Anbau von Biolupinen Anbau von Biosoja: Empfehlungen für die Saison 2016 

Anbau von Biosoja: Empfehlungen für die Saison 2017

Auf die Impfung des Saatguts und die Saattechnik muss ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Die Höhe der ersten Hülsen am Stengel kann durch die Anbautechnik nur wenig beeinflusst werden. Das Anbaumonitoring 2016 zeigte, dass die Schnecken auch im feuchten Jahr 2016 nur in sehr wenigen Fällen ein bedeutendes Problem waren. Der Einsatz des Schneckenmittels Sluxx ist im Biosojaanbau weiterhin nicht möglich.

Ergebnisse des Anbaumonitorings 2016

Wir danken den Landwirten, die uns ihre ausgefüllten Fragebogen retourniert haben. 31 von 70 Landwirten haben geantwortet. Nachfolgend ein paar interessante Ergebnisse:

  • Saat
    Etwas mehr als zwei Drittel der Landwirte nutzen eine Exaktsämaschine zur Aussaat mit einem Reihenabstand von 50 cm; der Rest nutzt Drillmaschinen mit Reihenabständen zwischen 9 und 45 cm.
  • Düngung
    7 Produzenten haben das Sojafeld in irgendeiner Form gedüngt. Genutzte Verfahren sind: 20 bis 30 tonnen Kompost (Mist oder Grüngut) pro Hektare, Pferdemist, Schafmist.
  • Schneckenschäden
    Trotz des feuchten Frühjahrs 2016 haben nur zwei Landwirte schwere Schäden oder einen Totalschaden erlitten; drei Landwirte hatten Schäden an Feldrändern.
  • Mechanische Unkrautregulierung
    Die Verfahren zur Unkrautregulierung variieren von Landwirt zu Landwirt. Viele Landwirte kombinieren den Hackstriegel bzw. die Rollhacke mit einer Scharhacke. Ein Landwirt verwendet den Einböck-Rotorstriegel, vier Landwirte arbeiten mit der Fingerhacke.
  • Manuelle Unkrautregulierung
    Der Aufwand zur manuellen Unkrautregulierung bewegt sich meistens zwischen 10 und 25 Stunden pro Hektare.
  • Erfolg der Unkrautregulierung
    22 Landwirte sind mit dem Ergebnis der Unkrautregulierung zufrieden bis sehr zufrieden, sieben Landwirte hatten nach der Unkrautregulierung einen hohen Unkrautbesatz.
  • Ertrag
    Drei Virtel der Landwirte erzielten Erträge zwischen 12 und 38 Deziutonnen pro Hektare. Der Durchschnittsertrag aller Produzenten lag trotz des schwierigen Jahres 2016 bei 28 Dezitonnen pro Hektare.
  • Beratung
    Sieben Landwirte wünschen mehr Erfahrungsaustausch, 5 Landwirte würden Veranstaltungen zur Hacktechnik begrüssen. Auch Merkblätter und Flurbegehungen werden nachgefragt.

Kommentar zum Anbaumonitoring 2016

  • Düngung mit Hofdünger oder Kompost
    Kleine Gaben mit N-armen Hof- und Recyclingdüngern (z.B. Grünschnittkompost) können durchaus sinnvoll sein, obwohl diese Dünger bis jetzt im Sojaanbau nicht geläufig waren. Kompostdünger regen die biologische Tätigkeit des Bodens an und tragen positiv zur Humusbilanz bei.
  • Schnecken
    2016 hielten sich die Schneckenschäden in Grenzen und fielen geringer aus als erwartet. Auch 2017 wird es nicht erlaubt sein, das Handelsprodukt „Sluxx“ im Sojaanbau einzusetzen. Auch die Ergebnisse aus der Umfrage lassen keine echte Notwendigkeit erkennen. Vermutlich werden in gewissen Fällen die Schnecken für Hasenschäden verantwortlich gemacht. Beobachten Sie gut, ob Sie auch Hasen in Ihren Sojafeldern haben!
  • Erträge
    Die 2016 erwirtschafteten Erträge variierten in Abhängigkeit von den lokalen Anbaubedingungen recht stark. Der von der Mühle Rytz berechnete durchschnittliche Ertrag lag bei 18 Dezitonnen pro Hektare. Im Gegensatz zum Durchschnittsertrag von 28 Dezitonnen aus der Umfrage bei den Produzenten, basiert der von der Mühle Rytz errechnete Durchschnittsertrag von 18 Dezitionnen auf den Erträgen aller Produzenten und auf möglicherweise zu grossen Flächenangaben.

