Diese Website unterstützt Internet Explorer 11 nicht mehr. Bitte nutzen Sie zur besseren Ansicht und Bedienbarkeit einen aktuelleren Browser wie z.B. Firefox, Chrome
FiBL
Bio Suisse
Logo
Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern

Von Ziegen und Idealen

Auf ihrem Biobetrieb lebt Laurence Traber ihren Traum. Und reflektiert in einem Projekt zur Unterstützung von Landwirtinnen ihre Rolle als Mutter und Betriebsleiterin.

Einen Steinwurf vom Dorf Palézieu VD entfernt lässt Laurence Traber an einem Wintermorgen bedachtsam ihre 25 Ziegen aus dem Stall. In der Ferne sind die Beete und Tunnel der Gemüsekulturen erkennbar. Die 45-jährige Landwirtin blickt zurück auf ihren Weg hin zur Verwirklichung ihres Traums: die Übernahme eines Bauernhofs und ein Leben mit Tieren. 

«Ich habe mit zwei Ziegen in meinem Garten angefangen, als meine zweite Tochter erst wenige Monate alt war. Dann wurden es drei, dann vier, bis mir klar wurde, dass es mehr als nur ein Hobby war», erzählt die gebürtige Genferin und ausgebildete soziokulturelle Animatorin. In ihr reifte die Idee, ihre Leidenschaften – die Tiere und die Natur – durch ein Landwirtschaftsprojekt zu vereinen. Ohne Diplom ging das jedoch nicht. «Also habe ich eine Ausbildung zur Landwirtin EFZ absolviert und meine praktischen Erfahrungen auf der Alp mit Geissen und Rindern anerkennen lassen», erklärt sie. 2019, als ihre beiden Töchter sieben und zehn Jahre alt waren, übernahm sie mit ihrem Partner Raphaël Van Singer ein 3,5 Hektaren grosses Stück Land, das bereits biologisch bewirtschaftet wurde. Heute umfasst der Hof «La Chèvre et le Chou» sieben Hektaren und versorgt durch Abos und Märkte mehr als 150 Haushalte mit Gemüse und Käse.

Kochen oder Traktor fahren

«Viele Frauen glauben, dass es unmöglich sei, die Rolle als Mutter und Landwirtin unter einen Hut zu bringen», berichtet die Agrarsoziologin Sandra Contzen. Laurence Traber bekräftigt: «Unser Betrieb funktioniert vor allem deshalb, weil sich mein Mann in die familiären Aufgaben reinhängt.» Im Rahmen des Projekts «Frauen in der Landwirtschaft», eines Projektes von Vision Landwirtschaft und der BFH-HAFL nimmt die Landwirtin an «Living Labs» teil (siehe Weiterführende Informationen). Diese Reflexionsräume zielen insbesondere darauf ab, die spezifischen Herausforderungen für Betriebsleiterinnen zu identifizieren. Dazu zählt auch die Mutterschaft.

«Das Ziel ist es, langfristig ein Netzwerk mit konkreten Informationen für Frauen anzubieten, die beide Rollen miteinander vereinbaren möchten», erläutert Laurence Traber. Entscheidend sei die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft. «Wenn ich auf dem Traktor sitze, ist keine Hausfrau daheim, die mir etwas zu essen macht», sagt sie ironisch. Ihre Erfahrung als Mutter habe aber auch ihre Beziehung zu den Tieren verändert. «Sie hat mich einfühlsamer gemacht», schildert die Landwirtin und sieht darin eine Bereicherung für ihre Tierhaltung, die sie so respektvoll wie möglich gestalten will.

Druck von innen und aussen

Auch wenn sie sich in einem «unter Druck stehenden wirtschaftlichen Umfeld» bewege, fühlt sich Laurence Traber heute frei. Diese Freiheit hänge besonders damit zusammen, dass sie als Landwirtin in erster Generation kein Vorbild habe, dem sie entsprechen müsse. «Das zwingt uns, uns mit unseren Idealen und Überzeugungen auseinanderzusetzen.» Diese Haltung helfe ihr auch dabei, Gefühle der Unsicherheit zu überwinden. «Als Frau muss man sich ständig beweisen. Dieser Druck kommt sowohl von innen als auch von aussen», resümiert Laurence Traber.

Emma Homère, Bio Suisse

Dieser Artikel erschien im Bioaktuell 1/2026.

Weiterführende Informationen

Hof La Chèvre et le Chou (chevreetchou.ch, auf Französisch)
Projekt Frauen in der Landwirtschaft (visionlandwirtschaft.ch)
Bioaktuell Magazin (Rubrik Magazin)
Frauen in der Landwirtschaft (Rubrik Grundlagen)

Möchten Sie die Website zum Home-Bildschirm hinzufügen?
tippen und dann zum Befehl zum Home-Bildschirm hinzufügen nach unten scrollen.