Dauernd im Freien: Tipps und Tricks zum Weidestall für Wiederkäuer 

Weideschlachtung

Biotiere werden zwar besonders art- gerecht gehalten und gefüttert – aber sterben tun sie wie alle anderen. Denn zwischen Stalltür und Wursterei fehlen sowohl in der Bioverordnung des Bundes als auch in den Knospe-Richtlinien Bestimmungen. Diese Lücke schliesst bei Bell, wo ein grosser Teil der Biotiere geschlachtet wird, der Schweizer Tierschutz (STS). In Zusammenarbeit mit dem STS arbeitet Bell seit Jahren daran, die Arbeitsabläufe und Einrichtungen stetig noch schonender für das Tier zu gestalten. Es ist das erklärte Ziel die Tiere bis zur Betäubung in keine Stresssituation geraten zu lassen.

Doch es gibt die noch schonendere Schlachtmethode: Der Kugelschuss und das Ausbluten auf der Weide. Die Tiere werden also tot in den Schlachthof transportiert und entgehen so jedem „Schlachtstress“.

In einem Forschungsprojekt untersucht das FiBL mit Unterstützung der Stiftung „Vier Pfoten“, was rechtlich geändert und organisatorisch vorgekehrt werden muss, wenn Schweizer Betriebe die Weideschlachtung anwenden möchten.
Nachstehend werden laufend die Neuigkeiten zur Weideschlachtung zur Verfügung gestellt.

Neues Modell: Bolzenschuss statt Gewehrschuss

(26.04.2018) Um den Tieren den Transport- und Schlachthofstress zu ersparen, will die Biobauernfamilie Blunier in Paspels GR die Jungtiere zukünftig in vertrauter Umgebung schlachten lassen. Das zuständige kantonale Amt hat die definitive Bewilligung für die neue Methode zur stressfreien Schlachtung von Rindern erteilt. Dies meldet KAGfreiland in ihrer heutigen Medienmitteilung.

Im Gegensatz zur sogenannten Weideschlachtung erfolgt die Betäubung auf dem KAGfreiland-Betrieb Blunier nicht durch einen qualifizierten Schützen und Gewehrschuss, sondern durch einen Mitarbeiter des Schlachtlokals: Das Tier wird in einem speziellen Abteil des Fressbereichs im Selbstfanggatter fixiert, so wie es auch bei der normalen Fütterung passiert. Dann folgt die Betäubung mit einem üblichen Bolzenschussgerät. Das betäubte Tier wird unmittelbar mittels einer speziellen Hebevorrichtung aufgezogen und entblutet. Anschliessend wird das tote Tier in einen Spezialanhänger verladen und für den restlichen Schlachtprozess in das nahegelegene Schlachtlokal transportiert.

«Im Prinzip ist der Ablauf derselbe wie bei einer herkömmlichen Schlachtung», betont Blunier. «Nur dass der erste Teil, das Betäuben und Entbluten, auf unseren Hof ausgelagert ist.» Die notwendigen baulichen Anpassungen hat er im vergangenen Winter vorgenommen. Im Februar und März erfolgten erste Probeschlachtungen unter Aufsicht der kantonalen Behörden. Da alle rechtlichen, hygienischen und technischen Vorgaben erfüllt werden konnten, hat das ALT im April 2018 der Sunna Metzgerei GmbH nun die Bewilligung zur «örtlichen Erweiterung der Schlachtbetriebsbewilligung» auf den Biohof Dusch erteilt.

Tanja Kutzer, Tierhaltungs-Expertin der Nutztierschutz-Organisation KAGfreiland, ist darüber sehr erfreut: «Mit der Weideschlachtung wurde 2016 zwar eine Lanze für eine tierfreundliche Schlachtung in der Schweiz gebrochen. Im Gegensatz zum Ausland wurden an Schweizer Landwirtschaftsbetriebe aber bislang noch keine weiteren Bewilligungen erteilt. Das neue Modell, das der Biohof Dusch nun einführt, bedarf keines Jagdpatents und ist dadurch vielleicht für weitere Bauern interessant.»

