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Holunderanbau in der Schweiz: Entwicklung, Forschung und Praxiseinblicke

Der Anbau von Holunder ist in Mitteleuropa recht weit verbreitet. In der Schweiz wurde er ab den 2000er Jahren unter anderem von der Firma Ricola gefördert, die die Blüten für die Herstellung ihrer Bonbons verwendet. Ziel war es, eine biologische Produktion von Schweizer Holunderblüten aufzubauen. Der Holunderanbau in der Schweiz umfasst jedoch nicht nur die Produktion von Blüten, sondern auch von Früchten.

Anbauflächen wachsen - besonders im Biobereich

Die gesamte Holunderproduktion (Blüten und Früchte, Bio und ÖLN) betrug im Jahr 2024 rund 41 Hektar. Die wichtigsten Produktionskantone sind St. Gallen (18 Hektar), Bern (8 Hektar) und Thurgau (5 Hektar).

Die biologisch bewirtschaftete Fläche belief sich 2024 auf rund 14,5 Hektar. Das entspricht etwa 35 Prozent der gesamten Holunderanbaufläche. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurde biologisch angebauter Holunder lediglich auf etwa einem Hektar angebaut. In den letzten Jahren haben sich diese Flächen sogar mehr als verdoppelt, da sie 2021 noch etwa 6 Hektar betrugen.

Forschung in der Praxis

Seit 2014 führt das FiBL in Zusammenarbeit mit Ricola Versuche auf der Parzelle von Franziska Schärer, Holunderbäuerin in Melchnau im Kanton Bern, durch. Zuvor hatten bereits Versuche auf anderen Betrieben stattgefunden. Ziel der Versuche ist es, Fragen und Schwierigkeiten beim Holunderanbau zu beantworten, um die Ernte zu sichern und die Erträge zu steigern. Ricola strebt einen Ertrag von 5,6 Kilogramm getrockneten Blüten pro Pflanze an.

Franziska Schärer pflanzte ihre erste Holunderparzelle im Jahr 2013. Seither hat sie die Fläche kontinuierlich erweitert; heute umfasst sie 1,1 Hektar. Die Ergebnisse der laufenden Versuche werden jährlich gemeinsam vom FiBL, Thomas Aeschlimann (Ricola AG) und Franziska Schärer besprochen und ausgewertet. Auf dieser Grundlage werden konkrete Massnahmen definiert und neue Versuchsschwerpunkte festgelegt.

Konkrete Ergebnisse für die Praxis

Die bisherigen Versuche befassten sich mit Bodenmanagement, Pflanzenschutz, Gründüngung und Bodenfruchtbarkeit. Daraus gingen verschiedene praxisrelevante Erkenntnisse hervor, die heute im Holunderanbau angewendet werden.

So führten die Versuche unter anderem zu Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln, wie das Paraffinöl gegen Holunderblattläuse und Schwefel gegen Holundergallmilben. Ausserdem entstand im Rahmen dieser Versuche das Dokument über die Phänologie des Holunders. Dieses ermöglicht eine gezieltere Umsetzung der Anbaumassnahmen.

Das Wort an Franziska Schärer

Franziska, bitte stelle kurz deinen Betrieb vor und beschreibe, welches die grössten Herausforderungen im Anbau sind?

Was die Arbeit und das Einkommen angeht, macht heute der Holunder zirka 10 Prozent meines Betriebs aus. Die Kultur muss gut in den Ablauf des Betriebs passen, deshalb habe ich klein angefangen, bevor ich die Fläche erweitert habe. Die Grösste Herausforderung ist die Schädlingsbekämpfung (Mäuse und Läuse); man muss da die ganze Saison und im Frühling regelmässig Zeit investieren. Auch in Material muss investiert werden, denn ein Mäusezaun ist fast ein Muss beim Holunder. Ansonsten stellt die Ernte der grösste Aufwand dar. Die Erntezeit beträgt ab Anfang Juni zirka fünf Wochen. Bei uns passt dies gut in den Ablauf, da es direkt nach dem ersten- und vor dem zweiten Futterschnitt kommt.

Wie kannst du den Holunder absetzen und welche Qualitäten sind dafür erforderlich?

Bevor man mit Holunder anfängt, ist es ganz wichtig bei einem potenziellen Abnehmer zu klären, ob ein Bedarf vorhanden ist. Das kann von Jahr zu Jahr ändern. Wenn eine Nachfrage besteht und eine Zusammenarbeit entsteht, zum Beispiel wie in meinem Fall bei Ricola, werden die neuen Produzenten sehr gut begleitet. Wichtig ist es auch zu wissen, wie man die Blüten trocknen will. Es gibt verschiedene Methoden. Wenn man eine eigene Trocknungsanlage hat, kann man es selbst machen, allerdings sind die Anforderungen von Ricola streng. Daher ist es für mich einfacher, die Blüten bei Ricola trocknen zu lassen, da sie eine sehr gute Anlage und gute Kenntnisse haben.

Was macht dir vor allem Freude am Holunderanbau und was möchtest du potenziell neuen Anbauern mit auf den Weg geben?

Holunder ist eine wunderschöne Kultur: die Blüte ist schön, sie riecht gut, und die Ernte ist immer ein sehr schöner Moment. Was stressig sein kann ist, wenn es während der Ernte viel regnet. Die Blüten müssen bei der Ernte trocken sein, sonst werden sie schnell braun. Aber sonst ist die Ernte einfach (man erntet von Hand, arbeitet ohne Leiter und die Ware ist leicht), und viele Leute kommen jedes Jahr um mitzuhelfen (Nachbarn, Pensionierte, Freunde). Es macht jedes Jahr grosse Freude.

Interview: Jean-Charles Mouchet, FiBL

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.04.2026

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