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Ethische Auseinandersetzung mit Tiermedizin und Antibiotikaeinsatz

Das internationale Projekt «Roadmap» befasste sich mit dem Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung. Zum Projektabschluss Ende Mai organisierte das beteiligte FiBL eine Diskussion zu ethischen Fragen rund um die Nutztierhaltung und -behandlung mit dem Philosophen Dr. Christian Dürnberger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Die rund 40 Teilnehmenden aus Forschung und Praxis brachten ihre vielfältigen eigenen Erfahrungen in die Diskussionen mit ein.  

Zu Beginn stellte Dürnberger klar, dass Ethik nicht die abgehobene Wissenschaft elitärer Kreise sei. Wir alle beschäftigen uns täglich damit, indem wir uns moralische Fragen über unser eigenes Verhalten stellen. Orientierungshilfen geben uns dabei unterschiedliche Prägungen und Erfahrungen: die Religion, das Gesetz, die gesellschaftlichen Erwartungen und unser eigenes Gewissen.

Wie der Mensch zum Nutztier steht
Durch die ethische Auseinandersetzung mit der Mensch-Tier-Beziehung haben sich verschiedene Grundeinstellungen zur Nutztierhaltung entwickelt, führte Dürnberger aus. Es gibt sehr extreme, aber konsequente Betrachtungsweisen, die das Tier entweder als Gegenstand oder im Gegensatz dazu als Wesen mit umfangreichen Rechten definieren.

Es seien vor allem die Ansichten zwischen diesen Positionen, die für ethische Debatten sorgen. Sie führen zu zahlreichen Fragen zu unserem Umgang mit Nutztieren: Reicht es, Tierleid zu vermeiden? Was braucht ein Tier, um darüber hinaus ein gutes Leben zu führen?  Führen grosse Freiheiten auch zu mehr leidvollen Erfahrungen? Die Ethik kann diese Fragen einordnen und Hilfestellung geben, Antworten müssen die fragenden Personen oder Gesellschaften selbst finden.

Wer das Recht auf Antibiotikaeinsatz hat 
Ein besonderes Thema innerhalb der Nutztierhaltung ist der Antibiotikaeinsatz in der Tiermedizin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilt Antibiotikaresistenzen als eine der grössten Bedrohungen für die globale Gesundheit. Vor diesem Hintergrund sei die Frage, wann und wie Antibiotika an Tieren eingesetzt werden sollte, von besonderer Relevanz, so Dürnberger.

In der Diskussion waren sich die Teilnehmenden einig: In einer idealen Welt könnten wir viel mehr in die Prophylaxe und gesunden Rahmenbedingungen der Tierhaltung investieren, dann wäre deutlich weniger Antibiotikabehandlung notwendig. Dafür ist aber auch finanzieller Spielraum notwendig, der in der Landwirtschaft oft nicht gegeben ist.

Dürnberger führte die Gruppe zu einem ethischen Dilemma: Ist im Einzelfall die Behandlung des einzelnen Tieres oder der Erhalt von Antibiotika als Option für zukünftige Generationen wichtiger? Obwohl jeder Antibiotikaeinsatz das Risiko einer Resistenzbildung erhöht, ist die Gefahr einer Resistenzverbreitung in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend präsent. Deshalb und aufgrund der Anonymität einer grossen Gesellschaft, handelt der Mensch meist eher zum eigenen Nutzen als zum Nutzen der Allgemeinheit.

Während der Veranstaltung gab es einen fruchtbaren Austausch zwischen landwirtschaftlichen Fachleuten und der Geisteswissenschaft mit dem ein oder anderen «Aha-Erlebnis» auf beiden Seiten.

Simona Moosmann, FiBL

Weiterführende Informationen

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.06.2023

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