Bulletin Frick
Bulletin vom 22. Mai 2012 11:00 Uhr
Aktuelle Lage: In der Schorffalle in Frick konnten in den letzten Tagen nach Niederschlägen nur noch sehr geringe Mengen an Ascosporen nachgewiesen werden. Die letzte grössere Freisetzung von Ascosporen erfolgte mit den Niederschlägen vom 5./6. Mai. Somit dürfte die Ascosporensaison definitiv abgeschlossen sein.
Die Überwachung des Ascosporenfluges mit der Schorffalle am Standort Frick hat auch 2012 wie in den Vorjahren eine sehr gute Übereinstimmung des effektiven Ascosporenfluges mit dem im RIMpro errechneten Ascosporenflug ergeben. Am Standort Frick waren in diesem Frühling hauptsächlich 4 Infektionsereignisse mit einem RIM-Wert von >300 ausschlaggebend für die Schorfentwicklung. Wer diese 4 Perioden gut mit einem fungiziden Schutzbelag abgedeckt hatte (vorbeugende Behandlung und evtl. zusätzliche Behandlung während der laufenden Infektion), sollte entsprechend frei von Schorfbefall sein.
Weitere Schorfinfektionen erfolgen nun ausschliesslich über Konidien aus Primärinfektionen. Wer also seine Anlage und Umgebung frei von Schorfbefall hat oder schorfresistente Sorten im Anbau hat, kann seine Fungizideinsätze primär auf mögliche Infektionen durch Mehltau und ab Anfangs Juni durch Regenfleckenkrankheit ausrichten.
Behandlungsempfehlung: Gegen Schorf und Mehltau in gefährdeten Anlagen vor Niederschlägen 5-6 kg Netzschwefel einsetzen. Behandlungsintervall ausrichten nach Niederschlagsmengen (nach > 20 mm ist Belag abgewaschen), Neuzuwachs und Temperaturen (bei 20 °C beträgt Wirkungsdauer von Schwefel ca. 7 Tage). Falls eine gefährliche Infektion am Entwickeln ist und der Schutzbelag nicht mehr ausreichend ist, so kann in eine laufende Infektion auch 0.3 % Armicarb + 0.3 % Schwefel appliziert werden.
Schorfresistente Sorten müssen nur behandelt werden, wenn ein hohes Risiko für Mehltau- und Pseudomonasbefall besteht.
Damit schliessen wir für dieses Jahr die aktuellen Mitteilungen auf dieser Seite. Die weitere Entwicklung möglicher Schorfinfektionen über Konidiensporen kann auf dieser Seite weiter ständig aktualisiert verfolgt werden.
Aktuelle Pflanzenschutzmitteilungen und Empfehlungen zum biologischen Obstbau können den wöchentlich erscheinenden Pflanzenschutzmitteilungen von Agroscope Wädenswil und FiBL entnommen werden.
Ihre Anmerkungen und Kommentare sind sehr willkommen. Bitte mailen Sie uns Ihre Anregungen an
andreas.haeseli@no-spam.fibl.org
Mit freundlichen Grüssen,
Andi Häseli & Lucius Tamm
Legende zur RIMpro-Graphik:
hellblauer Balken: Blattnass-Perioden
dunkelblauer Balken: Regenperioden
braune Fläche: Ascosporen-Potential (zu Beginn der Saison = 100 %, Reifung abhängig von Temperatur und Blattnässe)
rote Fläche: Reife Ascosporen (können beim nächsten Regen ausgeschleudert werden, Ausstoss ist abhängig von Temperatur, Blattnässedauer, Niederschlag und Licht )
gelbe Säule: Ausgeschleuderte Ascosporen (befinden sich auf den Apfelblättern und beginnen bei Blattnässe zu keimen. In Keimphase sind Sporen sehr empfindlich auf Kontaktfungizide. Behandlungen in dieser Phase auf das nasse Blatt haben sich als sehr wirksam gezeigt)
rote Linie: Infizierte Sporen = RIM Wert (zunehmende Anzahl gekeimter Sporen, die ins Blatt eindringen und deshalb mit Kontaktfungiziden nicht mehr erreicht werden können.
Bei Überschreitung des RIM-Wertes von ca. 300 ist von sehr schweren Infektionsbedingungen auszugehen, die seltener (zwei bis vier Mal pro Jahr) vorkommen. Die Werte rechts des vertikalen Strichs sind extrapolierte Werte für die Abschätzung der Entwicklung in den nachfolgenden 24 Stunden, wobei von einer anhaltenden Blattnässe ausgegangen wird.
Die Stationen laufen nach Mean Greenwich Time. Die Addition von 2 Std. ergibt die Sommerzeit in der Schweiz.