Weiterführende Informationen

Stressfreie Schlachtung auf dem Hof Dusch (Webseite KAGfreiland)

Weideschlachtung wie weiter?

(19.03.2018) Zwanzig Betriebe aus fünfzehn Kantonen wünschen eine Bewilligung für die Weideschlachtung gemäss dem Zürcher Modell, dem bisher einzigen bewilligten Verfahren der Schweiz. Die Interessengemeinschaft (IG) Weideschlachtung muss jedoch derzeit allen interessierten Betrieben empfehlen, mit dem Gesuch zuzuwarten, bis die rechtliche Situation geklärt ist.

Wir sind zurzeit rechtlich in einer Situation, die ich in meiner 30-jährigen Karriere als landwirtschaftlicher Berater noch nie erlebt habe: Das Veterinäramt des Kantons Zürich (VETA ZH) bewilligt die Weideschlachtung nach dem Zürcher Modell aufgrund der heutigen gesetzlichen Grundlagen. Aufgrund der gleichen Gesetze lehnt hingegen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Weideschlachtung nach dem Zürcher Modell ab.

Um diesen Konflikt aufzulösen, hat die IG Weideschlachtung zwei renommierten und spezialisierten Anwälten den Auftrag erteilt, zu klären, wer Recht hat. Sie sind zum Schluss gekommen, dass das VETA ZH die Bewilligung zu Recht erteilt hat. Dieses Gutachten wurde dem BLV zur Stellungnahme zugeschickt. Das BLV hat aber zu diesem Gutachten nicht Stellung genommen, mit folgender Begründung: Es wolle die Weideschlachtung im Rahmen des Postulats von Karl Vogler behandeln, welches per Gesetzesänderung die Hofschlachtung auf den Betrieben ermöglichen will.

Die Weideschlachtung funktioniert jedoch anders als die Hofschlachtung. Daher ist die IG Weideschlachtung der Meinung, dass es für die Weideschlachtung nach Zürcher Modell keine Gesetzesänderung braucht. Die IG Weideschlachtung engagiert sich deshalb weiter dafür, dass möglichst vielen Tieren der Transport- und Schlachthausstress erspart bleibt. Interessierte Betriebe können sich weiterhin bei Eric Meili (siehe Kasten) melden. Eric Meili, FiBL

Die Weideschlachtung ist gefährdet

(27.02.2017) Eine Gesetzesänderung könnte dazu führen, dass die Weideschlachtung in der Schweiz verboten wird. Das betrifft aktuell 19 Betriebe in 15 Kantonen, die ein Gesuch für das Durchführen von Weideschlachtungen einreichen möchten.

Selbst die bis anhin einzige Bewilligung eines Betriebes im Kanton ZH ist gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nicht legal. Die kantonale Vollzugsbehörde und das gesetzgebende BLV sind sich demnach nicht einig. Das ist für die Landwirtschaftsbetriebe ein unhaltbarer Zustand. Die rechtliche Situation muss geklärt werden. Es droht zudem die Änderung eines für die Weideschlachtung wichtigen Paragraphen der Verordnung zum Tierschutz in Schlachtanlagen. Am 7. Februar 2017 lief die entsprechende Vernehmlassung ab. Dabei wandten sich vor allem die kantonalen Veterinärämter gegen die Weideschlachtung. Sie fürchten den Aufwand für Administration und Kontrollen.

Der Tierschutz ist bei der Weideschlachtung sogar besser, da die Tiere nicht den Stress der Separation von der Herde, des Transports und der fremden Umgebung erleben. Es musste bei allen 16 bisherigen Weideschlachtungen nie mit dem Bolzenschuss nachbetäubt werden. Auch die Hygiene ist gewährleistet, weil nach dem Schuss das Tier sofort mit dem Frontlader aufgezogen und in einen Behälter entblutet wird. Danach wird das Tier in einem zertifizierten Anhänger in ein lokales Schlachthaus geführt. Es gibt für alle Abläufe genaue Arbeitsanweisungen, die alle rechtlichen Bedingungen einhalten. Der zusätzliche Aufwand der Veterinärbehörde wird vom Landwirtschaftsbetrieb bezahlt. Das dürfte also nicht der Grund sein, warum die Weideschlachtung abgelehnt wird. EM

Aus für Weideschlachtung?

