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Wanzen als Schädlinge im Obstbau

In Obstanlagen kommen eine Vielzahl unterschiedlicher Wanzenarten vor. Während einige Arten als wertvolle Nützlinge fungieren und sich räuberisch von Obstschädlingen ernähren, können andere erhebliche Schäden an den Früchten verursachen. Zu den wichtigsten Schadenarten zählen die marmorierte Baumwanze (Halymorpha halys) und die rotbeinige Baumwanze (Pentotoma rufipes). Durch ihr Saugen an den Früchten entstehen unter anderem Verformungen und Verkorkungen.

Hauptschädlinge

Die marmorierte Baumwanze und die rotbeinige Baumwanze kommen an unterschiedlichen Orten vor. Während die marmorierte Baumwanze bevorzugt in der Nähe von urbanen Gebieten auftritt, ist die rotbeinige Baumwanze in der Nähe von Waldgebieten verbreitet. 

Studien aus Italien deuten darauf hin, dass sich auch die Temperaturansprüche der beiden Arten unterscheiden. Die wärmeliebendere marmorierte Baumwanze kommt deshalb bis zu einer Seehöhe von 800 Meter vor, während die rotbeinige Baumwanze auch kühlere Standorte besiedelt.

Marmorierte Baumwanze (Halymorpha halys)

Die marmorierte Baumwanze überwintert als erwachsene Wanze in Gruppen an versteckten Orten. Dabei sucht sie auch gerne Unterschlupf in Häusern. Die Eiablage erfolgt vom Frühjahr bis Spätsommer. Die Eier werden meist in Gruppen (Eipakete) von rund 28 Eiern an die Blattunterseiten abgelegt. Ein Weibchen kann dabei zwischen zwei und fünfzehn solcher Eipakete produzieren. In warmen Sommern sind auch zwei Generationen pro Jahr möglich.

Marmorierte Baumwanzen ernähren sich von sehr vielen verschiedenen Pflanzenarten (über 170). Sie können sich über weite Strecken ausbreiten (maximal gemessen wurden 117 Kilometer) und bewegen sich häufig zwischen Wirtspflanzen (Wild- und Kulturpflanzen). Für die Eiablage werden oft Kulturen mit langer Fruchtpräsenz gewählt, da diese für eine vollständige Entwicklung der Tiere wichtig sind. 

Erwachsene Wanzen sind 12 bis 17 Millimeter lang, bräunlich gefärbt und auf dem Rücken haben sie fünf orangegelbe Schwielen in einer Linie. Der durchsichtige Teil der Flügel hat Längsstreifen und ihre Unterseite ist weisslich. Das unterscheidet sie von der ähnlich aussehenden grauen Gartenwanze, die auf der Unterseite Punkte hat.

Im Obstbau verursacht die marmorierte Baumwanze Schäden unter anderem an Apfel, Birne, Kiwi, Beeren und Pfirsich. Durch das Saugen an den Früchten entstehen Deformationen, Verfärbungen und Verkorkungen.

Regulierung

Das Einnetzen der Kulturen kann Schäden durch die marmorierte Baumwanze reduzieren. Da die Art jedoch ab April bis September auftritt, ist das rechtzeitige Schliessen der Netze wegen der Blüte und späte Schneefälle eine Herausforderung. Zudem sind die Wanzen geschickt darin, auch kleinste Öffnungen und Löcher in den Netzen zu finden.

Zu den wichtigsten Gegenspielern der marmorierten Baumwanze zählen die Samurai-Wespe Trissolcus japonicus und Trissolcus mitsukurii. Beide Wespenarten parasitieren die Eigelege der marmorierten Baumwanze und können ihre Populationen in ihren Ursprungsländern regulieren. In Europa wurden sie seit 2016 bzw. 2017 nachgewiesen. Mit der Samurai Wespe wurden in Norditalien und in der Schweiz gezielte Freisetzungen durchgeführt. Ein ausreichendes Angebot an Nektarpflanzen (blühenden Pflanzen) kann die Lebensdauer der Parasitoide erhöhen. Besonders Buchweizen konnte in Versuchen einen positiven Effekt auf die Eiparasitierung zeigen. 

Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes L)

Die rotbeinige Baumwanze bildet nur eine Generation pro Jahr und überwintert im Jugendstadium am Baum (in der Rinde des Stammes oder der Äste). Die erwachsenen Wanzen erscheinen im Spätsommer und legen im Herbst ihre Eier. 

Sie ernähren sich von einer Vielzahl von Laubbäumen wie Eiche, Erle, Hasel, Birne, Kirsche, Pflaume und Aprikose. Die Tiere saugen an Knospen, Blüten und sich entwickelnden Früchten. Besonders an Birnen können erhebliche Schäden entstehen, vor allem wenn das Saugen kurz nach der Blüte passiert. 

Adulte Tiere sind in der Lage, über grosse Entfernungen hinweg zu fliegen und sich zu verbreiten. Ob sie dabei bevorzugt jene Wirtsbaumarten aufzusuchen, auf denen sie sich zur Paarung und Eiablage entwickelt haben, ist bislang nicht bekannt.

Erwachsene rotbeinige Baumwanzen haben eine Körperlänge von 12 bis 15 Millimeter und sind braun bis dunkelbraun oder bronzefarben gefärbt. Die Beine und das erste Segment der Fühler sind orange bis rotbraun. Die weisslichen Eier werden wie bei der marmorierten Baumwanze in Eigelegen (meist 14 Eier) an die Blätter geklebt. 

Regulierung

Das Einnetzen der Kulturen ist bei der rotbeinigen Baumwanze nicht wirksam, da sie bereits auf den Bäumen überwintern. Wichtige natürliche Gegenspieler sind parasitoide Wespen, insbesondere Trissolcus cultratus, die ihre Population deutlich reduzieren können. Zusätzlich parasitiert die Raupenfliege Phasia hemiptera adulte Tiere. Diese Parasitoide sind als Adulte auf Pollen und Nektar angewiesen. Deshalb sind Blühstreifen voraussichtlich eine gute Methode natürliche Gegenspieler der rotbeinigen Baumwanze zu fördern.

Nebenschädlinge

  • Grüne Stinkwanze (Palomena prasina L; Pentatomidae)
  • Nordische, nördliche, grüne Apfelwanze (Lygocoris rugicollis FALLEN; Miridae)
  • Grüne Futterwanze (Lygocoris pabulinus L; Miridae)
  • Gepunktete Nesselwanze (Liocoris tripustulatus FABRICIUS; Miridae)
  • Lederwanze, große Randwanze oder Saumwanze (Coreus marginatus L; Coreidae)
  • Beerenwanze (Dolycoris baccarum L; Pentatomidae)

Fabian Cahenzli und Claudia Daniel, FiBL
Überarbeitet von Lara Reinbacher und Fabian Baumgartner, FiBL

Weitere Informationen

Informationsseite von Agroscope (Webseite von Agroscope)
Informationsseite von CABI (Invasive Species Compendium, CABI-Webseite, englisch)
Monitoring (Agrometeo, Webseite von Agroscope)
Krankheiten und Schädlinge (Rubrik Obstbau)

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