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Fragen und Antworten zur Blauzungenkrankheit

Die Fachleute des FiBL haben die Antworten zu den häufigsten Fragen zusammengestellt. Sollten Sie weitere Fragen haben, so beteiligen Sie sich am Diskussionsformum. Dort wird Ihre Frage beantwortet und steht gleichzeitig allen Forumsbesuchenden zur Verfügung.
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Müssen auch auf Biobetrieben alle Tiere geimpft werden?

Für alle Tierseuchen, welche vom Staat bekämpft werden, gelten in allen Betrieben die gleichen Vorschriften. Im Falle der Blauzungenerkrankung gilt es nicht allein die geimpften Tiere selbst zu schützen, sondern sie als Infektionsquelle für Gnitzen und damit andere Tiere auszuschliessen. Nicht geimpfte Tiere können daher sogenannte Reservoire für das Virus darstellen, aus denen die Insekten virushaltiges Blut aufnehmen. Nicht geimpfte Bestände stellen somit einen Infektionsherd dar, der die gesamte Bekämpfungsstrategie gefährden kann. Denn die Überträgermücke (Gnitze) hält sich weder an Betriebs- noch an Landesgrenzen.Leider scheint eine flächendeckenden Impfkampagne im Moment die einzige Möglichkeit zu sein, der eingeschleppten Krankheit Herr zu werden. Alle Methoden die Tiere vor den Insektenstichen zu schützen, wie Einstallen, feuchte Weiden meiden, Insektizideinsatz usw., bieten einen fraglichen Schutz und sind häufig nicht praktikabel. Zudem belasten Insektizide nicht nur das Tier, sondern auch die Umwelt und könnten dazu führen, dass Insekten gegen häufig eingesetzte Mittel resistent werden. Nur wenn eine hohe Impfrate erreicht wird, besteht die Chance, in 3 bis 4 Jahren das Virus aus der Population entfernt zu haben und nicht mehr impfen zu müssen.

Schadet die Impfung dem Tier?

Eine Impfung ist oft eine grosse Belastung für den Organismus. Dem Tier werden abgetötete oder abgeschwächte Viren in einer Trägersubstanz injiziert, worauf der Organismus Abwehrkörper gegen das Virus bildet. Gegen die in den Mittelmeerländern vorkommenden Typen des Blauzungenvirus werden Totimpfstoffe (inaktivierte Viren), wie auch Lebendimpfstoffe (Impfstoffe mit abgeschwächten Viren) eingesetzt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem der Lebendimpfstoff eine Krankheit hervorrufen kann und weitere Nebenwirkungen wie Aborte auftreten können. In der Schweiz wird nur der sicherere inaktivierte Impfstoff eingesetzt, bei dem weniger Nebenwirkungen erwartet werden. Auch wenn Impfungen und deren Folgen grundsätzlich diskutierbar sind, ist nach derzeitiger Kenntnislage das Risiko von Impffolgen für den Bestand um ein Vielfaches geringer als dasjenige, das zu kalkulieren ist, wenn sich diese ungeimpft in einer Ausbruchszone befindet.

Die Impfung ist nicht einmalig, sondern sie muss jährlich wiederholt werden. Ist es wirklich gerechtfertigt, alle Wiederkäuer in der Schweiz jährlich zu impfen?

Wie bei allen medizinischen Interventionen, gibt es auch hier keine Kompromisse, wenn man eine optimale Wirkung erzielen will. Entscheidet sich eine Region zu einer solchen Massnahme, kann sie nur erfolgreich sein, wenn diese gemäss den medizinisch-epidemiologischen Vorgaben erfolgt, in diesem Fall dann, wenn das Ganze flächendeckend und in der notwendigen Frequenz geschieht. Eine solch häufige Massnahme ist erforderlich, um nachhaltig die Zahl der Virusträger in der Population auszudünnen, um möglichst schnell wieder zu normalen Verhältnissen übergehen zu können.

Die Impfung wirkt gegen den Serotyp 8. In Europa sind aber bereits 7 verschiedene Serotypen bekannt. Wie viele Impfungen werden künftig nötig sein, sollten weitere Serotypen bei uns auftreten

Man unterscheidet in Europa verschiedene Epizentren der Seuche, die jeweils aus einer unterschiedlichen Kombination aus Überträger (Culicoides-Mücke) und Virus-Typ bestehen und sich räumlich (NOCH) nicht überschneiden. Man kann diese Gebiete grob umreissen mit Iberische Halbinsel, Italien, Südosteuropa und Nordwesteuropa. In letzterem, bei dem die Benelux-Staaten und Deutschland als Brennpunkt, Frankreich und England als weitere Hauptgebiete, sowie die Schweiz und andere als aktuelle Einbruchszonen gelten, grassiert bislang nur der Serotyp 8. Damit die Gebiete nicht zusammenfliessen und damit die Gefahr wächst, dass sich neue Virustypen kombinieren, ist eine einfache Durchseuchung sehr gefährlich, daher ist die flächendeckende Impfung geplant.

Der Aufwand für die systematische Impfung ist sehr gross. Wie kann geprüft werden ob diese Impfung über Jahre hinweg nötig ist, wenn kein Tier ungeimpft bleibt?

