Ungelöste Fragen beim Anbau von Biotafeltrauben 

Anspruchsvolle Sortimentzusammenstellung

Für ein attraktives Angebot braucht es ein breites Sortiment mit einer langen Angebotsperiode mit roten und weissen, robusten Sorten. Erwünscht grossbeerige, attraktiv aussehende, schmackhafte und im Ladenregal haltbare Trauben mit keinen oder wenig markanten Kernen. Zudem gilt es, Produktionsprobleme wie Verrieseln oder zu dichte Trauben zu überwinden. Das aktuelle Sortenspektrum entspricht diesen Anforderungen noch nicht.

Zurzeit besteht das Sortiment zu über 70 % aus der blauen, kleinbeerigen Sorte Muscat bleu. Diese Sorte ist zwar sehr robust gegen Krankheiten und bei den Konsumenten beliebt, sie neigt jedoch zum Verrieseln. Weisse Sorten wie Lilla, Angela oder Fanny machen bisher erst 18 % des Angebotes aus. Um die Angebotsperiode ausdehnen zu können, braucht es ergänzend noch frühe und spät reifende Sorten.

Nebst der Suche nach weiteren geeigneten Sorten gibt es auch beim bestehenden Sortiment verschiedene Produktionsprobleme zu lösen. So entwickeln Nero und Lilla besonders unter stark wüchsigen Bedingungen in der Reifephase zu dichte Trauben. Diese sehen wenig attraktiv aus und bergen ein grösseres Risiko für die Bildung von Botrytis und aufgeplatzten Beeren vor und nach der Ernte. Im Gegensatz zu diesen Sorten neigt die Hauptsorte Muscat bleu vor allem bei ungünstigen kühlnassen Bedingungen um die Blüte zu stark zum Verrieseln. Die daraus resultierenden zu lockerbeerigen Trauben sehen ebenfalls nicht attraktiv aus und liefern keinen ausreichenden Ertrag. Versuche des FiBL in den letzten Jahren haben gezeigt, dass die genannten Probleme durch Auslauben der Traubenzone um die Blütezeit bei dichtbeerigen Sorten bzw. durch Einkürzen der Triebe bei zu lockerbeerigen Sorten behoben werden können.

Ein entscheidendes Kriterium bei der Sortenwahl ist auch deren Robustheit gegenüber dem Falschen und dem Echten Mehltau sowie gegenüber Botrytis. Die meisten grossbeerigen Sorten sind gegenüber dem Echten und Falschen Rebenmehltau anfällig, und die Beeren platzen leicht auf. Dies zieht Infektionen mit Botrytis nach sich. Zum Schutz der empfindlichen Beeren vor Mehltau, Botrytis, Insekten und Vögeln werden grossbeerige Tafeltraubensorten deshalb vor allem in der Deutschschweiz zurzeit unter Witterungsschutz und Netz produziert. Unter Witterungsschutz ist jedoch die Infektionsgefahr durch Echten Mehltau wegen des warmen und trockenen Mikroklimas gross. Ausserdem bleiben Spritzflecken durch Pflanzenschutzmittel wegen der fehlenden Abwaschung durch Niederschläge länger sichtbar als im ungedeckten Anbau. Zur Senkung der Produktionskosten wären deshalb ausreichend robuste Sorten mit marktkonformen Früchten ideal, mit denen ein Anbau ohne teures Überdachungssystem möglich wäre. Der Anbau ohne Witterungsschutz ist bisher nur an eher trockenen Standorten mit den krankheitstoleranten, aber kleinbeerigen Sorten Muscat bleu und Nero möglich.

In einem 2005 gepflanzten, 16 Sorten umfassenden Sortenversuch am FiBL in Frick wird die Sorteneignung sowohl mit wie auch ohne Witterungsschutz unter Bioanbaubedingungen untersucht. Die bisherigen Resultate zeigen grosse Unterschiede im Mehltaubefall der Sorten. Unter Witterungsschutz zeigen die zurzeit am meisten angebauten roten Sorten Muscat bleu und Nero eine mittlere bzw. eine gute Robustheit gegenüber dem Echten Mehltau. Von den in der Praxis bisher verwendeten weissen Sorten weisen bisher Palatina eine sehr gute, Lilla und Fanny eine mittlere und Angela eine geringe Robustheit gegenüber dem Echten Mehltau auf. Diese vier grossbeerigen Sorten, vor allem Lilla und Fanny, zeigen aber eine hohe Anfälligkeit auf Falschen Mehltau. Zusammen mit der höheren Neigung zum Aufplatzen und der Bildung von Botrytis ist der Anbau dieser Sorten in unseren klimatischen Verhältnissen nur unter gedecktem Anbau zu empfehlen. Die wegen ihrer hohen Anfälligkeit auf Falschen Mehltau nur unter Witterungsschutz angebauten kernenlosen Sorten Ora, Sulima und Exalta zeigten auch eine hohe Anfälligkeit auf Echten Mehltau. Die neuen Sorten Garant, Osella und Galanth vom Weinbauinstitut Freiburg erweisen sich im Versuch bisher sowohl gegen den Echten wie auch im offenen Anbau gegen den Falschen Mehltau als sehr robust. Diese Sorten sind wie auch Muscat bleu und Patrizia deshalb prädestiniert für einen kostenextensiven offenen Anbau. Mit Ausnahme von Muscat bleu fehlen von den Sorten aber noch Erfahrungen zur Konsumentenakzeptanz.

Blattbefall mit Falschem Mehltau am 1.10.07: Tafeltrauben-Sortenversuch ohne Witterungsschutz in Frick

Blattbefall mit Echtem Mehltau am 1.10.07 in Frick: Tafeltrauben-Sortenversuch mit Witterungsschutz

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2008

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