Pilz contra Kirschenfliege

(23.04.2010) 

Seit letztem Jahr ist im Biolandbau zur Regulierung der Kirschenfliege das Produkt Naturalis-L von Andermatt Biocontrol zugelassen. Da es sich bei dem enthaltenen „Wirkstoff“ um einen lebenden Mikroorganismus (Pilz Beauveria bassiana) handelt, muss die Applikation termingerecht und sorgfältig erfolgen. Der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung ist 7 Tage nach Flugbeginn der Kirschenfliegen. Zur Bestimmung des Flugbeginns sollten frühzeitig (frühe Lagen: Anfang Mai) gelbe Leimfallen montiert werden. Je nach Kirschensorte kann der Flugbeginn schon bis zu 20 Tage vor dem Farbumschlag der Kirschen einsetzen!

Rechtzeitige und regelmässige Anwendung wichtig

Um später schlüpfende und zufliegende Fliegen auch abzutöten sind regelmässige Behandlungen alle 7 Tage nötig, da die im Produkt enthaltenen Pilzsporen durch die UV-Strahlung abgebaut werden. Die Wartefrist (Mindestzeit von der letzten Behandlung bis zur Ernte) von sieben Tagen sollte nicht wesentlich überschritten werden. Bei spät reifenden Sorten ist daher meist noch eine zusätzliche Behandlung nötig. Naturalis-L wird mit einer Aufwandmenge von 2.4 l/ha und 1000 bis 1600 Liter Wasser/ ha auf Tropfnässe appliziert. Für eine gute Wirkung sind weitere phytosanitäre Massnahmen nötig: Die Früchte sollten jedes Jahr vollständig und möglichst frühzeitig geerntet werden. Befallene Kirschen sollten aus der Anlage entfernt werden. Vorraussetzung für eine gute Benetzung der Früchte sind gut geschnittene Bäume mit lockerer, nicht zu dichter Krone.

Anwendungsfehler vermeiden

Erfahrungen im Praxiseinsatz im Jahr 2009 zeigten, dass 40 Prozent der befragten Betriebe mit der Behandlung befriedigende Resultate erzielten. Bei 30 Prozent der Betriebe war die schlechte Wirksamkeit auf klare Anwendungsfehler zurückzuführen. Hauptfehler waren der zu späte Behandlungsbeginn und die zu langen Abstände zwischen den Spritzungen sowie zwischen der letzten Spritzung und der Ernte. Insgesamt ist Naturalis-L ein geeignetes Mittel um Kirschenfliegen in Niederstamm- und Halbstammanlagen zu bekämpfen.

Für Hochstammbäume wenig geeignet

Aufgrund des höheren Fliegendrucks bei Hochstammbäumen ist der Einsatz von Naturalis-L nur in Ausnahmefällen erfolgsversprechend (erhöhte Behandlungsintensität und optimale Applikationstechnik: Spitzen und Inneres der Baumkrone).

Autorin: Claudia Daniel

Weiterführende Informationen

Regulierung der Kirschenfliege (Rubrik Obstbau auf dieser Webseite)

Merkblatt Kirschenfliege (im FiBL-Shop)

Betriebsmittelliste (Rubrik Bioregelwerk auf dieser Webseite)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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