Videoserie: Wie Landwirt*innen in Niedersachsen dem Klimawandel begegnen
Extreme Wetterereignisse, steigende Kosten und wachsende Unsicherheiten setzen landwirtschaftliche Betriebe in ganz Europa unter Druck. Eine neue Videoserie von FiBL und Bioland, entstanden im Rahmen des EU-Projekts Climate Farm Demo, zeigt, wie Biolandwirt*innen in Niedersachsen mit praxisnahen Lösungen darauf reagieren.
In acht Betriebsporträts und einem Überblicksvideo wird deutlich: Den einen Weg zur Klimaresilienz gibt es nicht. Vielmehr kombinieren die Betriebe innovative Technologien mit bewährten Praktiken, die sie an ihre jeweiligen Standortbedingungen anpassen.
Robuste Rinder und Solarroboter
Auf Hof Penk etwa sorgen Kleegrasflächen, die von mobilen Hühnerställen beweidet werden, für den Aufbau von Humus im Boden. Ein «Cut-and-Carry» -Verfahren verbessert zudem die Wasserspeicherung im Gemüsebau. Auf dem Baumgartenhof beweiden robuste Rassen wie Highland- und Galloway-Rinder Feuchtwiesen und tragen so zur Kohlenstoffspeicherung bei.
Andere Betriebe setzen auf angepasste Ackerbausysteme. In einem Trinkwasserschutzgebiet begegnet Landwirt Moritz Reimer der zunehmenden Frühjahrstrockenheit mit trockenheitstoleranten Kulturen, reduzierter Bodenbearbeitung und vielfältigen Zwischenfrüchten. Landwirt Holger Meyer-Borcherding experimentiert mit Kulturen, die besser mit trockenen Bedingungen zurechtkommen wie Soja, Sonnenblumen und Raps mit Untersaaten.
Auch technische Innovationen spielen eine Rolle. Auf dem Biohof Eilte reduziert ein solarbetriebener Sä- und Hackroboter den Dieselverbrauch und die Emissionen, ergänzt durch erneuerbare Energien auf dem Betrieb.
Zielkonflikte und langfristige Ansätze
Gleichzeitig sprechen die Landwirt*innen offen über Zielkonflikte – etwa die Rolle der Rinderhaltung, die häufig kritisch gesehen wird, aber zentral für die Nutzung von Grünland zur Lebensmittelproduktion ist. Die Serie beleuchtet zudem langfristige Ansätze wie agroforstähnliche Systeme im Weinbau oder die Zucht standortangepasster Tiere.
Alle Videos sind auf Deutsch gesprochen und verfügen über Untertitel in diversen Sprachen. Ein Überblicksvideo (Deutsch und Englisch) fasst die Vielfalt der Lösungen zusammen.
Überblicksvideo: Wie Biohöfe in Niedersachsen dem Klimawandel begegnen
Das Überblicksvideo bündelt die Klimastrategien der vorgestellten Biohöfe. Die Ansätze reichen von neuen Kulturen über solargetriebene Agrarroboter bis hin zu standortangepasster Tierzucht. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Bodenmanagement – insbesondere auf Humusaufbau und Kleegras als Kohlenstoffspeicher. Auch Zielkonflikte, etwa zwischen Methanemissionen und der Nutzung von Dauergrünland, werden aufgegriffen.
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Klimaschutz auf dem Biohof Eilte – Lösungen und Zielkonflikte
Martin Becker zeigt, wie moderne Technik Emissionen senken kann: Ein solargetriebener FarmDroid-Roboter spart Diesel und CO₂ bei der Feldarbeit. Zusätzlich nutzt der Betrieb Photovoltaik und plant eine Biogasanlage. Becker spricht auch Zielkonflikte an: Kühe gelten oft als Klimabelastung, sind aber zentral für die Nutzung von Grünland in der menschlichen Ernährung.
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Neue Kulturen im Norden – Hof Meyer-Borcherding
Holger Meyer-Borcherding passt seinen Ackerbau an den Klimawandel an und testet Kulturen, die in dieser Region bisher kaum angebaut werden: Raps mit speziellen Untersaaten sowie Soja und Sonnenblumen. Diese kommen besser mit trockenen Frühjahren zurecht.
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Landschaft gestalten und robuste Kühe züchten – das Ö-Kuh-System auf Hof Luna
Wilhelm Bertram präsentiert sein «Ö-Kuh-System». Im Mittelpunkt steht die Zucht robuster Angler-Kühe, die an die regionale Landschaft angepasst sind. Durch die Pflanzung von 60 Heckenarten entstand Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und zusätzliche Futterquellen für die Tiere.
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Klimaangepasste Fruchtfolgen im Wasserschutzgebiet
Moritz Reimer bewirtschaftet 400 Hektar im Trinkwasserschutzgebiet und begegnet zunehmender Frühjahrstrockenheit mit angepassten Fruchtfolgen. Er setzt auf Kulturen mit geringem Wasserbedarf wie Roggen, Winterhafer oder Soja, verzichtet weitgehend auf den Pflug und nutzt vielfältige Zwischenfruchtmischungen zur Erhaltung der Bodenfeuchte.
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Zwischenfrüchte, Untersaaten und Gründüngung – Marienhof Esperde
Helmut Sobottka nutzt leguminosenreiche Zwischenfrüchte und Untersaaten, um Nährstoffe für Folgefrüchte zu binden. Sabine Zeller setzt im Gemüsebau auf Kleegras-Silage als Mulch («Cut-and-Carry»). Das verbessert die Bodenfeuchte und aktiviert das Bodenleben.
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Weinbau im Norden – Klimaanpassung auf dem Thudts-Hof
Steffen Thudt und Hendrik Klingsöhr reagieren auf den Klimawandel mit dem Anbau von Weinreben. Sie setzen auf frostharte PIWI-Sorten wie «Solaris» und kombinieren diese in einem «Vitiforst»-System mit rund 400 Obstbäumen, die Schatten spenden und Nützlinge fördern.
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Klimafreundliche Fleischproduktion auf dem Baumgartenhof
Bodo Bertsch zeigt, wie extensive Tierhaltung zum Klimaschutz beiträgt. Robuste Highland- und Galloway-Rinder beweiden Feuchtwiesen und fördern so die Kohlenstoffspeicherung im Dauergrünland. Da die Tiere ausschließlich hofeigenes Futter fressen, entfallen Sojaimporte und intensiver Maisanbau.
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Mehr als Klimaschutz – Nachhaltigkeit auf dem Hof Penk
Jörge Penk und Katja Töpfer stellen ihr klimafreundliches System vor: Zweijähriges Kleegras, das von Hühnern in Mobilställen beweidet wird, erhöht den Humusgehalt im Boden. Mit dem «Cut-and-Carry» -Verfahren wird Kleegras-Mulch im Gemüsebau eingesetzt – das spart Wasser und verbessert die Nährstoffversorgung.
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Weiterführende Informationen
Climate Farm Demo ist ein europaweites Netzwerk, das klimafreundliche Praktiken in der Landwirtschaft durch Beratung, Monitoring, Wissensaustausch, Demonstrationsveranstaltungen und sogenannte «Living Labs» in ganz Europa fördert. Das Projekt wird vom Französischen Institut für Tierhaltung (IDELE) koordiniert und läuft bis 2029. Die Schweizer Beteiligung wird durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanziert. Weitere Informationen sind auf der Website verfügbar.
Climate Farm Demo (Website)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.04.2026
