Bulletin 

Allgemeines

In den Schorffallen der Deutschschweizer RIMpro-Standorte  konnten in den letzten Zeit nach Niederschlägen keine Ascosporen mehr nachgewiesen werden. Die letzte geringe Freisetzung von Ascosporen erfolgte gemäss RIMpro-Modell am Standort Frick (siehe nachfolgende Abbildung) und auch an den anderen Standorten mit den Niederschlägen in der ersten Juniwoche.
Wie aus den verschiedenen RIMpro-Graphiken ersichtlich ist, fanden in der Ascosporensaison 2017, je nach Standort, drei bis fünf schwere Infektionsereignisse statt. Konnten diese ausreichend mit Behandlungen abgedeckt werden, so sollten die Kulturen nun mehr oder weniger schorffrei sein. Eine ausreichende Abdeckung einer Infektion ist dann gegeben, wenn die Bäume vor Niederschläge mit einer guten Applikationstechnik, dem richtigen Fungizid und einer ausreichenden Aufwandmenge behandelt werden und falls nötig während einer laufenden Infektionsperiode mit einer abstoppenden Behandlung ins feuchte Laub die Sporeneindringung ins Blatt verhindert wird. Eine abstoppende Behandlung ist dann angezeigt, wenn nach der Erstbehandlung > ca. 20 mm Niederschläge gefallen sind, die letzte Behandlung schon länger zurück liegt (ungeschützter Neuzuwachs) und sich eine gefährliche Infektionsperiode gemäss RIMpro-Modell ankündigt (viele ausgeschleuderte Ascosporen, ausreichende Blattnassdauer entsprechend den herrschenden Temperaturen). Bei der Einschätzung der Gefährlichkeit einer Infektionsperiode sind auch die Anfälligkeit der Sorten und vor allem auch die in der Anlage vorhandene Sporenlast aus dem vergangenen Jahr stark zu gewichten.

Wie weiter

Für kommende Schorfinfektionen sind jetzt die Sommerkonidien ausschlaggebend. Diese können sich aus Schorfbefallsstellen in der Anlage oder näheren Umgebung entwickeln und für eine schnelle Ausbreitung des Schorfbefalls in der Anlage sorgen. Die Einschätzung der Infektionsgefahr durch Sommerkonidien kann über die zweite Graphik „Sekundäre Infektionen“ im RIMpro-Modell verfolgt werden. Die Schorf-Befallssituation in und ausserhalb der Anlage inkl. den schorfresistenten Sorten  soll nun laufend überprüft werden. Wer seine Anlage und Umgebung frei von Schorfbefall hat, kann seine Fungizideinsätze ab jetzt primär auf mögliche Infektionen durch Mehltau und ab kommenden Regenperioden durch die Regenfleckenkrankheit, Marsonnina und Gloeosporium ausrichten.

Die weiteren Entwicklung der Schorfsituation und  von weiteren Pflanzenschutzprobleme im biologischen Obstbau sowie deren Regulierungsempfehlungen können Sie den weiter erscheinenden Bulletins zum Obstbau, Hochstammanbau, Steinobstbau und Beerenanbau entnehmen unter:
www.bulletins.bioaktuell.ch

Dieses Schorfspezifische Bulletin erscheint wieder im nächsten Jahr vor Beginn der „Ascosporensaison“.
Ich bedanke mich für die guten Datenlieferung durch kantonale Fachstellen für Obstbau, Agroscope Wädenswil und intern durch das FiBL.

Gerne sind auch Ihre Anmerkungen, Beobachtungen und Kommentare jederzeit sehr willkommen. Diese können Sie richten an: andreas.haeseli@fibl.org

Schorfstrategie mit RIMpro

Der biologische Anbau schorfanfälliger Obstsorten ist sehr anspruchsvoll. Nebst wirksamen Pflanzenschutzpräparaten und einer optimierten Applikationstechnik spielt der Zeitpunkt der Behandlungen eine entscheidende Rolle für den Regulierungserfolg. Seit einigen Jahren prüft das FiBL für den Bioapfelanbau den Einsatz des computergestützten Warnprogramms RIMpro in der Schweiz. Die fünf Referenzstationen stehen im Wallis, der Waadt, Frick und der Ostschweiz und werden während der Saison alle zwei Stunden aktualisiert, so dass topaktuelle Informationen zur Verfügung stehen. Um die Aussagekraft der Modellrechnungen zu verbessern, werden je nach Verfügbarkeit zusätzlich auch Informationen von Agroscope, FiBL und kantonalen Beratungsstellen aus Messungen des Ascosporenausstosses berücksichtigt.

Das Kernstück von RIMpro ist die Modellierung des Ascosporen-Ausstosses und die Angabe des Infektionsrisikos (‚RIM-Wert’, rote Kurve in der Grafik). Mit Hilfe dieser Angaben können im Frühjahr die Phasen erkannt werden, die für den Bekämpfungserfolg entscheidend sind. Die effiziente Bekämpfung der Ascosporeninfektionen legt die Basis für den Erfolg (oder Misserfolg) für die Schorfregulierung in der Sekundärsaison (Sommerkonidien).

Empfehlungen des FiBL

Die FiBL Beratung empfiehlt bei hohem Infektionsrisiko, die ‚klassische’ Strategie (Behandlungen vor Niederschlagsereignissen) mit Schorfbehandlungen zu ergänzen. Bei sehr hohem Infektionsrisiko und starker Abwaschung sollten auch Behandlungen ins nasse Laub durchgeführt werden. Diese Behandlungen werden gezielt in Risikoperioden gesetzt, das heisst wenn der RIM-Wert (rote Linie) auf >300 ansteigt und sofern während einem Infektionsereignis der Spritzbelag abgewaschen wird (in der Regel bei >15 mm Niederschlag).

Sofern eine Anlage völlig frei ist von Primärinfektionen, können die Behandlungsintervalle je nach Sorte ausgedehnt werden.

Um Resistenzdurchbrüche bei Vf-Sorten zu verhindern, sollte auch bei schorfresistenten Sorten während der Ascosporenflugperiode ein minimaler Pflanzenschutz durchgeführt werden. Sinnvollerweise werden auch hier Perioden mit einem hohen Rim-Wert abdeckt.

Beispiel:

In der Saison 2005 wurden am Standort Frick in der stark anfälligen Testanlage 16 Behandlungen gesetzt im Zeitraum vom Austrieb bis am 7. Juli 2005. Im Sommer werden die Behandlungen wie bisher weitergeführt.

Beispiel für eine Pflanzenschutzstrategie

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 17.02.2009

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