Schorfstrategie 

Abschluss-Bulletin vom 05.06.2018

Aktuelle Lage

Die Primärinfektionsphase des Schorfs durch Ascosporen dürfte bald abgeschlossen sein. In den verschiedenen Schorffallen der Deutschschweiz konnten in den letzten Tagen nur noch wenige Ascosporen gefunden werden. Die zukünftige Schorfentwicklung geht nun von den Konidien-Sommersporen aus. Die Gefahr von solchen Infektionen ist umso grösser, je mehr Schorfinfektionen in der Anlage und der nahen Umgebung vorhanden sind. Deshalb gilt es jetzt die Anlagen gut auf Schorfbefall (wie auch Mehltau und Feuerbrand) zu kontrollieren, um die zukünftige Schorfregulierungsstrategie festzulegen.

Besonders müssen auch schorfresistente Sorten kontrolliert werden. Ein punktueller Durchbruch der Resistenz soll mit rigorosen Hygienemassnahmen angegangen werden, indem die befallenen Bäume gut bezeichnet werden und die kranken Blätter und Früchte konsequent aus der Anlage entfernt werden. Unbedingt auch Nachkontrollen durchführen, um möglichen Neubefall oder übersehener Befall zu entfernen. Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigen, dass mit dieser Methode und vermehrten Behandlungen im Folgejahr gegen Ascosporeninfektionen die Schorffreiheit wieder hergestellt werden kann.

Die RIMpro-Modelle der verschiedenen Standorte können weiterhin gute Dienste leisten, indem über die Rubrik „Sekundäre Infektionen“ die Infektionsgefahr durch Konidiensporen eingesehen werden kann.

Für den weiteren Verlauf der Saison werden nun in den Obstanlagen die Krankheiten Regenflecken, Marssonina und Gloeosporium wichtiger. Empfehlungen zu deren Regulierung wie auch über die weitere Schorfstrategie und Massnahmen gegen Schädlinge können dem alle zwei Wochen erscheinenden Bioobstbulletin entnommen werden. Dieses ist abrufbar über die Seite
Pflanzenschutzbulletins für den Bioobst- und Biorebbau

Möchten Sie dieses oder andere Bulletins kostenlos abonnieren und damit direkt per E-Mail zugestellt erhalten, dann melden Sie sich bei: stefanie.leu(at)fibl.org.

Das vorliegende schorfspezifische Bulletin wird mit dieser Mitteilung für dieses Jahr eingestellt. Es erscheint wieder im nächsten Jahr vor Beginn der „Ascosporensaison“.
Ich bedanke mich für die guten Datenlieferung durch kantonale Fachstellen für Obstbau, Agroscope Wädenswil und intern durch das FiBL.
Auch Ihre Anmerkungen, Beobachtungen und Kommentare sind jederzeit sehr willkommen. Diese können Sie direkt an mich richten: andreas.haeseli(at)fibl.org

Rückblick auf die Schorfentwicklung 2018

Wie aus den untenstehenden RIMpro-Graphiken aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz ersichtlich ist, gab es in der Ascosporensaison 2018, je nach Standort, lediglich eine bis drei sehr schwere Infektionsereignisse. Die resultierende Blattnassdauer aus den Niederschlägen zu Saisonbeginn hatte oftmals nicht ausgereicht, um Infektionsbedingungen zu erreichen. So traten die ersten, aber zugleich auch sehr gefährlichen Infektionsmöglichkeiten erst spät, in der zweiten Maiwoche auf. Konnten diese ausreichend mit Behandlungen abgedeckt werden, dann sollten die Kulturen nun mehr oder weniger schorffrei sein. Eine ausreichende Abdeckung einer Infektion ist dann gegeben, wenn die Bäume vor Niederschlägen mit einer guten Applikationstechnik, dem richtigen Fungizid und einer ausreichenden Aufwandmenge behandelt werden und falls nötig während einer laufenden Infektionsperiode mit einer abstoppenden Behandlung ins feuchte Laub das Eindringen der Sporen ins Blatt verhindert wird. Eine abstoppende Behandlung ist dann angezeigt, wenn nach der Erstbehandlung mehr als zirka 20 mm Niederschläge gefallen sind, die letzte Behandlung schon länger zurück liegt (ungeschützter Neuzuwachs) und eine gefährliche Infektionsperiode gemäss RIMpro-Modell vorliegt (viele ausgeschleuderte Ascosporen bei Tageslicht, ausreichende Blattnassdauer entsprechend den herrschenden Temperaturen). Bei der Einschätzung der Gefährlichkeit einer Infektionsperiode sind auch die Anfälligkeit der Sorten und vor allem auch die in der Anlage vorhandene Sporenlast aus dem vergangenen Jahr stark zu gewichten.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.06.2018

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