Film: Ganzheitliche Tiergesundheit in der Milchviehhaltung Film: Erfolgreiches Melken mit Max Waldburger 

Antibiotikaresistenzen – wer ist denn da der Bösewicht?

In regelmässigen Abständen besetzt das Thema Antibiotikaresistenz die Schlagzeilenseiten der Presse und eiligst werden Expertenrunden einberufen. So geschehen auch im Jahr 2013. In zwei Expertenworkshops suchten Human- und Veterinärmediziner nach Lösungsansätzen für diese Problematik. Doch die Realität ist, dass in Spitälern weiterhin mit antibiotikaresistenten Keimen gerungen wird und dass die tierärztlich eingesetzten Antibiotika immer öfters wirkungslos bleiben. Wer ist nun schuld an dieser Entwicklung?

Der masslose Einsatz des Medikamentes in der Landwirtschaft soll schuld sein, heisst es von Seiten der Humanmedizin. Doch während die jährlich produzierte Antibiotikamenge für den Einsatz bei Tieren bis aufs Kilogramm genau dokumentiert ist (2012 wurden 4.6 Tonnen reiner antibiotischer Wirkstoff in die Kuheuter gespritzt), gibt es für den Einsatz in der Humanmedizin keine solche Statistik. Können wir uns nun beruhigt zurücklehnen?
Nein, auch wir haben noch genug Hausaufgaben zu erledigen:

  • Viel zu oft werden Tiere aufgrund falscher Diagnosen antibiotisch behandelt.
  • Viel zu oft wird auf Antibiotika zurückgegriffen, wenn auch andere Heilungsmethoden oder Verbesserungen der Haltungsbedingungen den gleichen oder gar besseren Effekt hätten.
  • Viel zu viel antibiotikakontaminierte Milch wird in unseren Milchviehställen produziert.

87'000 Tonnen antibiotikakontaminierte Milch pro Jahr

Professor Schällibaum aus Bern hat zum letzten Punkt für eine Nationalfondstudie eine Schätzung gewagt. Er ist auf schweizweit 87‘000 Tonnen (das entspricht der Grösse eines mittelgrossen Öltankers) antibiotikakontaminierte Milch pro Jahr gekommen, welche mangels Alternativen entweder an Kälber und Schweine verfüttert werden oder im Güllefass oder in der Kanalisation verschwinden.

Im Rahmen des «pro-Q» Projektes am FiBL ist denn auch die Fütterung der Aufzuchtkälber als Risikofaktor für die Eutergesundheit eruiert worden. Betriebe, welche ihren Aufzuchtkälbern Milch von euterkranken Kühen vertränkten, hatten mit höheren Zellzahlen in ihrer Tankmilch zu kämpfen als Betriebe, welche ihren Aufzuchtkälbern nur Milch von eutergesunden Tieren vertränkten.

Eigentlich müsste antibiotikabelastete Milch als Sondermüll entsorgt werden!

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.10.2014

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