Ein Mediator für den fairen Handel mit Knospe-Produkten

Knospe-Produzenten können sich bei Handelsstreitigkeiten an Toralf Richter wenden, Ombudsmann von Bio Suisse.

(04.01.2017) 

Auf dem Feld der Handelsbeziehungen weht ein immer rauerer Wind. Davon bleibt auch der Biomarkt nicht verschont. Als Begleitmassnahme zum «Verhaltenskodex zum Handel mit Knospe-Produkten» hat Bio Suisse 2014 die Ombudsstelle für faire Handelsbeziehungen eingeführt. Ihre Aufgabe: In der Verhandlungspraxis zwischen Knospe-Geschäftspartnern Fairness zu fördern. Ombudsmann ist Toralf Richter, promovierter Agronom und Fachmann für den Biomarkt. Wir haben ihn genauer nach seinem Job gefragt.
Herr Richter, wann kann man sich an Sie wenden?
Toralf Richter: Bei unfairem Preisverhalten, Behinderung des Marktzutritts oder bei einer plötzlichen Auflösung von Geschäftsbeziehungen mit existenzbedrohenden Auswirkungen auf den Betrieb bin ich die richtige Anlaufstelle für alle Knospe-zertifizierten Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe, Handelsunternehmen und Lizenznehmer. Die Ombudsverfahren helfen, Auseinandersetzungen vor Gericht zu vermeiden. Ich bin jedoch nicht für Fragen und Beschwerden zu den Richtlinien, Weisungen und Tätigkeiten von Bio Suisse zuständig. In diesen Fällen hilft die Geschäftsstelle von Bio Suisse gerne, die zuständige Person zu finden und zu kontaktieren.
Was machen Sie konkret?
Meine wichtigste Aufgabe besteht darin, eine Dialogkultur aufzubauen. Verhandlungen werden heute immer härter geführt. Es kommt schnell zu Machtspielen. Da wenige Akteure den Markt beherrschen, sitzt der Produzent oft am kürzeren Hebel. Ihm fehlt schlicht der Gesamtüberblick über die Marktlage. Bei einer Anfrage analysiere ich zuerst die Lage und hole Erkundigungen ein. Dann zeige ich mögliche  Handlungsfelder auf und vermittle zwischen den Parteien. Ich habe keine Entscheidungsbefugnis, meine Funktion ist, die Grundlage für Konsenslösungen zu finden.
Erhalten Sie viele Anfragen?
Bis jetzt hatte ich wenig konkrete Beschwerdefälle, die in einem Ombudsverfahren behandelt wurden. Das heisst aber noch lange nicht, dass im Knospe-Handel alles reibungslos verläuft. Ich kann mich jedoch nur einschalten, wenn ich eine Beschwerde erhalte.
Könnte es sein, dass der Biomarkt fairer ist als andere Märkte?
Bestimmt ist die Lage in der Schweiz besser als in anderen Ländern – auch für Knospe-Produkte. Der Begriff «fair» ist allerdings subjektiv und hat nicht für jedermann dieselbe Bedeutung. Der Preisdruck der Grossverteiler nimmt zu, und die Landwirtinnen, Landwirte und Händler kommen oft unter die Räder. Von Rückmeldungen her weiss ich, dass sich nur schon die Existenz der Schlichtungsstelle positiv auf die Gesprächsbereitschaft ausgewirkt hat. Wo vorher abgeblockt wurde, ist man heute eher zu Verhandlungen bereit. Verweigert man gar den Gang zur Ombudsstelle, kann Bio Suisse Sanktionen veranlassen. Schlussendlich riskiert man damit seine eigene Reputation, steht zum Schluss möglicherweise als skrupelloser Marktakteur in der Öffentlichkeit – das möchte niemand.
Weiterführende Informationen
Bio-Suisse-Schlichtungsstelle
Adresse
Bio-Suisse-Ombudsstelle
Toralf Richter
Peter-Merian-Str 34
4052 Basel
Tel. 076 335 40 88
E-Mail
Anfragen an Toralf Richter können per E-Mail, schriftlich oder telefonisch erfolgen. Die Dienstleistungen der von Bio Suisse finanzierten Schlichtungsstelle sind kostenlos.

Interview: Christian Hirschi, Übersetzung: Sabine Lubow

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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