Merkblatt: «Wildbienen fördern - Erträge und Pflanzenvielfalt sichern» Der Dunkelbraune Kugelspringer ist Insekt des Jahres 2016 

Die Biodiversität im Herzen

Auf dem 18 Hektaren grossen Grünlandbetrieb in Châtel St. Denis, den Stéphane Vial-Colliard und seine Frau Sylvie 2011 übernommen haben, gibt es vielfältige Betriebszweige: Mutterkühe, Milchziegen mit Herstellung von Käse, Schweine, Hühner, Direktverkauf ab Hof, Obst- und Gemüsekörbe. Seit 2015 müssen Vials, wie alle andern Knospe-Biobauern auch, eine ganze Reihe von Massnahmen aus dem Katalog von Bio Suisse zur Förderung der Biodiversität erfüllen. Vials warteten aber nicht auf das Jahr 2015, um die Bedeutung der Artenvielfalt für das Gleichgewicht der landwirtschaftlichen Produktion zu erfassen. Die Umsetzung von Massnahmen auf ihrem Biohof ist beispielhaft. Stéphane Vial gibt Auskunft.

Wie sieht die Biodiversitäts-Strategie auf ihrem Betrieb aus?
Die Lage meines Hofes eignet sich gut für die Förderung der biologischen Vielfalt. Mir ist es wichtig, den Wildtieren wie Vögeln oder Reptilien Raum zu geben und gleichzeitig den Bienen blühende Pflanzen anzubieten. Ich habe meine eigene Imkerei und liebe es, mich mit der Natur eins zu fühlen. Ich lege grossen Wert auf den ästhetischen Aspekt der Biodiversität und mag es nicht, wenn alles «zu sauber» ist. In unserer Region wird in erster Linie intensiver Futterbau betrieben. Der hiesigen Landschaft fehlt es an Struktur – sie ist eintönig. Trotzdem ist es nicht mein Ziel, noch mehr Biodiversitätsförderfläche auszuscheiden.

Welche Massnahmen haben sie auf ihrem Betrieb getroffen?
Als ich den Betrieb 2011 übernahm, gab es bereits zwei NHG*-Verträge; der frühere Bewirtschafter spritzte aber viel, vor allem die Blacken und den Hahnenfuss. Meine Landwirtschaftliche Nutzfläche enthält derzeit zirka dreissig Prozent Biodiversitätsförderflächen, aufgeteilt in wenig intensive und extensive Naturwiesen, extensive Weiden, Waldweiden, Hecken und Feldgehölze, Obst- und Einzelbäume sowie Trockenmauern. Davon ist ein guter Teil der Grünflächen in die Qualitätsstufe II eingeteilt. Ich beteilige mich zudem an einem ökologischen Vernetzungsprojekt. Diesen Herbst will ich zwanzig Hochstammobstbäume sowie zwei Reihen Niederstammobstbäume pflanzen, dies mit Hilfe von Bewohnern einer Institution für Menschen mit Behinderung, wo ich zu vierzig Prozent arbeite. Zudem steht das Anlegen einer Blumenwiese auf dem Programm. Andererseits halte ich Pro Specie Rara-Tiere: Rätisches Grauvieh, Wollschweine, Appenzeller Ziegen und Schwarze Landbienen.

Was bringt ihnen die Artenvielfalt konkret?
Zunächst einmal fördere ich die Biodiversität aus Überzeugung. Für mich ist es wichtig, lebendige Böden zu haben. Andererseits betrachte die biologische Vielfalt als Mehrwert beim Verkauf meiner Produkte. Aus finanzieller Sicht ist es sicher nicht uninteressant bei bestimmten Programmen mitzumachen, auch wenn das nicht meine primäre Motivation ist.

Bekommt die Biodiversität eine zu grosse Bedeutung auf Kosten der Produktion?
Die Bauern brauchen die Artenvielfalt, weil sie mit der Natur arbeiten müssen. Jedoch betrachte ich die Biodiversität nicht als einen Betriebszweig, sondern als eine persönliche Entscheidung. Man kann sicherlich die Produktion als solche nicht mit Ökologie kompensieren. Aber die auf Biodiversität basierte Subventionspolitik ist eine gute Sache, weil sie dem Boden und der Natur hilft.

Die Fragen stellte Christian Hirschi, FiBL

* Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG)

Zwölf Massnahmen

Seit 2015 müssen Bio Suisse (Knospe) Betriebe zwölf Biodiversitätsfördermassnahmen erfüllen. Die Betriebe können dabei aus einem umfangreichen Katalog auswählen. Die Massnahmen gliedern sich in fünf thematische Klassen und drehen sich um Anteile, Qualität, strukturelle Vielfalt und Diversität in den Biodiversitätsförderflächen, Artenschutz, Artenvielfalt im Ackerbau sowie Biodiversität in Spezialkulturen. In der Praxis erfüllen die meisten Biobetriebe diese Anforderung ohne grossen Probleme. Der Anteil und die Qualität der Biodiversitätsförderflächen sowie die Teilnahme an Vernetzungsprojekten sind stark gewichtet. Eine Vielzahl an Massnahmen steht zur Verfügung, wie zum Beispiel das Pflanzen von Hecken, der Unterhalt von Trockenmauern, das Vorhandensein von Bienenstöcken, der Anbau alter Pflanzensorten und das Halten gefährdeter  Tierrassen, der Anbau von Mischkulturen, eine hohe Nutzungsvielfalt, der Verzicht auf rotierende Mähwerke usw.

Weiterführende Informationen

Biodiversität (zum Beispiel mit dem Biodiversitäts-Check; Webseite Bio Suisse)

Biodiversität (alle Artikel zur Biodiversität auf dieser Webseite)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 04.08.2016

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