ebermast im grossen Stil am Markt etabliert werden kann. Problematisch ist aus meiner Sicht die Geschlechtertrennung (auch nicht natürlich), die ohnehin schon eher kleinen Gruppen in der Bioschweineproduktion werden noch kleiner, wer nimmt nur Eber und wer hat dann Anspruch auf die weiblichen Tiere? Wer kommt für den Ertragsausfall von "Stinkern" auf? Betrieb welche qualitiv hoch stehende Produkte herstellen haben in der Regel ein höheres Schlachtgewicht bei den Schweinen, was auch wirtschaftkich Sinn macht. Wie schwer können in der Ebermast die Tiere gemacht werden, ohne das der Anteil an "Stinkern" zunimmt? Fragen über Fragen und Probleme die aus meiner Sicht noch nicht gelöst sind. Warum schlagen wir nicht den Zwischenweg ein und impfen die Eber gegen den Ebergeruch nach dem Motto: "Fleisch von unkastrierten, gegen Ebergeruch geimpften Schweinen".
Mit diesem Weg sind alle oben aufgeworfenen Fragen und Probleme gelöst. Was bleibt ist die Überzeuigungsarbeit beim Konsumenten.
Es gibt tatsächlich noch einiges zu tun, bis sich das Eberfleisch im grossen Stil auf dem Markt etablieren kann. Nur wenige Produkte haben einen so schlechten Ruf wie das Eberfleisch. Und dies ist zum grossen Teil ungerechtfertigt. Doch es gibt auch Knackpunkte, für die wir Lösungen brauchen. Die geschlechtergetrennte Mast ist sicher einer, doch dies lässt sich mit einem gewissen Organisationsaufwand bewerkstelligen. Lösungen müssten da vor allem für kleinere Ferkelproduzenten, welche auch mästen, gefunden werden. Die anfallenden "Stinker" (der prozentuale Anteil liegt zwischen 5-15% der gemästeten Eber) können zu Rohfleischprodukten verwertet werden, wie das KAG-Projekt zeigt. In diesem Bereich müssen noch Lösungen bezüglich der Diagnostik (bis heute wird es mit dem Kochtest gemacht), der Zucht (Linien mit weniger geruchsbelasteten Ebern) und der Verarbeitung der "Stinker" (neue, innovative Produkte der Verarbeiter) gefunden werden. Es ist auch so, dass der Zusammenhang zwischen Schlachtgewicht und "Stinkern" nicht eindeutig vorliegt, d.h. auch Tiere mit 80 Kg Schlachtgewicht können stinken und umgekehrt. Die Immunokastration ist nach BLW vorläufig im Biolandbau nicht zugelassen und wird auch von der Bio Suisse als keine mögliche Option für den Biolandbau angesehen. Das strategische Ziel des Biolandbaus sollte wirklich die absolute Unversehrtheit der Tiere sein. Mit der Immunokastration wird eine künstliche Autoimmunerkrankung beim Tier ausgelöst, welche ein zentrales Hormon unwirksam macht.
Es gibt also noch viel zu tun, packen wir's an, denn der Biolandbau sollte seiner Vorreiterrolle bezüglich Tierwohl immer wieder von Neuem gerecht werden.
Das sind wahrlich Herausforderungen, mit diesen Problemen fertig zu werden, für mich aber auch das Interessante an dem Beruf Bauer, selbstständig zu sein und Herausforderungen zu packen. Ich kann mir nicht vorstellen, warum ein Biobauer mit dem Vorschlag der Impfung gegen Ebergeruch kommt, um das Problem zu lösen und als einziges noch bleibende Herausforderung die Überzeugung der Konsumenten sieht. Heisst das, dass der Bauer schon überzeugt ist oder interessieren ihn die Methoden kaum, Hauptsache der Absatz stimmt? Warum machen wir dann nicht gleich Gentechnik? Für die Befürworter ist dies das ökologischste was es gibt.....
Wir sind doch Biobauern, die mit der Natur arbeiten und auch deren Art akzeptieren.