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FiBL
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Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern

Arzneipflanzen im Stall

Traditionelles Wissen für moderne Tiergesundheit

Kamille und Ringelblume sind nach wie vor die am häufigsten eingesetzten Arzneipflanzen in der Schweizer Nutztierhaltung. Je nach Region folgen Brennnessel, Wallwurz, Ampfer oder sogar Kaffee. 

Diese Erkenntnisse stammen aus einer mehrjährigen Interviewreihe mit Landwirtinnen und Landwirten in allen Kantonen der Schweiz. Ziel war es, überlieferte Rezepturen und ihre konkreten Anwendungen in der tierischen Praxis zu erfassen und wissenschaftlich zugänglich zu machen. Insgesamt dokumentierte das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) an die 200 verschiedene Pflanzenarten.

Die Arzneipflanzen werden vor allem zur Behandlung von Hautveränderungen, Wunden, Magen-Darm-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen eingesetzt, meist bei Rindern, aber auch bei anderen Tieren. Die Anwendungen erfolgen äusserlich oder als Zugabe ins Futter.

Im Vergleich mit historischen französisch und deutschsprachigen Fachbüchern zeigt sich, dass viele der von den Landwirtinnen und Landwirten genannten Arzneipflanzen schon vor 100 Jahren zur Gesunderhaltung von Tieren eingesetzt wurden. 

Dieses Wissen stellt eine nennenswerte Basis für den Fortbestand und die Weiterentwicklung pflanzlicher Hausmittel und Arzneien im Stallalltag dar.

Pflanzen statt Antibiotika?

Viele Biobetriebe setzen Arzneipflanzen gezielt ein, um Antibiotika zu reduzieren. Eine FiBL-Studie zeigt; selbst bei ernsteren Erkrankungen wie der Endometritis (Gebärmutterentzündung) können Arzneipflanzen eine wirksame Alternative zu Antibiotika sein. In einem Praxisversuch erzielte eine pflanzliche Behandlung vergleichbare Heilungsraten und Effekte auf die Reproduktionsleistung wie ein klassisches Antibiotikum– ein vielversprechender Ansatz zur Reduktion von Medikamenteneinsatz und zur Förderung der natürlichen Tiergesundheit.

Im Jahr 2024 rief das FiBL eine europaweite Initiative (die COST Aktion MedPlants4Vet) ins Leben, welche sich für die Verfügbarkeit von pflanzlichen Tierarzneimitteln auf dem Markt einsetzt. Aktuell arbeiten TeilnehmerInnen aus 53 Ländern daran kompakte, reflektierte und praxisrelevante Informationen zu pflanzlichen Arzneimitteln für Tiere zu sammeln und online zur Verfügung zu stellen: 

MedPlants4Vet (Website)

Kamillentee zur Behandlung von Kälberdurchfall

Kamillenblüten wirken bei Durchfall und anderen Verdauungsstörungen krampflösend und entzündungshemmend.

  • Rezept:  
    fünf bis sieben Gramm getrocknete Kamillenblüten mit einem Liter siedendem Wasser übergiessen und 10 bis 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 
  • Darreichung:
    Während drei Tagen zwei- oder dreimal täglich einen Liter handwarmen Tee als Zusatzmahlzeit mit der Schoppenflasche eingeben. Wenn die Kälber den Tee nicht freiwillig einnehmen, kann ein wenig Traubenzucker beigegeben werden.

Weitere Rezeptideen sind im Merkblatt «Kälber und Ferkel mit Arzneipflanzen stärken» oder im Bioaktuell Magazin 4/2025 auf Seite 12 zu finden (siehe weiterführende Informationen).

Weiterführende Informationen

Handbuch Tiergesundheit (FiBL-Shop)
Merkblatt «Kälber und Ferkel mit Arzneipflanzen stärken» (FiBL-Shop)
Artikel zu «Phytotherapie (955.7 KB)» (Magazin Bioaktuell 4|2025)
Studie zu Endometritis (auf englisch) (sciencedirect.com)

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