(20.12.2016) Das Bundesamt für Lebensmittelschutz und Veterinärwesen will gesetzlichen Grundlage aufheben.

Rinder von Nils Müller müssen wohl wieder in den Schlachthof
Vor sechs Monaten hat der Förchler Bauer Nils Müller die Bewilligung zur Weideschlachtung erhalten - nach vierjähriger Pilotphase. Nun aber droht bereits wieder das Aus.
Zürichsee-Zeitung, 20.12.2016
Artikel (381.6 KB)

Stopp von Weideschlachtungen
Weiderinder direkt auf dem Hof zu schlachten, könnte in Zukunft nicht mehr möglich sein. Der Bund plant die gesetzliche Grundlage aus der Tierschutzverordnung zu streichen. Das ärgert den Zürcher Bio-Bauer Nils Müller, der ein Pilotprojekt durchführt.
Schweiz Aktuell, Schweizer Fernsehen SRF 1, 19.12.2016
Sendung sehen (3 Minuten)

Medienecho aus Deutschland und Österreich

Tod auf Weide - Biobauer erschiesst Kühe selbst
Beitrag zur Weideschlachtung auf dem Betrieb von Nils Müller.
Heute+, Fernsehen ZDF, 15.06.2016
Sendung sehen (Weideschlachtung ab Minute 10.28)

Zeit zu leben, Zeit zu sterben: Auf der Weide unter Artgenossen
Was in Österreich immer noch ein Ding der Unmöglichkeit scheint, ist in der Schweiz machbar; dort wurde am 4. Mai 2016 das Rind Nr. 11 auf der Weide geschlachtet – erstmals mit gesetzlich verankerter Erlaubnis.
Vet Journal 07|08/2016 (869.5 KB)

Weideschlachtung jetzt gesetzlich erlaubt

(03.06.2016) Die schweizweit erste definitive Bewilligung für die Weideschlachtung ist nun rechtskräftig. Damit gibt es ab jetzt eine Schlachtmethode für Rinder, die ohne langen Transport und Stress im Schlachthaus auskommt. Nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase mit zehn Weideschlachtungen wurde am 4. Mai 2016 das Rind Nr. 11 auf der Weide geschlachtet – erstmals mit gesetzlich verankerter Erlaubnis.

Meldung vom 03.06.2016

Betriebe, die sich für die Weideschlachtung interessieren, können sich bei Eric Meili (Kasten rechts) melden. Er kann Unterlagen vermitteln und beim Bewilligungsprozedere weiterhelfen.

Hofschlachtung von Rindern per Kugelschussmethode

(09.05.2016) Zusammenfassung der Doktorarbeit von Katrin Juliane Schiffer, Universität Kassel, 2015.

Zusammenfassung (513.6 KB)

Medienecho zur Weideschlachtung

(21.11.2016) Die Medienorientierung vom 9. Juni 2015 in Forch ZH auf dem Hof von Nils Müller und der neue Film haben ein grosses Echo ausgelöst. Hier eine kleine Auswahl.

Medienecho zur Weideschlachtung (3.7 MB)

Film: Weideschlachtung - Eine tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode

(09.06.2015) Der Transport ins Schlachthaus und das hektische Umfeld sind für die Tiere Stressfaktoren, die Leiden verursachen und negative Auswirkungen auf die Fleischqualität haben. Mit Unterstützung von FiBL und «Vier Pfoten» hat Landwirt Nils Müller deshalb die Einführung der in der Schweiz bisher verbotenen Weideschlachtung vorangetrieben. Bioaktuell war mit der Videokamera bei einer Schlachtung dabei.

