Biorotwein des Jahres kommt aus dem Kanton Zürich

(22.06.2016) 

Westschweizer Winzer und pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind die grossen Gewinner beim Schweizer Bioweinpreis. Zwei von drei Trophäen gehen in die Romandie – darunter die Auszeichnung zum «Biowinzer des Jahres». Der beste Biorotwein aber wird in Meilen ZH gekeltert. Insgesamt nahmen rund 140 Weine am 3. Schweizer Bioweinpreis teil. Der Wettbewerb wird von VINUM unter dem Patronat von Bio Suisse durchgeführt.

Der Schweizer Bioweinpreis ist ein Gradmesser für die dynamische Entwicklung in diesem Bereich. Schon im letzten Jahr hatten Weine aus pilzwiderstandsfähigen (Piwi) Neuzüchtungen bewiesen, dass sie den Gewächsen aus traditionellen Sorten (Chasselas, Chardonnay, Pinot Noir etc.) ebenbürtig sind. Dieses Jahr hat sich diese Tendenz weiter akzentuiert. Das Weingut Sitenrain in Meggen LU, das 2015 mit seinem Solaris die Kategorie Weisswein gewann, landete nun mit dem Solaris Barrique 2014 auf dem 2. Platz. Geschlagen wurde er einzig vom Johanniter Grand Cru 2014 der Domaine La Capitaine aus dem Waadtland.

Auch bei den Rotweinen gewann mit dem Merlot-Cabernet 2014 vom Turmgut von Barbara und Markus Weber im zürcherischen Erlenbach ein Wein, der aus den Piwi-Sorten Cabernet Jura, Cabertin und Merlotin gekeltert worden ist. Reüssiert haben vor allem klar strukturierte Weine, die eher mit Frische und Finesse und weniger mit opulentem Charme zu überzeugen vermochten.

Zum «Biowinzer des Jahres» kürte die Profi-Jury Jean-Denis Perrochet von der Domaine de La Maison Carrée in Auvernier NE. Er erreichte mit seinem Neuchâtel Blanc Vin sur Lie und seinem Pinot Noir Le Lerin die beste Durchschnittsnote aller Finalwinzer. Mit burgundischem Esprit und biodynamischem Anbau produziert er ungeschliffene Diamanten im besten Sinne.

Zum 3. Schweizer Bioweinpreis wurden 139 Weine von 45 Winzern eingereicht. Die 73 Weiss- und 66 Rotweine wurden in einem zweistufigen Auswahlsystem blind verkostet und bewertet. Nach der Benotung auf der VINUM-Redaktion wurden die 15 besten Gewächse jeder Kategorie von Grund auf von einer Fachjury aus Weinexperten der Deutsch- und Westschweiz neu bewertet.

Interview mit Jean-Denis Perrochet, Biowinzer des Jahres 2016

Glückwunsch! Was bedeutet Ihnen und Ihrer Domaine die Auszeichnung zum «Biowinzer des Jahres»?
Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Für uns alle ist sie eine Bestätigung, dass wir in den letzten 30 Jahren vieles richtig gemacht haben. Der bio-dynamische Rebbau ist ja kein einfacher Weg. Die Auszeichnung zeigt, dass dieser Weg durchaus erfolgreich sein kann. Wer weiss, vielleicht spornt dies den einen oder anderen konventionellen Winzer an, auf Bio umzustellen (lacht).

Im Bio-Rebbau werden immer häufiger pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwi) kultiviert. Sie bleiben bei den traditionellen Rebsorten. Wieso?
Wir haben hier kalkhaltige Terroirs, die sich sehr gut für traditionelle Traubensorten wie unsere Pinot Noir, Pinot Gris, Chasselas, Chardonnay oder Savagnin Blanc eignen – und das schon seit Generationen. Wir sind also sehr mit der Geschichte unserer Domaine verbunden. Zudem haben wir uns über die Jahre wertvolle Kenntnisse im bio-dynamischen Rebbau angeeignet. Dies erlaubt uns, finessenreiche Weine zu keltern. Auf Piwi umzustellen, macht für uns im Moment keinen Sinn.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen im Rebberg?
Es ist sehr aufwändig, den Bodenbewuchs so zu bewirtschaften, dass die Rebstöcke unten genug Licht haben und es auch nicht zu feucht wird. Wir haben viele alte Reben, die ziemlich krumm stehen. Die Gefahr, dass wir mit modernen Maschinen die Reben verletzen, ist gross. So bleibt eben nur ein geringer Maschineneinsatz oder schlussendlich die Handarbeit. Mehltau und andere Krankheiten hingegen sind kaum mehr ein Problem, das haben wir gut unter Kontrolle.

Und wo liegen die Herausforderungen im Keller?
In der bio-dynamischen Weinbereitung braucht es viel weniger Schwefel (Sulfite). Dieser ist erlaubt und auch nötig vor dem Abfüllen, um die Finesse der typischen Aromatik unserer Weine zu halten. Die alkoholische Gärung und den biologischen Säureabbau müssen wir sehr sorgfältig überwachen. Dabei ist die Temperaturkontrolle sehr wichtig.

Wie sehen Sie die Perspektiven für den Biowein?
Ich sehe die Zukunft des Rebbaus wie auch der gesamten Landwirtschaft im Biolandbau. Hätte die Schweiz den Mut, sowohl bei der Produktion wie beim Import auf Bio umzustellen, würde dies nicht nur zu den landwirtschaftlichen Strukturen passen, wir wären damit auch ein Vorbild für die ganze Welt.


Weiterführende Informationen

Schweizer Bioweinpreis 2016 (Webseite Vinum)

Schweizer Bioweinpreis 2016 (Webseite Bio Suisse)

La maison carrée (Webseite des Weinbaubetriebes Perrochet, Biowinzer des Jahres 2016)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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