Kartoffelkäfer: Neem und Spinosad ab sofort zugelassen

Wegen der explosionsartigen Vermehrung des Kartoffelkäfers und des damit verbundenen Versorgungsengpasses bei Novodor sind Neem und Spinosad bis Ende August zugelassen.

(13.06.2018) Das andauernde, heisse Wetter seit Anfang April hat die Vermehrung des Kartoffelkäfers stark begünstigt. Es sind auch heuer wieder massive Populationen im ganzen Mittelland auf den Kartoffelfeldern anzutreffen. Immerhin hat uns das heisse Wetter bisher vor der Krautfäule weitgehend verschont. In einzelnen Feldern findet man stattdessen die harmlosere Dürrfleckenkrankheit Alternaria solani.

Gemäss Betriebsmittelliste ist gegen den Schädling nur Bacillus thuringiensis (Novodor) erlaubt. Bei diesem Mittel zeichnet sich bereits ein Versorgungsengpass ab. Die MKA (Markenkommission Anbau von Bio Suisse) bewilligt deshalb ab sofort bis zum 31.08.2018 auch den Einsatz von Azadirachtin (u.a. Neem) und Spinosad.
Für Demeter-Produzenten ist nur Azadirachtin zugelassen.

Die Änderung ist in der Online-Korrigenda der Betriebsmittelliste eingetragen:
Korrigenda Betriebsmittelliste 2018 (Webseite FiBL)

Anwendungshinweise

Azadirachtin (Neem Azal T/S, Sicid Neem, Oikos)

Die Aufwandmenge beträgt 2.5 Liter pro Hektare für NeemAzal T/S. Bei Oikois und Sicid Neem werden hingegen 1.5 Liter pro Hektare eingesetzt. Das Mittel wirkt vor allem auf die Larven, gegen Käfer hat es kaum direkte Wirkung, reduziert aber die Bildung neuer Eier. Es darf pro Kultur zweimal eingesetzt werden. Falls noch Reste von Novodor auf dem Betrieb lagern, kann Azadirachtin und drei bis fünf Tage später mit Novodor in Kombination behandelt werden. Sonst empfiehlt es sich bei Azadirachtin in der Regel eine zweimalige Behandlung innerhalb einer Woche. Azadirachtin-Produkte sind nützlingsschonend.

Spinosad (Audienz, Spintor)

Die Aufwandmenge beträgt nur 0.05 Liter pro Hektare (also nur ein Bruchteil der Menge wie bei anderen Kulturen). Das Mittel wirkt gut als Frassgift gegen Larven und – etwas schwächer – auch gegen Käfer. Es darf nach Bewilligung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) pro Kultur zweimal eingesetzt werden. Wegen der geringen Konzentration gegen den Kartoffelkäfer ist die Gefahr für Bienen und andere Nützlinge zwar geringer, dennoch muss Spinosad ausserhalb der Bienenflugzeiten gespritzt werden. Die Anwendungsauflagen finden sich auf der Packungsbeilage und müssen unbedingt eingehalten werden.

Weitere Informationen

Betriebsmittelliste 2018 (FiBL-Shop)

Regulierung des Kartoffelkäfers (Rubrik Pflanzenbau)

Merkblatt Biokartoffeln (FiBL-Shop)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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