Beurteilung von Apfelsorten hinsichtlich ihrer Eignung für den Biohochstammanbau
In einem sechsjährigen Projekt hat das FiBL Obstbauteam zahlreiche Apfelsorten in 14 Biohochstammanlagen in der Deutschschweiz hinsichtlich ihrer Eignung für den biologischen Hochstammanbau in der Deutschschweiz beurteilt.
In den Jahren 2016-2021 wurden im Rahmen des Projekts Produktionsförderung Biomostäpfel Hochstammbäume von insgesamt 167 Apfelsorten auf 14 Praxisbetrieben in der Deutschschweiz zirka Ende August/Anfang September auf folgende Parameter visuell bewertet: Befall mit Schorf, Marssonina und Mehltau sowie Laubvitalität, Wüchsigkeit und Ertrag..
Feuerbrandbefall wurde bei keiner Erhebung festgestellt, ist aber bei einer Sortenplanung ebenso zu berücksichtigen. Zur Ergänzung der Feldbeobachtungen wurden zu Beginn und am Ende des Projekts Befragungen bei den Produzentinnen und Produzenten zu ihren Beobachtungen und Erfahrungen durchgeführt.
Zusätzliche Herausforderung durch Marsonnina
Die seit 2014 in der Schweiz stärker auftretende Marssonina Blattfallkrankheit stellt besonders in extensiv bewirtschafteten Anlagen nebst Schorf eine zusätzliche Herausforderung dar. Ohne angemessenen Pflanzenschutzmassnahmen zeigten auch bisher bewährte Sorten besonders in feuchten Jahren eine zum Teil starke Schädigung durch Marssonina mit einem frühzeitigen Blattfall, welcher zu einer Baumschwächung und bis zum Absterben des Baumes führt. Deshalb ist bei der Sortenwahl im Bioanbau die Marssoninaanfälligkeit ein sehr wichtiges Kriterium geworden.
Frühe Behandlungen wichtig
Auf den Erhebungsbetrieben hat sich gezeigt, dass der Befall mit Schorf mit zwei bis drei, auf die Hauptinfektionen ausgerichteten Behandlungen während der Ascosporenphase (in der Regel von Ende März bis Mai) mit Kupfer, Schwefel, Schwefelkalk oder saurer Tonerde ausreichend reduziert werden kann.
Ab der Blüte können auch erste Marssonina-Infektionen auftreten, welche mit den Schorfbehandlungen miterfasst werden. Zusätzlich können besonders Marssonina-anfällige Sorten ab Ende der primären Schorfphase bis ca. Ende Juni mit 2-3 zusätzlichen Behandlungen mit saurer Tonerde oder Schwefelkalk geschützt werden.
Versuche aus dem Jahr 2023 haben gezeigt, dass für die Marssonina-Regulierung vor allem die Periode bis Ende Juni wichtig ist, da mit Spätbehandlungen die Befallsentwicklung aus frühen Infektionen nicht mehr gestoppt werden kann.
Prognosesysteme als wichtige Hilfsmittel
Prognosesysteme wie RIMpro ermöglichen bedeutende Schorf- und Marssoninainfektionen vorauszusagen und stellen damit ein wichtiges Hilfsmittel für gezielte Behandlungen dar. Bei der Auswertung der Beziehung zwischen Pflanzenschutzintensität und dem Auftreten von Marssonina in 11 Betrieben über einen Zeitraum von 6 Jahren zeigte sich, dass durch insgesamt 4 bis 6 Fungizid-Behandlungen pro Jahr der Krankheitsbefall ausreichend reduziert werden kann.
Bioeignung der Spezialmostsorten
Gemäss den Normen und Vorschriften für Mostobst des Schweizer Obstverbandes wird Mostobst in folgende Qualitätskategorien eingeteilt: Spezialmostäpfel, gewöhnlicheMostäpfel, Mostbirnen und übriges Mostobst, wobei Richtpreise für Spezialmostäpfel und Mostbirnen höher sind als für die übrigen Apfel- und Birnensorten.
Aufgrund der Erhebungsresultate mit einer starken Gewichtung der Anfälligkeit gegenüber Schorf und Marssonina wurden die Spezialmostäpfel in die drei Kategorien besonders empfehlenswert, bedingt empfehlenswert und nicht empfehlenswert eingeteilt.
Die Sorten Beffertapfel, Bohnapfel, Grauer Hordapfel, Heimenhofer und Schneiderapfel haben sich für den Bioanbau als besonders geeignet gezeigt. Das liegt an ihrer Robustheit gegenüber Schorf, Mehltau und Marssonina. Beffertapfel, Bohnapfel und Schneiderapfel haben selbst ohne direkten Pflanzenschutz nur eine geringe Anfälligkeit für Schorf und Marssonina gezeigt.
