Umstellung auf Bio – wirtschaftliche Auswirkungen

«Von Hand Blacken stechen, nein danke!» Und wenn umstellen auf Bio dennoch rentabler scheint als konventionell weiterzubauern? Ein Berechnungsbeispiel zeigt die Auswirkungen einer Bioumstellung auf.

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt, die technischen Möglichkeiten für die Kulturführung bei Bio werden immer besser und die politischen Rahmenbedingungen (AP 2014-17) begünstigen eine umweltschonende Landwirtschaft. Diese Feststellungen veranlassen viele Bauern und Bäuerinnen, sich zu den wirtschaftlichen Auswirkungen einer Umstellung auf Bio Gedanken zu machen. Vergleichende Berechnungen erlauben einen ersten Eindruck.

Berechnungsbasis

Unser «Versuchskaninchn» für die verschiedenen Berechnungen ist ein gemischter Betrieb in der Talzone, ohne Sömmerung. Die Hauptbetriebszweige sind Milchproduktion und Ackerbau. Die verwendeten Daten (Erträge, Kosten, Verschuldung, Investitionen) entsprechen denen auf Praxisbetrieben und sind mit Referenzzahlen abgeglichen worden.
Für den gleichen Betrieb wurden folgende drei Varianten gerechnet:

  1. ÖLN wie bisher
  2. Bio ohne Umstrukturierung
  3. Bio mit Umstrukturierung

Bei allen Varianten ist ein Lehrling auf dem Betrieb. Zusätzliche Maschinen (bei den Biovarianten) werden gemietet, nicht gekauft.

Betriebsbeschreibung

53 ha Landw. Nutzlfäche, 6 ha Silomais (wird teilweise verkauft), 9.5 % Biodiversitätsförderflächen, alle vernetzt.

  • Variante 1 ÖLN wie bisher
    34 Milchkühe mit Nachzucht, 210‘000 kg Industriemilch, 15 ha Weizen und Gerste (Extenso), 29.8 ha Wiese, davon 10.2 ha Weide).
  • Variante 2 Bio ohne Umstrukturierung
    Wie ÖLN, aber mit andern Getreidearten (Weizen, Dinkel, Triticale); weniger Silomaisverkauf.
  • Variante 3 Bio mit Umstrukturierung (Legehennen und Mutterkühe statt Milchkühe)
    20 Mutterkühe mit Kälbern (keine eigene Nachzucht), 2000 Legehennen (Investition für Stall Fr. 650‘000), 17 ha Getreide (Weizen, Dinkel, Triticale), 5 ha Sonnenblumen, 5 ha Eiweisserbsen, 20.8 ha Wiese, davon 11.2 ha Weide (Heu wird teilweise verkauft).

Berechnungen

(zwei Jahre nach der Umstellung)

Variante1 ÖLN
wie bisher
2 Bio
ohne Umstrukturierung
3 Bio
mit Umstrukturierung
Erträge totalFr.312'774397'573581'764
   davon Pflanzliche ProduktionFr.54'45965'370130'790
   davon Tierische ProduktionFr.144'129186'552280'018
   davon DirektzahlungenFr.105'686136'950163'026
Direkte Kosten totalFr.73'03976'704202'484
   davon KraftfutterFr.23'48238'39996'093
   davon DüngerFr.10'3165'1395'139
   davon  PflanzenschutzmittelFr.6'701
HandarbeitskostenFr.13'62913'62913'629
Maschinenkosten (inklusive Maschinenmiete und Arbeit durch Dritte)Fr.67'02970'16676'406
Strukturkosten (Gebäude, Zinsen, Pachtzinsen, allg. Kosten...)Fr.80'89282'414147'849
Landw. EinkommenFr.78'184154'660141'395
Arbeitsstunden der Familie (ohne Angestellte)Std.3'4203'8133'153
Arbeitsverdienst pro Std.Fr.234145

Beurteilung

Die Biovarianten ergeben höhere Erträge als die konventionelle Variante. Gründe sind die besseren Produktepreise und höheren Direktzahlungen. Bei den Direktkosten liegen die Hauptunterschiede bei den tieferen Aufwendungen bei Bio für Pflanzenschutzmittel und Dünger. Hingegen sind die Kraftfutterkosten bei Bio höher weil es teurer ist und weil es bei Variante 3 (Legehennen) mehr Kraftfutter braucht. Die Biovarianten verursachen höhere Strukturkosten, dies vor allem bei den Maschinen. Und bei Variante 3 zusätzlich durch den Legehennenstall.

