Stickstoffnachlieferung aus der Kunstwiese Stickstoffnachlieferung aus Körnerleguminosen 

Düngen mit Kleegras in unterschiedlicher Form

Die Nährstoffversorgung ist auf viehlosen Biobetrieben eine grosse Herausforderung. Ein gangbarer Weg auf der Suche nach mehr Unabhängigkeit von externen Nährstoffen ist zum Beispiel der Einsatz von Kleegras, das auf dem Betrieb produziert worden ist.

Das Verfüttern des Ertrages ist die lukrativste Art der Kunstwiesennutzung. Für viehlose Biobetriebe, die gemäss Richtlinien von Bio Suisse Kunstwiese in ihre Fruchtfolge einbauen müssen, ist die direkte Verwendung des Kunstwiesenschnittes als Dünger denkbar.

Das Kleegras kann frisch oder nach einer Konservierung durch Silieren, Trocknen oder Kompostieren direkt auf die Kulturen ausgebracht werden (Mais, Gemüse).

In einem Versuch wurden 2013 und 2014 die Erträge von Mais bzw. Sellerie verglichen, die mit Biorga, getrocknetem Hühnermist, Luzernepellets oder Kleegrasschnitt (frisch und kompostiert) gedüngt worden waren. Als Kontrolle diente eine ungedüngte Parzelle. Die Versuche werden 2015 fortgesetzt.

Tabelle 1: Getestete Dünger in den Versuchen 2013 und 2014
Versuch bei SellerieVersuch bei Mais
Biorgaxx
Hühnermistxx
Luzernepelletsxx
Frisches Kleegrasxx
Kompostiertes Kleegrasx
Kontrolle ohne Düngerxx

Kleegrasdüngung bedeutet, den Schnitt einer Wiese für die Düngung der Kulturen auf einer andern Parzelle einsetzen

Düngung von Sellerie mit frischem Kleegras

Im Jahr 2013 und 2014 wurden zwei Versuche mit Sellerie im «Jardin de Cocagne» in Landecy (Genf) durchgeführt. Die Düngewirkung von frischem Kleegrasschnitt wurde mit drei unterschiedlichen Düngern (Biorga, getrockneter Hühnermist und Luzernepellets) und einer ungedüngten Kontrollvariante anhand des Gewichts des geernteten Selleries verglichen.

Die Versuchsergebnisse (Grafik 1) zeigen, dass das frische Kleegras einen Düngewert hat, der vergleichbar ist mit dem des kommerziellen Düngers und den anderen Düngemitteln. Allerdings müssen die Applikationstechniken für Kleegras noch verfeinert werden. Mehr Einzelheiten sind im detaillierten Bericht zu finden, der Link befindet sich am unteren Ende dieses Textes. 

Düngung von Mais mit frischem und kompostiertem Kleegras

Ein Versuch mit Mais wurde auf dem Pilotbetrieb Mapraz (Genf) im Jahr 2014 durchgeführt. Der Versuchsaufbau war gleich wie bei Sellerie, allerdings wurde zusätzlich noch eine Variante mit kompostiertem Kleegras angelegt.

Resultate
Mit Ausnahme von Biorga (die höchsten Erntemengen) und der einfachen Menge des kompostierten Kleegrases (kein Effekt im Vergleich zur Kontrolle) (Grafik 2) wurden bei den Verfahren trotz völlig unterschiedlicher Nährstoffeinträge vergleichbare Ernten erreicht. Das frisch geschnittene Kleegras erzielte die gleichen Resultate wie der getrocknete Hühnermist und Luzernepellets, unabhängig von der aufgebrachten Nährstoffmenge (siehe Link unten auf der Seite).

Das Gemüse mit Silage düngen

Man verwendet den jungen, stickstoffreichen Schnitt um andere Kulturen zu düngen. Dabei wird das Kleegras siliert (Fahrsilo oder Rundballen), um es später zum richtigen Zeitpunkt als Dünger einsetzen zu können. Die Silage wird in den Boden eingearbeitet oder bei den Gemüsekulturen als Mulch ausgebracht. Die Produzenten, welche bisher den Einsatz von Kleegras-Silage als Dünger ausprobiert haben, schätzen die Resultate als erfolgversprechend ein.

Das Kleegras kompostieren

Eine andere Art der «Graslagerung» ist das Kompostieren. Dabei wird der Kleegrasschnitt nicht im Pansen der Kuh vergärt, sondern im «Bauch» der Kompostmiete. Die Gemüsebauern haben oft Sortier- oder Rüstabfälle zur Verfügung, die sie mit dem Kleegras mischen können. Viehlose Ackerbaubetriebe stellen deshalb eher reinen Graskompost her. Die bevorzugten Kunstwiesen sind diejenigen mit einem hohen Legumionsenanteil (Luzerne oder Rotklee) mit hohem Stickstoffgehalt.

Das Kleegras wird gehäckselt, ähnlich wie für das Silieren, dann an den Feldrand zu einer Miete aufgeschichtet. Die Miete wird drei- bis fünfmal umgesetzt. Es ist nicht immer einfach, einen guten, reinen Kleegraskompost zu erhalten. Das Wissen dazu muss noch erarbeitet werden. Einige Versuche wurden von 2012 bis 2014 durchgeführt, mit Parzellengrössen zwischen einer und mehreren Hektaren. Die Resultate sind ermutigend (Tbelle 2). Die untersuchten Komposte enthielten mehr Stickstoff als Rindermist. Der Kaligehalt ist mit Rindermist vergleichbar, die Phosphor- Magnesium- und Kalziumgehalte liegen höher. Die Mechanisierungskosten wurden noch nicht berechnet, aber sie dürften in der Grössenordnung einer Mistkompostierung liegen.

Tabelle 2: Nährstoffgehalte des Komposts, Kleegras und Rindermists

NährstoffRindermist festKleegraskompost


(GRUDAF 2009)

(Ergebnisse von fünf Versuchen von 2012 bis 2014)

MittelwertWerte von-bis
Ntot (kg/t TS)25.842.620-77
Ntot (kg/t FS)4.915.06-34
NH4-N (kg/t TS)2.10.7-3.8
P205 (kg/t TS)16.812.17-20
K20 (kg/t TS)34.733.511-61
Ca (kg/t TS)19.536.035-44
Mg (kg/t TS)4.25.44-6.3

TS = Trockensubstanz
FS = Frischsubstanz

Weiterführende Informationen
Versuchsbericht Sellerie 2013 -2015  (auf französisch)
Versuchsbericht Mais 2014 - 2015  (auf französisch)
Merkblatt "Herbe fertilisante" (auf französisch)
"Düngungswiese" (auf deutsch, PDF, Bioackerbautagung vom 19.01.2016)
auf:
Seite "Herbe fertilisante" (Webseite von AGRIDEA)

 

Josy Taramarcaz

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.02.2016

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