In der Tat lässt sich derzeit nicht absehen, wie lange geimpft werden muss, allerdings ist bei diesem Übertragungsmodus, bei dem infizierte Tiere Reservoire bilden, davon auszugehen, dass die Impfstrategie umso länger verfolgt werden muss, je geringer die Zahl geimpfter Tiere in der Population ist. In Italien, das vor 6 Jahren einschlägige Erfahrungen mit einem anderen Typ gemacht hat, entstand die Zahl von 80% geimpfter Tiere, um ein Bekämpfungsprogramm als erfolgreich werden zu lassen. Diese Zahl erfordert eine erhebliche Impfdisziplin aller Betriebe, Ausnahmeregelungen für die Impfpflicht können den gesamten Erfolg gefährden.
Unklar ist noch, ob Virus in den Gnitzen oder deren Larven überwintern kann. Sollte dies der Fall sein, hat dies ebenfalls Einfluss auf die Impfdauer. Als Kontrollmassnahme wären Mückenfallen und die Kontrolle der gefangenen Tiere auf Virus im Blut möglich.

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Impfungen verursachen in einem gewissen Masse auch Impfschäden. Wer übernimmt die allfälligen Impfschäden aus der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit bei Tierhaltern welche das Impfen ihres Bestandes ablehnen?

Impfschäden sind in aller Regel ein Aspekt von Lebend-Virus-Impfungen. In diesem Fall handelt es sich um ein inaktiviertes Virus, was jedoch mögliche Impfschäden nicht gänzlich ausschliesst. Das BVET geht derzeit von keiner Gefahr durch die Impfung aus und wird keine Haftung übernehmen.

Übersteht ein Tier eine Infektion führt dies zu einer lange anhaltenden Immunität. Das kann die Impfung offenbar nicht erzeugen, weil sie jährlich wiederholt werden muss. Ist der erwartete Schaden bei Rindern so gross, dass eine systematische Impfung gerechtfertigt ist?

Diese Aussage ist überall in der populärwissenschaftlichen Literatur zu finden. Tatsächlich ist bislang nicht bekannt, wie lange die Immunität anhält und wie „belastbar“ sie damit ist. Es gibt derzeit erste Berichte von Schafhaltern, deren Tiere ein Jahr nach überstandener Krankheit eine zweite, wenngleich schwächere Form der BT durchgemacht haben.
Inaktivierte Impfstoffe sind tatsächlich in aller Regel nicht lang anhaltend Immunitäts-sichernd.

Kann ich erkrankte Tiere behandeln?

Rinder und Schafe, die alle Symptome der Seuche zeigen wie Lahmheit, vermehrtes Speicheln, Schwellungen am Kopf und offene Stellen am Maul und Entzündungen an den Klauen (die Symptome gelten für den zurzeit in Europa vorherrschenden Serotyp 8), müssen SOFORT dem zuständigen Tierarzt gemeldet werden.
Leichter erkrankte Tiere kann der Hoftierarzt zur Linderung der Wunden örtlich behandeln und Antibiotika zur Vermeidung von weitergehenden Infektionen durch Bakterien sowie Schmerzmittel verabreichen. Unterstützend wurden relativ gute Erfahrungen mit bestimmten Homöopathika oder pflanzlichen Heilmitteln gemacht. Für Behandlungen jeglicher Art muss der Tierarzt eingeschaltet werden. Keine Tiere ohne Tierarzt zu behandeln versuchen!

Ist die Blauzungenkrankheit für den Menschen gefährlich?

Im Unterschied zu anderen Tierseuchen (z.B. der Vogelgrippe) besteht für den Menschen durch die Blauzungenkrankheit keinerlei Gefahr. Die Erkrankung betrifft ausschliesslich Wiederkäuer.

Können Lebensmittel von geheilten Tieren bedenkenlos verzehrt werden?

Die Blauzungenkrankheit ist keine auf den Menschen übertragbare Erkrankung. Überlebende Tiere entwickeln eine Immunität, wie auch bei anderen Infektionskrankheiten durch Viren. Organe werden nicht geschädigt. Nach zirka 2-3 Wochen sind die Tiere geheilt, nach 2 Monaten vollkommen virusfrei. Die Lebensmittel von diesen Tieren können bedenkenlos verzehrt werden. Milch kann - ausser solche von akut kranken Tieren - abgeliefert werden.

Wie kann ich kranken Tieren die Futteraufnahme erleichtern?

Wichtig ist, dass die Tiere trotz der Entzündungen und Schmerzen im Maulbereich weiterhin Futter aufnehmen. Es bietet sich an, eingeweichte Trockenschnitzel, Hafer und Traubenzucker oder gegebenenfalls auch Laubblätter für die Schafe anzubieten. Das Heu sollte weich sein und wenig harte Stängel aufweisen.
Zu jeder Zeit sollte frisches Wasser zur Verfügung stehen. Die Tiere dürfen nicht zwangsgetränkt werden, da durch die Schwellung das Wasser in die Luftröhre gelangen kann.

Welche Massnahmen zur Mückenbekämpfung sind sinnvoll?

Da die Mückenvermehrung an Wasserflächen gebunden ist, eignen sich zur Mückenbekämpfung alle Massnahmen, die zur Austrocknung von Pfützen und stehenden Wasserflächen im Betrieb beitragen. Allerdings muss der Erfolg solcher Massnahmen relativiert werden, da die Mücken über die Luft weit verbreitet werden können. Somit können die Mücken auch auf Betrieben auftreten, die eine gute Vorbeuge getroffen haben.

Beeinträchtigt die BT-Impfung meinen Status als NOP-Produzent?

Impfstoffe können zwar herstellungsbedingte Restspuren von antimikrobiellen Substanzen enthalten. Eine Impfung ist aber auch im Sinne der NOP-Richtlinien keine Antibiotika-Behandlung. Der NOP-Status wird somit durch eine Impfung nicht beeinträchtigt.
(NOP= National Organic Program, „Bioverordnung“ der USA)

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.05.2010

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