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Weideparasiten über das Weidemanagement kontrollieren

Projekt

Parasitische Würmer können die Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Kleinwiederkäuern stark beeinträchtigen. Eine gute Kontrolle ist daher unverzichtbar. Aufgrund von verbreiteten Resistenzen der Parasiten gegen die verfügbaren Wurmmittel müssen Alternativen her. Ein Werkzeug, das vielen Tierhaltern zur Verfügung steht, ist das Weidemanagement.

Wer mit Schafen, Ziegen, Neuweltkameliden oder Hirschen zu tun hat, kennt die Herausforderungen im Zusammenhang mit Wurminfektionen. Diese verlaufen häufig ohne sichtbare Erkrankung der Tiere. Diese sogenannten subklinischen Infektionen beeinträchtigen dennoch die Leistung der Tiere und zeigt sich in Form einer reduzierten Milchmenge oder geringerer Tageszunahmen. In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu sichtbaren Erkrankungen mit Todesfolge kommen. 

Um diese negativen Auswirkungen zu vermeiden, müssen Würmer kontrolliert werden. Ein Standbein hierzu sind Entwurmungsmittel. Aufgrund von Resistenzen sind viele der zugelassenen Mittel nur noch begrenzt wirksam, und die Auswahl für die einzelnen Betriebe hat sich stark eingeschränkt. Daher ist es wichtig, sich verstärkt auf andere Kontrollmöglichkeiten zu stützen. Durch das richtige Weidemanagement kann in dieser Beziehung viel erreicht werden. 

Um die Abläufe auf der Weide im Zusammenhang mit Würmern besser zu verstehen, lohnt es sich, die Lebensweise der Würmer noch einmal in Erinnerung zu rufen: Eine Infektion für die relevantesten Wurmarten findet durch die Aufnahme infektiöser Larven mit dem Futter statt. Diese Larven benötigen nach der Aufnahme mindestens drei Wochen, bis sie selbst wieder Eier produzieren, welche dann mit dem Kot auf die Weide gelangen. Aus den Eiern entwickeln sich infektiöse Larven, die wiederum über das Futter aufgenommen werden, wodurch der Kreislauf geschlossen wird.

Hohe Wurmbelastung der Weide während acht Wochen nach bestossen

In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Weidesituation nachgestellt. Dazu wurden 25 kleine Versuchsparzellen (jeweils ca. 0.25 m2) mit ca. 200 Gramm natürlichem und eihaltigem Kot von Schafen in deren Zentrum versehen. Nach der Platzierung des Kots wurde das Gras der Parzellen wöchentlich über zehn Wochen hinweg geerntet und die Anzahl der Larven auf dem Futter bestimmt. Abbildung 1 zeigt, dass im Jahr 2022 nach sieben Tagen noch keine Larven gefunden wurden. Ab dem 14. Tag wurden jedoch grosse Mengen an Larven gefunden, die erst nach acht Wochen wieder auf ein niedriges Niveau zurückgingen. Im Gegensatz dazu wurden im Jahr 2023 nur wenige Larven gefunden. Der Frühsommer 2023 war eine sehr trockene Periode mit deutlich unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen (minus 64 Millimeter im Vergleich zu 2022). Vermutlich führte der fehlende Niederschlag in Verbindung mit Hitze im Jahr 2023 zu einer starken Beeinträchtigung der Larvenentwicklung. Ähnliche Effekte einer Trockenheit wurde auch in einer vor 20 Jahren in den Niederlanden durchgeführten Studie gefunden. 

Innerhalb des Projektes wurde auch eine Online-Umfrage zum Weidemanagement auf landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Von den 84 auswertbaren Antworten waren neben 55 Betrieben mit Schwerpunkt Rinderhaltung 16 reine Kleinwiederkäuerbetriebe und 13 Betriebe, die sowohl Rinder als auch Kleinwiederkäuer hielten. Die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter mit Weidesystem Umtriebsweide und Portionenweide gaben an, im Mittel 30 Tage Weideruhe einzuhalten. Dies würde in Bezug auf unsere Ergebnisse bedeuten, dass die Tiere typischerweise zwischen Woche vier und fünf (Abbildung 1) auf die belasteten Weiden zurückkehren. Da zu diesem Zeitpunkt noch erhebliche Larvenmengen von der vorherigen Beweidung vorhanden sind, kann dies schnell zu Problemen führen. Das Beispiel zeigt, dass eine Umtriebsweide bezüglich Wurmkontrolle nicht unbedingt besser als eine intensive Standweide ist, wenn am Ende zu ungünstigen Zeiten auf die Flächen zurückgekehrt wird.

