Produzentenberatung im Projekt «1000 Biomostbirnbäume» 

Baumrevitalisierung mit Mykorrhizapilzen und Bakterien

Ein Projekt der Vereinigung «Fructus» mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das FiBL

Ein fruchtbarer Boden ist nebst angepassten Schnitt- und minimalen Pflanzenschutzmassnahmen der entscheidende Einflussfaktor, um die Wuchs- und Ertragskraft eines Hochstammobstbaumes für Jahrzehnte zu gewährleisten. Dabei spielen Mykorrhiza-Pilze und Bakterien als Bindeglieder im Stoffaustausch zwischen Boden und Pflanze eine entscheidende Rolle.

Problemstellung

In der Realität sind vielerorts Hochstammobstbäume im besten Ertragsalter mit abgestorbenen Ästen und Trieben, wenig Zuwachs oder abgehende Bäume anzutreffen. Die Ursachen sind vielfältig, wesentlich sind eine ungenügende Nährstoff-Versorgung, Bodenverdichtungen, mangelnde Baumpflege, geringe Bodenfruchtbarkeit oder Trockenstress. Eine oberflächliche Düngung ist für Bäume oft wenig zielführend, da der Grasbewuchs den Grossteil der Nährstoffe aufnimmt und die tiefer liegenden Baumwurzeln ungenügend mit Nährstoffen versorgt werden. Dazu kommt, dass viele Bäume gar nicht gedüngt werden, weil von Naturschutzseite ein magerer vielfältiger Unterwuchs gewünscht wird.

Lösungsansatz: Bodenimpfung mit Mykorrhiza-Pilzen und Bakterien

Um die Bodenfruchtbarkeit und damit die Baumerträge sowie die Baumlebensdauer zu steigern, wurde 2018 auf vier Biobetrieben ein Versuch eingerichtet. Mit einem speziellen Bodenrevitalisierungsgerät («Vogt Geo Injector», Bild) wurden spezifische Mykorrhiza-Pilzsporen und Bakterienstämme zugeführt, kombiniert mit einer physikalischen Bodenlockerung durch Einpumpen von Luft in den Wurzelraum der Bäume. Mit der Erhöhung der Artenvielfalt an Mykorrhizen und Bakterien, welche sich gegenseitig positiv beeinflussen, soll die Nährstoffverfügbarkeit erhöht und das Wurzelwachstum verbessert werden.

Bei den Versuchen werden die Auswirkungen der drei nachfolgenden Verfahren mit unbehandelten Kontrollparzellen/Bäume verglichen:

  • a) Vollverfahren mit Einpumpen von Mykorrhiza-Pilzsporen und Bakterienstämme sowie Bodenlockerung mit Luft
  • b) Bodenlockerung mit Luft ohne Mikroorganismen
  • c) Erhöhte Gaben von qualitativ gutem Kompost zur Bodenaktivierung

Das wird erhoben

Gemessen werden die Auswirkungen auf den Chlorophyllgehalt der Blätter, den Jahreszuwachs, sowie auf die Phytoplasma- und Pilzkrankheiten. Zudem werden Bodenproben entnommen, um die Veränderung auf die Mykorrhiza-Populationen und Bodenfruchtbarkeit festzustellen.

Das Projekt soll auch Informationen liefern für einen optimalen Einsatzzeitpunkt der Methode in Abhängigkeit der Bodenverhältnisse und des Baumalters (Altersphase, Ertragsphase, Aufbauphase), um daraus Einsatzempfehlungen für die Praxis ausarbeiten zu können.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.06.2019

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