Weitere Informationen und Anbauempfehlungen

Wie kann die Höhe der ersten Hülse beeinflusst werden?

Die Höhe des ersten Hülsenansatzes kann gemäss Claude-Alain Betrix von Agroscope durch Kulturtechniken ein Stück weit beeinflusst werden. Erhöhte Saatdichten oder der Anbau in Mischkultur verlängern tendenziell die Internodien. Damit kommen die ersten Hülsen höher zu stehen. Aber längere Internodien können die Lagerung des Bestandes begünstigen.

Züchterisch können die Länge der Internodien und der Winkel der Verzweigungen des Stengels beeinflusst werden. Je senkrechter die Verzweigungen am Stengel sitzen, desto höher hängen die Hülsen. In der Züchtung werden prioritär aber frühreife und lagerresistente Pflanzen mit hohen Erträgen selektioniert. In den Versuchsparzellen wird immer der Balken des Mähdreschers hoch genug eingestellt, um die Erntebedingungen in der Praxis zu simulieren. Die darunterliegenden Schoten werden nicht mitgerechnet. Das Häufeln hat vermutlich keinen Einfluss auf die Höhe der ersten Hülsen.

Impfung des Saatguts

Ohne Impfung mit Knöllchenbakterien kommt es zu einem deutlichen Minderertrag, da das Bradyrhizobium japonicum natürlicherweise nicht in unseren Böden vorkommt. In verschiedenen Versuchen des FiBL haben sich die Handelsprodukte «Biodoz» und «HiStick» (erhältlich bei den Saatgutlieferanten) am besten bewährt. Wir empfehlen deshalb, keine anderen Produkte zu verwenden. Die Kontaktimpfung ist am einfachsten. Das angefeuchtete Saatgut wird dabei kurz vor der Aussaat mit dem schwarzen Bakterien-Torfpulvergemisch und mit Wasser (unbedingt chlorfrei) oder alkoholfreiem Bier (gutes Haftmittel) vermischt. Achten Sie darauf, dass die Samen nicht brechen oder gequetscht werden. Risse im Saatgut haben eine geringere Keimfähigkeit zur Folge. Wir raten vom Kauf von bereits geimpftem Saatgut ab, da die Impfung nicht zuverlässig ist. Schon geimpftes Saatgut vor der Aussaat am besten noch einmal impfen. Von einer Impfung von mehr als 24 Stunden vor der Aussaat raten wir dringend ab. Je unmittelbarer die Impfung vor der Aussaat erfolgt, desto besser. Da die Bakterien licht- und wärmeempfindlich sind, sollten das geimpfte Saatgut und das Impfmittel im Dunkeln und bei nicht über 25 °C gelagert werden. Einmal geöffnetes Impfmittel sollte aufgebraucht werden, da es nicht lange haltbar ist. Lieber zu viel als zu wenig Impfmittel verwenden. Ein nochmaliges Durchmischen des Saatgutes zwanzig Minuten nach der Impfung löst verklebte Körner und hilft dadurch, Lücken bei der Aussaat zu vermeiden. Bei der Saat durch Lohnunternehmer muss sichergestellt sein, dass die Sämaschine frei von Beizmittelrückständen ist.