Die Zahlen der Variante 2 zeigen, dass bei Bio beim Einkommen ein reales Verbesserungspotential gegenüber der konventionellen Produktion besteht – und dies ohne grosse Umstrukturierung des Betriebes. Allerdings nähert sich der Biomilchmarkt der Sättigung. Es ist deshalb interessant festzustellen, dass es Alternativen gibt, wie in Version 3 mit Legehennen und zusätzlichen Ackerkulturen dargestellt. Das Landwirtschaftliche Einkommen ist zwar wegen höherer Strukturkosten (neuer Legehennenstall) etwas tiefer als bei Variante 2, aber der Stundenverdienst ist höher, weil die sehr arbeitsintensive Milchproduktion wegfällt.

Die guten Ergebnisse der Biovarianten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zwei Umstellungsjahre zu überstehen gilt. In dieser Zeit ist es schwierig, die Produkte mit höherem Preis zu vermarkten. Zudem muss das „System Bio“ installiert werden, das heisst, es muss mit Rückschlägen bei den Erträgen (z.B. infolge Unkrautproblemen oder tieferer Milchleistung) gerechnet werden. Die entsprechenden finanziellen Auswirkungen müssen in die Planung einbezogen werden.

Bemerkungen

Weidefläche

Bei der Umstellung auf Bio (Varianten 2 und 3) wurde davon ausgegangen, dass die Erträge ungefähr gleich bleiben würden, wie vor der Umstellung. Das entspricht den Erfahrungen der Bioberater, die im Jura die Umstellungsbetriebe begleiten. Aber das gilt nicht unbedingt für die ganze Schweiz und in allen Situationen. Zum Beispiel ist es gut möglich, dass ein ÖLN-Betrieb mit Kurzrasenweide und hohem Einsatz von konventionellen Stickstoffdüngern bei der Umstellung auf Bio Ertragseinbussen erleidet.

Arbeitsstunden

Bei den beiden Biovarianten kann man nicht ausschliessen, das die Arbeitsstunden höher ausfallen werden als in der Tabelle aufgeführt (diese basieren auf Angaben von Agridea). Dies vor allem, wenn der Unkrautdruck auf der offenen Ackerfläche hoch ist.

Maschinenkosten

Gegenwärtig stellt man fest, dass die Biolandwirte für die Bodenbearbeitung und Unkrautregulierung zunehmend sehr leistungsfähige Maschinen einsetzen. Die Tendenz ist berechtigt, wenn die Bauern ihre Böden verbessern wollen und das Unkraut in wenig konkurrenzstarken Kulturen in Schach halten müssen. Letzteres vor allem dann, wenn die Kulturen auf Grund der Nachfrage oder fruchtfolgetechnisch dringend angebaut werden müssen. Es ist in diesem Fall davon auszugehen, dass die Maschinenkosten (bei eigenen oder gemieteten Maschinen) steigen, bzw. höher ausfallen werden als in den Varianten 2 und 3 angegeben.

Schlussfolgerungen

Die wirtschaftlichen Zahlen können Betriebsleiter dazu verleiten, den Bioweg einzuschlagen. Für den Erfolg entscheidend ist aber die Motivation. Wenn das Interesse der Betriebsleiterfamilie an der Biolandwirtschaft gross ist und die übrigen Rahmenbedingungen ebenfalls gut sind, kann mit Bio sogar ein höheres Einkommen erzielt werden als mit ÖLN. Die Umstellung auf Bio bringt zudem den Vorteil, dass der Biomarkt derzeit viele verschiedene Absatzmöglichkeiten bietet.

Den Entschluss umzustellen muss aber auf jeden Fall die ganze Betriebsleiterfamilie fällen und zwar nach reiflicher Überlegung. Diese Phase ist wichtig und umfasst nicht nur ökonomische Aspekte. Die Bioberaterin oder der Bioberater kann auf technische und strategische Fragen die betriebsspezifischen Antworten geben.

Autorin: Céline Correvon (Fondation rurale interjurassienne FRI)

24.06.2014

 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.06.2014

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