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Dossier Ebermast

Ihre Meinung ist gefragt!
Haben Sie Erfahrungen, Fragen oder Tipps? Hier ist die  Gelegenheit, sich an der Diskussion zur Ebermast zu beteiligen.
zu den Kommentaren

Ansprechpartner

Steffen Werne
FiBL Beratung
Ackerstrasse
5070 Frick

Tel. 062 865 04 40
Fax 062 865 72 73
E-Mail
www.fibl.org

Fokusgruppe aus Konsumenten

Durchführung und Methodik

Im Rahmen des FiBL Projektes zur Ebermast wurde eine Fokusgruppe zum Thema „Ferkelkastration und Ebermast“ am FiBL in Frick durchgeführt. Insgesamt bestand die Gruppe aus vier Teilnehmern, was für eine Fokusgruppe sehr niedrige Zahl ist.

Die Gruppendiskussion ist eine in der qualitativen Marktforschung weit verbreitete Methode und wird eingesetzt, um Meinungen zu neuen Themen einzuholen. Das wichtige Kennzeichen von Fokusgruppen sind die Interaktionen zwischen den Teilnehmern. Die Fokusgruppe folgte einem Leitfaden mit den Themen, die diskutiert werden sollen und wurde von einer Moderatorin geleitet.

Der Ablaufplan der Fokusgruppe sah folgendermassen aus:

  1. Vorstellungsrunde/Einstiegsfrage
  2. Präsentation der verschiedenen Kastrationsmethoden
  3. Degustation von Eberfleischprodukten und Bewertung der Produkte
  4. Deklarierung und Informationsbedarf zu Produkten aus Eberfleisch
  5. Zahlungsbereitschaft
  6. Abschlussrunde

Der Ergebnisteil ist ein Resümee aus den gesammelten in der Diskussion vorgebrachten Argumenten und Beiträgen und gibt einen Einblick in die Meinungen und Ansichten von Konsumenten zum Thema.

Einstiegsfrage

Was sind Ihre wichtigsten Kriterien beim Fleischeinkauf?

Die Antworten:

  • Optischer Eindruck
  • Labels
  • Mageres Fleisch
  • Regionale Herkunft (Schweiz)
  • Wissen, von welchem Landwirt das Tier kommt

Präsentation der verschiedenen Kastrationsmethoden und Diskussion

In einer kurzen Präsentation wurden die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden der Kastration sowie der Ebermast vorgestellt. Es wurden die folgenden Methoden aufgeführt:

  • Kastration mit Inhalationsnarkose
  • Kastration mit Injektionsnarkose (Vollnarkose)
  • Kastration mit Lokalanästhesie
  • Immunokastration
  • Ebermast (keine Kastration)

Bei der anschliessenden Diskussion über alle Methoden wurde von allen Teilnehmern die Ebermast als die tierfreundlichste Methode bezeichnet. Es wurde auch von mehreren Teilnehmern erwähnt, dass die Diskussion um das Thema Ebergeruch nicht verstanden wird, weil sie als Konsumenten keine besondere Meinung dazu haben.

Die Immunokastration wurde als kritisch gesehen, weil nicht sicher ist, ob Rückstände im Fleisch verbleiben. Zwischen den anderen Kastrationsmethoden wurde wenig differenziert und alle Formen als eine Verbesserung der jetzigen Situation angesehen.

Degustation und Bewertung der Eberfleischprodukte

Es wurden Rohschinken und Salami zur Degustation angeboten. Von allen Teilnehmern wurden die Produkte als sehr gut und schmackhaft bewertet. In der anschliessenden Diskussion um die Bewertung der Produkte wurde deutlich, dass die Ebermast allein nicht unbedingt ein Kaufargument darstellt. Es müssen auch noch Zusatzmerkmale wie Spezialität und die Auslobung der Tierfreundlichkeit vorhanden sein, um zum Kauf zu motivieren. Für die Teilnehmer beim Fleischeinkauf ebenfalls relevante Kriterien wie Regionalität und Aussehen des Fleisches bleiben weiterhin wichtig. Eine Vermarktung als ein Gourmet-Nischenprodukt ist gut vorstellbar. Optimal wäre eine Produkteinführung inklusive Verkostung. Der Einstieg der Grossverteiler in den Verkauf wurde begrüsst.

Ein Teilnehmer hat bereits Erfahrungen mit „säuelndem“ Fleisch gemacht und würde, wenn er sich nicht 100% sicher sein könnte, dass es nicht stinkt, kein Eberfleisch kaufen.

Deklarierung und Informationsbedarf zu Produkten aus Eberfleisch

In der Diskussion wurde deutlich, dass ein grosser Informationsbedarf besteht. Um Eberfleisch erfolgreich vermarkten zu können, braucht es nach Meinung der Teilnehmer einen enormen Aufklärungsbedarf. Der Konsument möchte wissen: „Was ist die Ebermast, warum wurde sie eingeführt und was ist der Unterschied zu bisher und wie kann ich die Produkte verwenden?“. Nur wenn diese Fragen geklärt werden können, werden die Konsumenten die Produkte kaufen. Zudem sollte die Deklarierung transparent sein, denn Konsumenten wollen wissen, was sie kaufen. Der Begriff „Ebermast“ wurde als unglücklich bezeichnet, die Bezeichnung „Eberfleisch“ ist nach Meinung der Teilnehmer in Verbindung mit ausreichenden Informationen in Ordnung.

Bei der Frage, wer die zuverlässigsten Quellen für Informationen über die Besonderheiten des Fleisches wären, wurden genannt:

  • (Dorf) Metzger (Vertrauensperson)
  • Landwirt beim Besuch auf dem Bauernhof
  • Mund- zu- Mund Propaganda
  • Verbrauchermessen

Die allgemeinen Medien wurden als Informationsquelle mangels Glaubwürdigkeit abgelehnt. Auch einfache Plakate sind nach Meinung der Teilnehmer zu wenig. Eine umfassende Informationskampagne für die gesamte Fleischbranche selbst wurde als hilfreich und notwendig angesehen.

Zahlungsbereitschaft

Eine hohe Zahlungsbereitschaft unter den Teilnehmern wäre vorhanden, wenn aus dem Eberfleisch eine Spezialität hergestellt werden würde. Ist kein besonderer Mehrwert ersichtlich, ist die Akzeptanz eines höheren Preises gering. Um eine breitere Masse an Konsumenten zu erreichen, sollte das Eberfleisch nach Meinung der Teilnehmer preislich auf keinen Fall teurer sein als anderes Fleisch.