Film (Rubrik Weideschlachtung)

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Sterben «daheim»: Die Möglichkeit der Weideschlachtung für Rinder

Die Polizei stand auf der Weide. Ein Polizist mit Maschinenpistole erklärte dem erschreckt herbeigeeilten Bauern: «Im Balinger Schlachthof ist ein Stück Vieh ausgerissen ^und soeben in dieses Tal hinuntergelaufen. Mein Kollege ist ihm nach und wird es gleich erschiessen.» So beginnt die Geschichte von Rinderbauer Hermann Maier und er verlor darob beinahe seinen Betrieb. Diese Geschichte sowie Hintergründe zur Weideschlachtung im Artikel von Nikola Patzel.

Artikel Zeitschrift «Kultur und Politik» 3/2014 (626.2 KB)

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Weideschlachtung könnte bald legal werden

Biolandwirt Nils Müller aus Forch ZH will seine Rinder auf der Weide schlachten. Sein Gesuch ist zwar abgelehnt worden, hat aber ein grosses Medienecho ausgelöst. Nun will das kantonale Veterinäramt den Entscheid nochmals überprüfen. Die Gesuchsteller sind überzeugt, mit dem Vorhaben gegen keine Gesetze zu verstossen.

Artikel Zeitschrift bioaktuell 2/2014 (186.0 KB)

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Kontrolliert in den Tod

Wie sterben Biorinder? Wer dieser Frage nachgeht, landet im Bell-Schlachthof in Oensingen. Wöchentlich werden dort bis zu 3000 Tiere getötet – nach den strengen Vorgaben von Behörden und Tierschutz. Das Ziel heisst stressfrei schlachten. In Deutschland wird auf einigen Höfen eine Methode praktiziert, die bezüglich Stress mit einem Schlachthausprozess nicht zu vergleichen ist: der Kugelschuss auf der Weide.

Artikel Zeitschrift bioaktuell 3/2012 (259.5 KB)

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Rinder auf der Weide schlachten

Bauer Nils Müller will seine Rinder nicht im Schlachthof töten lassen, sondern auf der Weide. Damit will er ihnen den Transportstress und den Stress im Schlachthof ersparen. Stress wirkt sich negativ auf die Fleischqualität aus. Sein Gesuch für den Kugelschuss auf der Weide wurde abgelehnt.

Artikel Zürcher Oberländer, 6. November 2013 (471.6 KB)

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Erschiessen auf der Weide als Alternative zur Schlachtung im Schlachthof

Transport und Tötung im Schlachthof stressen freilaufende Rinder. Der Kugelschuss auf der Weide könnte Abhilfe schaffen. Das Verfahren wird auch in der Schweiz diskutiert. Ein geplantes Gesuch gibt der Debatte Aufwind.

Artikel Schweizer Bauer, 20.02.2013 (948.0 KB)

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Präsentation zur Weideschlachtung in der Schweiz

Die Präsentation zeigt in Stichworten den heutigen rechtlichen Stand in der Schweiz und was zu tun ist, um Weideschlachtung auch in der Schweiz zu ermöglichen. Von Eric Meili, FiBL.

Präsentation  (212.1 KB)

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Merkblatt Kugelschuss auf der Weide

Die Publikation gibt Empfehlungen für die Erteilung einer amtlichen Genehmigung aus tierschutzfachlicher Sicht.

Das Merkblatt mit vollem Namen «Kugelschuss auf der Weide als Betäubungs- /Tötungsverfahren zur Schlachtung von Rindern (Nr. 136) wird herausgegeben von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V., TVT- Bramscher Allee 5, D-49565 Bramsche.

Merkblatt (Direktlink, Webseite TVT)

www.tierschutz-tvt.de

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Film: Kugelschuss auf der Weide

In Norddeutschland praktiziert ein Landwirt die Weideschlachtung mit Erfolg.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 25.04.2018

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