Die Sorten Boskoop, Leuenapfel, Reanda, Remo, Rewena, Sauergrauech, Spartan, Tobiässler und Wilerrot werden nur bedingt empfohlen. Boskoop zeigte sich als hochanfällig gegen Marssonina, Reanda, Remo und Rewena werden ab Ertragseintritt schwachwüchsig, Sauergrauech ist anfällig für Schorf und Feuerbrand und tropft. Spartan braucht je nach Standort einen erhöhten Pflanzenschutz, Tobiässler ist feuerbrand- und schorfanfällig und bei Wilerrot wird die teilweise ausgeprägte Alternanzneigung und die späte Ernte (Ende Oktober bis Anfang November) bemängelt.
Teilweise hochanfällige Sorten
Sorten wie Blauacher Wädenswil, Engishofer, Gravensteiner und Thurgauer Weinapfel werden für den Biolandbau nicht empfohlen, weil sie gegenüber Schorf oder Mehltau hochanfällig sind, was einen erhöhten Pflanzenschutz erforderlich macht. Topaz zeigte sich hochanfällig für Marssonina, ist schlecht schüttelbar und die Schorfresistenz ist nur schwach verankert. Blauacher Wädenswil und Gravensteiner sind Sorten, welche einen ausgeprägten vorzeitigen Fruchtfall haben (Tropfsorten).
Keine nennenswerten Schorfdurchbrüche
In den letzten drei bis vier Jahrzehnten wurden auf Biobetrieben viele schorfresistente Apfelsorten (Resistenzgen Rvi6, früher Vf) wie Florina, Liberty, Topaz, Reanda, Rewena, Resi, Retina und weitere angebaut, oft mit dem Ziel zusätzlich auch Tafelobst zu gewinnen.
Auf den Erhebungsbetrieben sind bei den resistenten Sorten vereinzelt Schorfdurchbrüche beobachtet worden, doch traten bei keiner Sorte nennenswerte Blatt- und Fruchtschäden auf. Dazu beigetragen hat, dass mehrheitlich ein minimaler Pflanzenschutz gegen Schorf besonders während der Ascosporenphase durchgeführt wurde.
Trotz Toleranz nur bedingt geeignet
Die meisten Produzent*innen der Erhebungsbetriebe beurteilen die schorfresistente Sorten trotzdem als nur bedingt geeignet für den Hochstammanbau, da sie für eine klassische Oeschberg-Krone zu schwachwüchsig sind und sich deshalb höchstens als Hochstammspindel formieren lassen. Dies gilt vor allem für die Pillnitzer Re-Sorten (Reanda, Rewena, Resi, Retina usw.) sowie Liberty und Empire.
Als weiterer Kritikpunkt wurde genannt, dass die Äpfel im Herbst schlecht von den Bäumen fallen, sodass diese geschüttelt werden müssen. Als Stammbildner wird die frohwüchsige Sorte Schneider empfohlen, um dem schwachen Wachstum entgegenzuwirken. Re-Sorten auf eigenem Stamm sind zudem frostanfällig.
Eigenverwerter-Sorten: Edelchrüsler, Baar- und Hagapfel fallen auf
Nebst den Spezialmostsorten zeigten sich auch verschiedene andere Sorten als robust und als Ergänzung besonders für die bäuerliche Eigenverwertung geeignet. So wurde zum Beispiel der Baarapfel als ein robuster Massenträger mit hohen Polyphenolgehalten von den Produzent*innen hervorgehoben. Er zeigte lediglich eine gewisse, aber vertretbare Anfälligkeit für Fruchtschorf.
Die Sorte Edelchrüsler fiel durch ihre Robustheit, den kräftigen Wuchs und regelmässigen Ertrag auf. Der Wehntaler Hagapfel mit einer sehr kompakten Haupternte ist ebenfalls robust, wächst kräftig und lässt sich zu einer schönen Rundkrone formen. Sie wird derzeit an verschiedenen Standorten weitergeprüft. Alle drei Sorten sind auch als Tafelapfel für die Direktvermarktung geeignet.
Fazit: Mit vier bis sechs Behandlungen Baumgesundheit und Ertrag sichern
Bei den sechsjährigen Erhebungen auf 14 Biohochstammbetrieben in der Deutschschweiz zeigten sich grosse Unterschiede bei der Krankheitsanfälligkeit der verschiedenen Sorten. Mit 4 bis 6 Pflanzenschutzbehandlungen zu den Hauptinfektionen in der Phase Ende März bis Ende Juni konnte der Schorf- und Marssoninabefall auch bei anfälligeren Sorten auf ein akzeptierbares Niveau reduziert werden.
Dieser Text ist eine Zusammenfassung des Projektberichts.
Weiterführende Informationen
Der Projektbericht (www.orgprints.org)
Das Prognosesystem RIMpro (Rubrik Pflanzenbau)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 23.02.2026
