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Weidesysteme für mehr Rentabilität

Für jeden Betrieb gibt es das ideale Weidesystem. Mit Hilfe von professioneller Beratung ist dieses meist schnell gefunden und kann laufend optimiert werden. Ein Webinar gab Einblick in zwei Betriebe mit viel Erfahrung in Sachen Weide- und Gras-Management.

Per 2022 dürfen Knospe-Betriebe ihren Wiederkäuern ausschliesslich Schweizer Knospe-Futter verfüttern. Dies nahm Bio Suisse im Rahmen des Projektes ProBio zum Anlass, ein Webinar zum Thema Weidesysteme durchzuführen. Während der Veranstaltung ermöglichten eigens für den Anlass produzierte Videos den über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einblick in zwei Betriebe mit viel Erfahrung bezüglich ihres Weidesystems.

Der 27 Hektaren grosse Milchviehbetrieb von Peter und Nicole Trachsel im aargauischen Seon machte den Auftakt. Die Herde der Familie besteht aus 43 Milchkühen mit eigener Aufzucht. Gekreuzt wird mit den Rassen Kiwi Cross, Swiss Fleckvieh, Norwegische Rot-Bunte und Jersey. Dass Trachsels Tiere saisonal von Februar bis März abkalben, ermöglicht es den Kühen, das Gras optimal zu nutzen. Familie Trachsel hat die 15 Hektaren Kurzrasenweide in zehn Koppeln eingeteilt, wobei jede Koppel, je nach Grösse und Graswachstum, zweimal bis dreimal pro Woche beweidet wird. «Die Ruhezeit einer Koppel übersteigt bei uns nie eine Woche, da das Gras sonst zu lang wird», erklärt Peter Trachsel den Teilnehmerinnen und -Teilnehmern.

Er habe bereits vor 15 Jahren mit einem Kurzrasenweidensystem angefangen, doch damals eingeteilt in nur zwei grosse Koppeln. «Dies hat zu Problemen der Nährstoffversorgung der Flächen geführt. Diejenigen Stellen, wo sich die Tiere zum Wiederkäuen hinlegten, wurden überdüngt, andere Stellen wo ‘nur’ gefressen wurde, magerten aus.» Das A und O liege in der Kürze des Rasens von maximal vier bis sechs Zentimetern. So hätten die Tiere während der ganzen Weidesaison eine hohe, gleichbleibende Futterqualität, sagt Peter Trachsel.

Trockenheit als Herausforderung

Peter Trachsel zeigt sich sehr zufrieden mit der dichten Grasnarbe, die es ihm zusammen mit den leichten sandigen Böden auf seinem Betrieb ermöglicht, bereits im Februar die Weiden für seine Tiere zu öffnen. «Doch sind unsere wenig tiefgründigen Weiden durch die kurzen Halme und die geringe Beschattung sehr anfällig für Trockenheit, vor allem wenn in den Sommermonaten regelmässige Niederschläge ausbleiben. Dann werden die Weiden zwar rasch braun, erholen sich jedoch ebenso schnell wieder», erzählt Trachsel.

Dank der Kurzrasenweide habe er – als positiven Nebeneffekt – keinerlei Probleme bei seinen Kühen mit Blähungen. Dazu sei das System eher arbeitsextensiv, was zu einer guten Wirtschaftlichkeit des Betriebes führe.

Auch als Vollweidebetrieb gilt es auf klimatische Veränderungen zu reagieren. «Steigen Temperaturen und Insektendruck füttern wir die Tiere zwar auf der Weide, lassen sie aber im schattigen Stall liegen und ruhen», sagt Peter Trachsel. Das Fazit: Bei der Suche nach dem passenden Weidesystem für einen Betrieb gehören Experimente und laufende Optimierungen immer dazu.   

Auch Susanne Käch Pitt und Joss Pitt aus Gampelen im Berner Seeland sind seit vielen Jahren am Tüfteln und im Zuge dessen zu richtigen Profis in Sachen Gras-Management geworden. Ein Video gibt Einblick in ihr optimiertes Weidesystem mit insgesamt dreissig Koppeln. Dass Susanne Käch Pitt regelmässig mit einem Rising-Plate-Meter (RPM) über die Weiden geht und die Daten anschliessend von einem Softwaresystem aus Irland auswerten lässt, zeigt, wie viel Wert dieser Betrieb auf die Weidequalität legt. Auch auf diesem Milchviehbetrieb kalben die Kühe im Februar und März saisonal ab, um das Gras optimal nutzen zu können. Familie Pitt Käch hat sich für die Rasse Kiwi Cross entschieden.

Gutes Gras ergibt gutes Gras

Susanne Käch Pitt erzählt, dass sie ihren Betrieb bereits vor zehn Jahren auf Bio umgestellt haben, was perfekt passe. Fast ebenso lange wird auf diesem Betrieb kein Kraftfutter mehr an die Kühe verfüttert. Dafür legt Familie Käch Pitt umso mehr Wert auf eine optimale Grasqualität. «Altes Material sollte auf den Weiden möglichst wenig entstehen. Für uns gilt hier die Losung: Nur gutes Gras lässt gutes Gras wachsen», sagt Susanne Käch Pitt. Heisst so viel wie: Je besser die Qualität des Grases, desto besser ist auch die Qualität des nachwachsenden Grases.

Wichtig sei aber, dass man die Tiere insbesondere im Frühling und Herbst in Bezug auf Blähungen im Auge behalte und die Tiere gut mit Magnesium versorge.
Die Klauengesundheit sei in ihrer Herde sehr gut, was vielleicht auch auf den Verzicht auf Kraftfutter zurückzuführen sei. Gras biete alles, was eine Kuh braucht. «Die Beziehung von Boden, Weide und Kühen ist aus meiner Sicht magisch», sagt Käch Pitt und ruft die Webinar-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer dazu auf, mehr Vertrauen ins Gras und in die Kühe zu haben.

Die lange Suche lohnt sich

Remo Petermann, Lehrer und Berater am BBZN in Schüpfheim LU, bestätigt die Aussage von Susanne Käch Pitt. Kühe seien für die Weide gemacht, davon ist auch er überzeugt. Warnungen, dass Weidegras den Pansen einer Kuh stresse, komme meist von Firmen, die Futterzusätze verkaufen wollten. Jedenfalls hätten Studien anhand von fistulierten Kühen gezeigt, dass der Pansen-pH-Wert bei Vollweide stabil bleibe. Das Zusammenspiel von Weide und Kühen scheint also bestens zu funktionieren.

Wichtig ist dabei, dass jeder Betrieb sein individuelles und standortgerechtes Weidesystem findet. Diese Suche kann zwar ein paar Jahre dauern. Doch ermöglicht es den Betrieben grosse arbeitswirtschaftliche Fortschritte und damit mehr Rentabilität, wie Remo Petermann betont. Und Susanne Käch Pitt hebt diese Chance für Biobetriebe ebenfalls hervor: «Mit dem richtigen Weidesystem kann ein besseres Verhältnis von Input zu Output erreicht werden.»

Ann Schärer, FiBL

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.04.2021

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