Hohem Infektionsdruck ausweichen

Um die Phasen mit dem höchsten Infektionsdruck zu umgehen, sollte deshalb versucht werden, die Weideruhe auf möglichst acht bis zehn Wochen zu verlängern. Erreicht werden kann dies durch zwischenzeitliche Futterkonservierung oder Beweidung mit anderen, weniger empfänglichen Nutztieren. Im Beispiel von Kleinwiederkäuern wären Pferde und Rinder geeignete Partner für eine abwechselnde Beweidung. Allerdings ist dies nicht immer möglich, sei es durch den Mangel an anderen Nutztieren, durch ungünstige Wetterbedingungen oder stotzige Flächen. Wir sind daher der Frage nachgegangen, in welcher Höhe sich die Wurmlarven auf dem Weidefutter befinden. Anhand von Literaturdaten könnte der Schluss gezogen werden, dass die Larven sich eher bodennah auf dem Gras befinden. Allerdings sind die zur Verfügung stehenden Daten hier nicht eindeutig. Würde dies stimmen, könnte eine grössere Restweidehöhe die Aufnahme zu vieler Larven verhindern. Um dies zu prüfen, haben wir im genannten Versuch nicht nur die Gesamtlarvenmenge je Fläche bestimmt, sondern das Gras zusätzlich in verschiedenen Schichten von 5 bis 8 Zentimeter, 8 bis 14 Zentimeter und über 14 Zentimeter geerntet (gemessen mit der Doppelmetermethode) und die Larvenanzahl je Höhenabschnitt separat ermittelt. 

Im Jahr 2022 fand sich der anzahlmässig höchste Anteil der Larven in der Höhe von 5 bis 8 Zentimeter (Tabelle 1). Deutlich weniger Larven wurden in den zwei Schichten darüber gefunden. Im Jahr 2023 war diese Beobachtung kaum ausgeprägt. Es war aufgrund der für die Larven widrigen Bedingungen nur ein Bruchteil der Larvenanzahl von 2022 zu finden. Obwohl wir über beide Versuchsjahre hinweg gesamthaft keine statistisch gesicherten Unterschiede in der Larvenzahl zwischen den Schichten feststellen konnten, war dies für einzelne Wochen belegbar (Woche fünf und sieben im Jahr 2022). Dies lässt den vorsichtigen Schluss zu, dass die Larven tatsächlich eher tief im Bestand sitzen. 

Was bedeuten diese Ergebnisse für das Weidemanagement?

Bei sehr trockenen Bedingungen scheint die Entwicklung der Würmer auf der Weide stark beeinträchtigt. Im Jahr 2023 wurden über die gesamte Versuchsdauer nur wenige Larven gefunden, zudem dauerte es vier Wochen, bis sich konstant Larven gezeigt haben. Im Jahr 2022 konnten nach 14 Tagen Larven gefunden werden. Diese haben sich irgendwann zwischen Tag 7 und Tag 14 nach Kotablage (oder im übertragenen Sinn nach Beweidungsstart) entwickelt. Werden die Ergebnisse anderer Studien mit einbezogen, kann gesagt werden, dass bei erfolgten Niederschlägen und warmem Wetter (Sommer) eine intensiv beweidete Fläche nicht länger als sieben Tage bestossen werden sollte, um Neuinfektionen über den ausgeschiedenen Kot zu vermeiden. Bei Trockenheit oder für die Entwicklung der Larven suboptimalen Temperaturen (Frühjahr und Herbst) können die Tiere länger auf der jeweiligen Weide bleiben (zirka 14 Tage). 

Sollen starke Infektionen vermieden werden, ist eine Rückkehr der Tiere vor acht Wochen nicht zu empfehlen. Ist dies nicht zu vermeiden, kann möglicherweise eine grössere Restweidehöhe, das heisst ein weniger tiefes Abweiden die Larvenaufnahme vermindern. 

Steffen Werne, FiBL und Franziska Akert, Fachhochschule Bern

Dieser Artikel ist im Kleinwiederkäuer Forum Nr. 9 / 2024 erschienen.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.03.2026

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