Die Biodiversität im Herzen Film: Förderung der Biodiversität auf Knospe-Höfen 

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist Insekt des Jahres 2016

Mit vier Millimeter Länge ist er ein Winzling, aber einer der grösseren Exemplare der Gruppe der Springschwänze, zu denen der Dunkelbraune Kugelspringer gehört. Er ernährt sich von Algen, die er von Rinden lebender Bäume abgrast und auch von Baumstümpfen, auf denen man sie bei Regen und hoher Luftfeuchtigkeit sehen kann. Jetzt ist der Dunkelbraune Kugelspringer zum Insekt des Jahres 2016 gewählt worden (siehe Kasten «Insekt des Jahres»).

Weltweit sind etwa 8.000 verschiedene Arten an Springschwänzen bestimmt worden, in Mitteleuropa 524, davon 87 Kugelspringerarten. Jeder kennt Springschwänze von der Fensterbank, wo sie unter Blumentöpfen leben und wie Flöhe wegspringen. Sie kommen im Boden in ungeheuer grossen Mengen vor, bis zu 200‘000 Stück pro Quadratmeter, wenn die Lebensbedingungen optimal sind. Die Tierchen tragen wesentlich zur Bodenfruchtbarkeit und zur Humusbildung bei, da sie sich von zerfallenden pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen ernähren.

Wie alle Springschwänze kann auch der Dunkelbraune Kugelspringer nicht fliegen; er gehört zu den Urinsekten und hat sechs Beine wie alle Insekten. Der harte Chitinpanzer ist immer von einem dünnen Flüssigkeitsfilm bedeckt. Wenn der Kugelspringer gestört wird, dann schnellt er eine Gabel am Körperende nach hinten und katapultiert sich damit aus der Gefahrenzone. Im Ruhezustand ist die Gabel, auch Furca genannt, unter den Körper geklappt.

Männchen und Weibchen sind kaum zu unterscheiden. Ihr Liebesleben hat ihren Höhepunkt in einer Balz, wo sich die beiden betasten und um einander drehen. Zuvor hatte schon das Männchen einen oder mehrere Tropfen Sperma auf selbst gesponnenen Haaren abgesetzt. Das Weibchen streift dann mit ihrer Geschlechtsöffnung darüber und nimmt die Spermien auf. Bald darauf ist die Eiablage. Der Dunkelbraune Kugelspringer überwintert meistens als Ei. Der wissenschaftlich lateinische Artname ist übrigens Allacma fusca.

Springschwänze haben nicht wie die richtigen Insekten nur wenige Häutungen, sondern wachsen ihr ganzes Leben und streifen die Haut vielfach ab. Wie häufig, ist aber nicht bekannt, wie überhaupt vieles im Leben des Dunkelbraunen Kugelspringers noch nicht erforscht ist. Tritt er nur in Wäldern auf? Beobachtet wurde aber, dass Kugelspringer ganz allgemein sehr viele Spermatophoren absetzen, die dicht bei einander stehen und wie Zäune aussehen können. Kommt kein Weibchen vorbei, dann werden die Spermien nach acht oder zehn Stunden gefressen und neue abgesetzt.
(Aus: Medienmitteilung, Julius Kühn-Institut Braunschschweig,
Wohlert Wohlers)

Insekt des Jahres

Seit 1999 wird für Deutschland ein «Insekt des Jahres» proklamiert. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus.
Mit dem Insekt des Jahres soll auf die weltweit artenreichste Gruppe von Tieren aufmerksam gemacht werden, die allzu oft nur als Schädlinge oder Lästlinge abgetan werden. Tatsächlich weisen Insekten die grösste biologische Vielfalt aller Lebewesen überhaupt auf. Nach neueren Schätzungen gibt es zwischen 15 und 80 Millionen Tierarten, davon sind wahrscheinlich 90 Prozent Insekten. Beschrieben sind bisher allerdings nur 1,65 Millionen Tierarten, davon zählen knapp 1 Million zu den Insekten.

Weitere Informationen

Insekt des Jahres (Webseite Julius Kühn-Institut)

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.12.2015

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