Produzenten müssen künftig mehr für SwissGAP bezahlen

(27.10.2014) 

Per Ende 2014 läuft die finanzielle Unterstützung des Bundes an SwissGAP aus. Somit klafft ab 2015 im Budget ein Loch von jährlich rund 380'000 Franken. Diese Kosten werden wohl an den Produzenten hängen bleiben.

Gestützt auf den Artikel 11 im Landwirtschaftsgesetz (LWG) beteiligte sich der Bund seit 2009 an den Betriebskosten von SwissGAP (Gute Agrar Praxis, siehe Kasten). Mit den rund 380'000 Franken, welche jährlich vom Staat flossen, wurden in erster Linie die Zertifizierung des ganzen Systems, die Koordination der Kontrollen sowie die Datenverwaltung finanziert.

Die Betriebszertifizierung und die Kontrollen bezahlten die Produzenten und Händler von Anfang an selber. Während der ersten drei Jahre beteiligten sich Migros, Coop und Fenaco mit insgesamt 1,5 Millionen Franken an den Aufbauund Betriebskosten.

Mit der AP 14–17 fällt die Grundlage für die Beiträge weg

Im Rahmen der AP 14–17 wurde auch der Artikel 11 des LWG angepasst und in der sogenannten QuNaV (Verordnung über die Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft) präzisiert. Diese fokussiert auf befristete Starthilfen für Massnahmen, die durch Qualität oder Nachhaltigkeit eine höhere Wertschöpfung erreichen sollen. «Die Finanzierung von SwissGAP in der heutigen Form weiterzuführen, wäre nicht im Sinne dieser Verordnung», erklärt Patrik Aebi vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW. «Wenn SwissGAP jedoch im Rahmen eines Entwicklungsschrittes zusätzliches Engagement für die Verbesserung von Nachhaltigkeit und Wertschöpfung präsentiert, wäre eine Finanzierung im Rahmen der QuNa- Verordnung zu prüfen.»

Für Marc Wermelinger, Präsident des Vereins SwissGAP kommt das nicht infrage. «SwissGAP ist ein Produktionsstandard. Es kann nicht unser Ziel sein, die Anforderungen laufend zu verschärfen. Solche QuNaV-Programme sind primär das Gebiet der Label-Organisationen.» Um das Finanzierungsloch zu stopfen, sieht er im Moment keinen anderen Weg, als die Produzenten zur Kasse zu bitten. «Der SwissGAP-Vorstand hat etliche Varianten geprüft. Die Mitgliederorganisationen haben es abgelehnt, die Kosten zu übernehmen.» Auch der Detailhandel will nicht einspringen. «Die Schweizer Grossverteiler und die Fenaco hatten sich in der Startphase stark beteiligt. Dies im Gegensatz zum Ausland, wo der Detailhandel gar nichts für die Umsetzung von «GlobalG.A.P» bezahlt, weil das Geld dafür aus Brüssel kommt», meint Wermelinger. Wermelinger ist auch Geschäftsführer von Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels, bei dem auch Coop, Migros und Fenaco Mitglieder sind.

Kostenbeteiligung in der Höhe von 80 bis 100 Franken

Konkret werde es für die Produzenten wohl auf eine Kostenbeteiligung von 80 bis 100 Franken im Jahr hinauslaufen. Dass dies die Produzenten ärgert, kann Wermelinger verstehen. Sie leisten einen Mehraufwand für eine Anforderung des Detailhandels und nun müssen sie auch für die Kosten aufkommen.

Dass sich der Detailhandel wieder an der Finanzierung von SwissGAP beteilige, sei nicht vorgesehen, sagt auch Christian Sohm, Leiter Einkauf Früchte, Gemüse, Blumen und Pflanzen bei Coop. Er reicht die Verantwortung an die Produzentenverbände weiter. Sie hätten es im Rahmen der Lobbyingarbeit zur AP 14–17 versäumt, sich mit dem nötigen politischen Gewicht für eine Fortsetzung der Finanzierung im Sinne des alten Artikels 11 des LWG einzusetzen.

Das Thema Finanzierung wird an der kommenden Versammlung der SwissGAP-Mitgliederorganisationen abschliessend behandelt werden. Das Thema wird bis dahin wohl noch für Diskussionsstoff sorgen. spu

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SwissGAP – ein privatrechtlicher Produktionsstandard

SwissGAP ist ein privatrechtliches Qualitätssicherungsstandard und ein Zertififizierungssystem für die Landwirtschaft. Für Obst-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten und -händler ist der Standard Voraussetzung, wenn sie den Detailhandel beliefern wollen. SwissGAP ist die Schweizer Umsetzung vom «GlobalG.A.P»-Standard, der in der EU vom Detailhandel verlangt wird. Mitglieder des Vereins SwissGAP sind der Verband Schweizer Gemüseproduzenten, der Schweizerische Obstverband, Bio Suisse, IP-Suisse, Jardin Suisse, die Branchenorganisation Swisspatat und der Verband der Händler Swisscofel. spu
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Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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