Kontrolle der Distelfalterraupen im Sojafeld Biosoja: Versuchsberichte 

Biosoja-Anbau: Erfahrungen der Biobauern

Im Rahmen des Projektes «Bio Speisesoja Schweiz» wurde Ende 2016 eine Umfrage bei allen 70 Produzenten durchgeführt. 31 Biobauern haben geantwortet. Hier einige wichtige Ergebnisse aus der Umfrage. 

  • Grüne Körner durch ungleichmässige Abreife der Soja: Einige Produzenten (Kantone GE, VD, FR und BE) haben in ihrer Ernte den zulässigen Anteil von 5% grünen Körnern überschritten. Progana und die Mühle Rytz haben diese Ernten zu einer anderen Mühle transportiert und sie mit einem optischen Ausleser gereinigt, damit sie nicht zu Futtersoja deklassiert werden mussten (115 Fr/dt). Die Reinigung war sehr teuer, weswegen den betroffenen Produzenten lediglich ein Preis von 160 Fr /dt ausbezahlt werden konnte.
  • Es gab keine nennenswerten Vorkommen von grauen Körnern durch Pilzbefall, der Herbst war trocken und die Soja konnte in aller Ruhe ausreifen.
  • Beratung: 7 Landwirte wünschen mehr Erfahrungsaustausch, 5 Landwirte würden Veranstaltungen zur Hacktechnik begrüssen. Auch Merkblätter und Flurbegehungen werden nachgefragt.

Hülsenplatzen und grüne Körner

Einige Produzenten haben die Soja der Sorte Aveline zu spät gedroschen, viele Hülsen waren bereits aufgeplatzt und die Sojabohnen herausgefallen, der Ertrag war folglich gering. Man darf nicht warten, bis die letzten Hülsen reif sind, vor allem nicht bei Aveline, die zum Hülsenplatzen neigt. Sie ist nicht geeignet für die besten und zu Trockenheit neigenden Lagen. Um Hülsenplatzen zu vermeiden empfehlen wir, vor der Ernte jeden Tag bei geringer Luftfeuchtigkeit den Bestand zu beobachten und nicht zu warten, bis das letzte Korn trocken ist, um eventuell Trocknungskosten zu sparen. In unserem Klima lässt sich die Trocknung mitunter nicht vermeiden.

  • Es gibt zwei Ursachen für das Hülsenplatzen:
    • a) Die Sorte: Aveline neigt eher dazu als Gallec oder Protéix. Generell sind die frühreifen Sorten wie Aveline, die in trockenen Gunstlagen angebaut wird, anfälliger als spätreife Sorten wie Protéix.
    • b) Der Erntezeitpunkt: in sehr heissen Jahren ist die Soja viel früher reif als gewöhnlich.
  • Hülsenplatzen kann auch nur sehr begrenzt an einigen Stellen im Feld auftreten, man sollte die Abreife des gesamten Feldes im Blick behalten.
  • In nassen und kalten Jahren kann die Soja unabhängig von der Sorte erst spät abreifen, sogar in den besten Lagen. Es kann so zu grünen und grauen Körnern in der Ernte kommen, wie im Herbst 2013 und 2014. In gefährdeten Gegenden kann das Risiko mit der Aussaat einer frühreifen Sorte wie z.B. Gallec, die weniger anfällig für Hülsenplatzen ist und einer spätreiferen wie Protéix reduziert werden. Für höhere Lagen (450-600 m) sind Gallec und Aveline geeignete Sorten.
  • Die ungleichmässige Abreife (grüne Körner) ist eine Konsequenz von Stress, dem die Pflanze im Laufe der Saison ausgesetzt war: Abwechselnde Wärme- und Kälteperioden, Trockenheit und übermässige Feuchtigkeit. Die gleiche Erscheinung gibt es auch bei anderen Leguminosen wie Lupinen, Ackerbohnen usw. Eine gute Bodenstruktur und ausreichender Humusgehalt verringern das Risiko und können es den Pflanzen ermöglichen, Extrembedingungen besser zu überstehen. Bewässerung ist ggf. auch hilfreich. 

Saatgutverfügbarkeit und Eignung zur Verarbeitung zu Tofu

Aktuell werden in der Schweiz nur Protéix und Aveline in Bio vermehrt. Saatgut der Sorte Gallec wird gelegentlich importiert, wenn zu wenig einheimisches Saatgut zur Verfügung steht. Die Sorte hat einen geringeren Proteingehalt und wird deswegen von den Verarbeitern nicht bevorzugt.

Während der kommenden Monate werden die Partner im Projekt «Bio Speisesoja Schweiz» die Strategie der Saatgutproduktion weiterentwickeln. Auf Grundlage der Ergebnisse von Sortenversuchen werden neue Sorten ausgewählt und ggf. vermehrt werden. 

