Sortenversuch Mahlweizen Weshalb neue Dinkelsorten züchten? 

Schafft der Triticale den Durchbruch über die Biozüchtung?

Die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) hat vor zwei Jahren das Triticale-Zuchtmaterial von Agroscope übernommen und so seine Tätigkeit in diesem Bereich stark ausgebaut. Nun sucht man Partner, um Triticale als Futter- und Brotgetreidekultur weiterzuentwickeln, sei dies im Bio- oder im konventionellen Landbau.

Triticale ist eine sehr junge Pflanzenart, die ersten Kreuzungen zwischen Weizen und Roggen wurden vor rund hundert Jahren gemacht. In den 1960er-Jahren, als die Züchtungsarbeit intensiviert wurde, steckte man grosse Hoffnung in diese Getreideart, die die Backqualität von Weizen und die Robustheit von Roggen vereinen sollte.

In der Schweiz seit den 1970er-Jahren gezüchtet

Auch in der Schweiz beschäftigten sich die Vorgängerinstitute von Agrocope mit der Entwicklung und Verbesserung von Triticalesorten. Doch der Erfolg blieb bis heute unter den Erwartungen der 1960er und 70er Jahre zurück. «Die Erwartungen waren damals aber auch völlig überzogen», sagt Triticale Züchter Benedikt Haug von der GZPK. Das heutige Niveau der Triticalezüchtung sei aber beachtlich, gerade angesichts der im Vergleich zu anderen Getreidearten bescheidenen Züchtungsinvestitionen. Einige Mankos gilt es aber nach wie vor zu verbessern. Für die Futtermühlen ist sicher der Schwarzbesatz manchmal ein Problem, welcher aufgrund des höheren Fremdbestäubungsgrades im Vergleich zum Weizen ab und zu vorkommt. Auch der hohe Schleimstoffgehalt einiger Sorten und die damit einhergehende hohe Viskosität schmälert die Attraktivät von Triticale als Futterkomponente, etwa in der Geflügelfütterung.

«Für uns Züchter eine interessante Pflanze»

Peter Kunz hielten diese Probleme aber nicht davon ab, das Triticalezuchtprogramm von Agroscope zu übernehmen, als dieses vor zwei Jahren aus Kostengründen hätte eingestellt werden sollen. «Triticale hat grosses Potenzial», ist Kunz überzeugt. «Und für uns Züchter ist es eine interessante Pflanze.» Einerseits sei Triticale sehr vital und habe ein gutes Nährstoffaneignungsvermögen, andererseits stehe der Triticale von der züchterischen Entwicklung her an einem entscheidenden Punkt. «Die letzten dreissig und vierzig Jahre haben bereits grosse Fortschritte gebracht. Die Fertilität etwa wurde massiv vebessert.» Während noch vor zwanzig Jahren jeweils bis ein Drittel der Ährchen unbefruchtet blieb, konnte dieser Mangel seither massiv verbessert werden. «Das ist einer der Faktoren, dank derer Triticale es je länger je besser schafft, sein enormes vegetatives Wachstum in Ertrag umzuwandeln.»

Robustes Futtergetreide und 100-Prozent-Triticale-Brot

Kunz hat schon früher nebenher etwas Triticalezüchtung betrieben. Mit der Übernahme des Agroscope-Materials hat die Bedeutung innerhalb des Unternehmens aber stark zugenommen. Heute kümmern sich Kunz' Mitarbeiter Cora Schibli und Benedikt Haug vornehmlich um die Triticalezüchtung. «Nach einem ersten Abtasten letztes Jahr, lernen wir das Material diese Jahr schon viel besser kennen», meint Benedikt Haug. Bereits wurden auch Kreuzungen zwischen Zuchtstämmen von Kunz und solchen von Agroscope vorgenommen. Selektionskriterien sind neben Ertrag und verschiedenen Krankheitsresistenzen etwa Frühreife oder eine gute Ährengesundheit. Diese erhofft man sich von Typen mit lockerer Ähre und einem grossen Abstand zwischen Fahnenblatt und Ähren. Besonderes Augenmerk legt das GZPK-Züchtungsteam auch auf die Viskosität. Gesucht sind Genotypen mit einem tiefen Schleimstoffgehalt. Diese eignen sich physiologisch besser für die Tierfütterung. Benedikt Haug verspicht sich davon eine massiv bessere Akzeptanz von Triticale seitens der Landwirte. «Auch den Strohertrag und die Strohqualität wollen wir uns genauer anschauen», sagt Schibli. Denn aufgrund der gegenwärtig hohen Strohpreise gewinnt dieses Kriterium immer mehr an Bedeutung. Das Hauptzuchtziel ist ein robustes Futtergetreide, welches sich nicht nur unter Biobedingungen, sondern auch in konventionellen Betrieben in Getreide-Grenzlagen besser eignet als etwa Futterweizen oder Futtergerste. Triticale wurde aber seinerzeit in Osteuropa als Brotgetreide konzipiert. Und auch diesbezüglich sieht man bei der Getreidezüchtung Peter-Kunz für Triticale eine Zukunft: «Wir haben ein Pilotprojekt für Brottriticale gestartet», erzählt Cora Schibli. Gemeinsam mit Franz Dolderer, Betreiber einer Holzofenbäckerei in Winterthur habe man ein 100-Prozent Triticale-Hefe-Brot entwickelt. «Es ist ein eher schweres Brot mit dem Triticale-typischen nussigen Geschmack und einer langen Haltbarkeit. Demnächst wird es von einem Bioladen in Winterthur probeweise ins Sortiment aufgenommen».

Die Getreidezüchtung Peter Kunz sucht nun weitere Partner, die daran interessiert sind, Triticale für die Schweizer Landwirtschaft weiterzuentwickeln, sei dies für die Tierfütterung oder für die menschliche Ernährung.

Markus Spuhler

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 25.06.2014

Werbung