Der gute Jahresabschluss weckt Begehrlichkeiten

Die Regionen wollen nach dem guten Bio-Suisse-Jahresabschluss 2014 mehr Mittel für ihre Basisarbeit. Bündner, Glarner und Freiburger werden an der nächsten DV einen entsprechenden Antrag stellen.

Als der Bio-Suisse-Vorstand an der vergangenen Frühlings-DV den Antrag auf höhere Mittelbeteiligung der Regionen zurückwies, wurde die Stimmung kurz ungewohnt lebhaft. Vitus Schafer, Präsident von Bio Fribourg bezichtigte Präsident Urs Brändli des undemokratischen Verhaltens. Ein Vorwurf, den dieser nicht auf sich sitzen lassen wollte. Nach einem Time-out, dem die Mehrheit der Delegierten zustimmte, glätteten sich die Wogen wieder.

Zentral oder regional verwalten?

Die kleine Kollision zeigt, dass hier durchaus Diskussionsbedarf besteht. Der Dachverband mit Sitz in Basel hat zuletzt sehr gute Jahresergebnisse verbuchen können, allein 2014 wurden Rückstellungen von 650?000 Franken getätigt. Die 32 Mitgliedorganisationen (MO), dazu gehören gut 20 regionale Verbände und Organisationen wie Biofarm, Bergheimat oder Bioforum, verfügen derweil häufig über schmale Budgets. Diese ermöglichen nur selten eine Geschäftsstelle und machen viel Fronarbeit nötig. Gleichzeitig nimmt der Bedarf an Mitteln für dezentrale Vermarktung zu: kurze Transportwege und Regionalmarketing gehören zu den Megatrends im Ernährungsbereich. Auf Märkten und anderen bäuerlichen Veranstaltungen versuchen die MO für ihre Produkte und Anliegen zu werben und dort sowohl zusätzliche Konsumenten als auch neue Biobauern zu gewinnen.

Deshalb hat sich im Frühjahr eine spontane Koalition der Unzufriedenen gebildet: Bio Fribourg, Bio Grischun und Bio Glarus haben zusammen den erwähnten Antrag (siehe Infotext) unter dem Titel «Weniger Bürokratie, Mehrnutzen für Regionen» formuliert. Dieser wurde allerdings zu spät eingereicht, kommt nun aber an der DV im kommenden Herbst erneut auf den Tisch.

Antragsteller wollen vier statt zwei Prozent des Budgets für MO

Der Antrag verlangt, dass ab 2016 statt wie bisher rund zwei neu vier Prozent des Bio Suisse Budgets zur Stärkung der Regionen und MO verwendet werden. Dafür sollen gemäss den Erläuterungen zum Antrag die beiden Bio-Suisse-Finanztöpfe «Pauschalbeiträge aus zweckgebundenen Mitteln Stärkung MO» und «Projekte zur Stärkung der MO» aufgelöst und die darin enthaltenen Gelder, etwa 115?000 Franken, jährlich direkt an die MO gehen. Davon erhoffen sich die Antragsteller, wie der Titel sagt, einen Bürokratieabbau. Um Mittel aus den besagten Töpfen zu erhalten muss man heute schon im Vorjahr ein Gesuch schreiben, was die zuweilen nötige Spontaneität des Mitteleinsatzes vermindere, wie Vitus Schafer in einem Gespräch mit Urs Brändli sagt (siehe Seiten 10/11). Urs Brändli hält demgegenüber fest, dass eine hindernislose Verteilung dieser Mittel zu einem Giesskannenprinzip führe, das mitnichten automatisch vermehrte Aktivitäten zur Folge haben werde. Er befürchtet im Gegenteil, dass kleinere Organisationen, die wenig Erstmitglieder haben, künftig keine Mittel mehr erhalten können für die Finanzierung ihrer Aktivitäten. Adrian Krebs

Weitere Artikel zu diesem Thema finden Sie in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Bioaktuell.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.07.2015

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