Unkrautregulierung

Nach Ende des Hackens wachsen Melden, Amaranth und weitere Unkräuter, die das Hacken überstanden haben, ungestört weiter. Die Pflanzen sollten nicht erst vor der Ernte ausgerissen werden sondern so früh wie möglich, ggf. von Hand, da sie eine gleichmässige Abreife verhindern und die Soja bezüglich Wasser und Nährstoffen konkurrenzieren oder die Qualität der Sojaernte durch Verfärbungen der Körner vermindern können. Entfernt werden müssen auch: 

  • Giftige Pflanzen wie den Stechapfel (Bild).
  • Sonnenblumen und Mais (die Körner können nur schwer aus der Sojaernte herausgereinigt werden).
  • Disteln und Blacke (Blacken mit Samen vom Acker enfernen)
  • Schwarzer Nachtschatten, vor der Ernte oder während der Ernte muss das Feld noch einmal nach reifen Pflanzen abgesucht werden um sie zu entfernen. Die Pflanzenteile, vor allem die Beeren, dürfen unter keinen Umständen in den Körnertank kommen, sonst kann es zu Qualitätseinbussen (Verfärbungen) kommen. 

Ernte

Zur Ernte hat die Pflanze ihre Blätter bereits abgeworfen. Die Bohnen haben sich von den Hülsen gelöst, wenn man schüttelt hört man ein Rasseln. Die Bohnen sind rund und mit dem Fingernagel kann man fast nicht mehr hineindrücken. Der Drescher muss absolut sauber sein, vor allem eine Verunreinigung mit Sonnenblumenkernen und Mais ist problematisch, da sie nicht oder nur schwer von der Soja getrennt werden können. Die Maschine muss so eingestellt werden, dass die Bohnen nicht zerschlagen werden.

Zwischen 14 und 16 % Feuchtigkeit sollte gedroschen werden, unter 14 % besteht das Risiko, dass viele Bohnen zerbrechen. Je trockener die Bohnen desto vorsichtiger muss gedroschen werden.

In einem nassen Herbst sollte die Soja nicht mit über 20 % Feuchtigkeit geerntet werden. Dabei muss bedacht werden, dass die Bohen zwischen Dreschen und Abliefern noch 5% Feuchtigkeit aufnehmen können. Bei mehr als 25 % Feuchtigkeit kommt die Trocknungskapazität der Annahmestellen an ihr Grenzen, und es kann nicht garantiert werden, dass die Soja korrekt getrocknet wird.

Verschiedenes

  • Überlagertes Saatgut: Immer wieder Fragen die Landwirte, ob sie überlagertes Saatgut wieder verwenden können. Überlagertes Saatgut aus dem Vorjahr ist weniger keimkräftig. Bei einem Produzenten in der Westschweiz wurde auf dem Hof gelagertes und neues Saatgut parallel ausgesät. Die Soja mit Saatgut von 2015 ist deutlich schwächer als die mit Saatgut von 2016 (Bild 3). Selbst wenn der Keimfähigkeitstest gute Ergebnisse bringt, kann es sein, dass das Wachstum doch verringert ist. Einzig der offizielle Test vom Agroscope Saatgutservice kann da Klarheit bringen.
  • Untersaat in Winterweizen: Ein Landwirt in der Westschweiz hat in einen stehenden Winterweizenbestand Soja eingesät. Das Ergebnis des Versuchs wird zu gegebener Zeit veröffentlicht.
  • Sklerotinia: Unter nassen Bedingungen kann die Soja von Sklerotinia befallen werden, meist aber ohne nennenswerte Schäden. Andere Wirtspflanzen, wie z.B. Sonnenblumen oder Raps sind viel anfälliger (Bild 4). Bei der Planung der Fruchtfolge muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viele anfällige Pflanzenarten angebaut werden.
  • Ein erster Versuch mit an den Hackscharen angebauten Torsionszinken (als Alternative zu Fingerhackelementen) fand am 16.9. in Allens, VD statt (Bild 5). Die im Vergleich zu Fingerhackenelementen erschwinglicheren Torsionszinken sind in der Einstellung nicht ganz einfach, und auf krustigem Boden sind die Ergebnisse bescheiden. Weitere Versuche folgen.

Der Biosoja Markt

Die Marktentwicklung ist positiv, bis dato ist es allerdings noch nicht möglich genau zu sagen, wieviele Hektaren im kommenden Jahr angebaut werden können. Frühestens Anfang 2018 wird die Mühle Rytz die Anbauer orientieren.

2018 wird es wieder möglich sein, in Zusammenarbeit mit Mühle Rytz Futtersoja zu produzieren. Das ist vor allem für die Umstellbetriebe interessant, die sich mit der Kultur vertraut machen wollen oder Speisesojaproduzenten, die mehr produzieren, als sie liefern können. 

Weitere Informationen

Körnerlegumiosen (Rubrik Ackerbau)


FiBL, Moulin Rytz, Progana, Agroscope

 

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18.09.2017

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