Als Alternative zur Saatgutimpfung wird ab und zu auch die Impfung des Bodens mit einem Mikrogranulator (wie sie oft für die Ausbringung von Schneckenkörnern im ÖLN-Anbau verwendet werden) bei der Saat praktiziert. Dabei werden neutrale Mikrogranulate mit den Knöllchenbakterien gemischt. Diese Art der Impfung ist vermutlich etwas weniger sicher und erfordert eine höhere Aufwandmenge. Biobetriebe müssen auf einer gründliche Reinigung des Gerätes vor der Aussaat bestehen.

Die Impfung mit einer Feldspritze über die Bodenoberfläche (als Ersatz für eine vergessene Impfung des Saatguts) ist absolut nutzlos.

Aussaat

Bei der Saat sollte die Bodentemperatur nicht unter 10 °C liegen, da das Auflaufen der Samen sonst zu sehr verzögert wird. Manche Biosojaproduzenten säen sogar erst, wenn die Bodentemperatur 15 °C erreicht hat, um ein rasches Auflaufen der Kultur sicherzustellen und bereits nach 10 bis 15 Tagen striegeln zu können.

Das Ziel ist, dass nach Abschluss der Unkrautregulierung etwa 55 Pflanzen pro Quadratmeter stehen. Bei einer Keimfähigkeit von 80 Prozent müssen bereits 70 Körner je Quadratmeter gesät werden. Da Pflanzenverluste durch die mechanische Unkrautregulierung möglich und sogar anzustreben sind, gilt es, diese durch eine leicht erhöhte Saatdichte zu kompensieren (zirka 1-2 Prozent pro angestrebtem Hackgang mit strenger Geräteeinstellung). Je nach Hacken werden also 70-80 Körner pro Quadratmeter gesät. Bei Einzelkornsaat kommt bei hohen Saatdichten die Technik (Vakuum und Antrieb) mitunter an ihre Grenzen. Ggf. müssen spezielle Lochscheiben und stärkere Gebläse für die schweren Sojakörner eingesetzt werden, wie sie von manchen Herstellern speziell für Soja angeboten werden.

Eine genaue Tiefenablage ist unerlässlich, um ein gleichmässiges Auflaufen und einen dichten Bestand zu erreichen. Mit einem genügenden Schardruck und ausreichend grossen Rädern für die Tiefenführung ist dies auch bei höheren Geschwindigkeiten gewährleistet.

Drillmaschinen mit Parallelogramm erlauben eine Tiefeneinstellung unabhängig vom Schardruck. Eine Aussaat auf 12-17 cm Reihenabstand sollte nur im Fall eines sehr geringen Unkrautdrucks in Erwägung gezogen werden, denn dieser Reihenabstand erlaubt nur den Einsatz des Striegels; mit dem Hackgerät hingegen kann das Unkraut effektiver und länger reguliert werden.

Mischkulturen und Untersaaten

Um stabilere Erträge zu erzielen, werden 2017 verschiedene Mischungen von Soja und anderen Kulturen getestet. Den Praktikern wird empfohlen, nur auf kleinen Teilflächen Mischkulturen auszuprobieren. Wir würden uns freuen, wenn Sie ihre Erfahrungen mit uns teilen würden.

In Deutschland werden zurzeit Versuche mit  Untersaaten durchgeführt, die mit dem letzten Hackgang eingesät werden. Diese Technik ist noch nicht praxisreif. Für die  Schweiz existieren noch keine Referenzen.

Weiterführende Informationen
Am Schweizer Bioackerbautag in Cournillens, FR, am 08.06.2017: Demonstration von sieben Maschinen zur Unkrautregulierung im Sojaanbau. Bioackerbautag 2017
Flurbegehungen, Exkursionen und Erfahrungsaustausche 2017 werden in der Agenda angekündigt.

Anbautechnik
Biosoja-Anbautechnik   (Diverse Beiträge auf dieser Webseite)
Biosoja-Versuchsberichte (Auf dieser Webseite)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.04.2017

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