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Fütterung im Schafbetrieb beurteilen und gezielt kontrollieren

Ob eine Fütterung funktioniert, zeigt sich im Zusammenspiel von Futterqualität, Nährstoffbedarf und Tierbeobachtung. Mit einer systematischen Futterbeurteilung, konkreten Rechenbeispielen und klaren Kontrollgrössen wie Wiederkäuen, Kotbeschaffenheit und Körperkondition lässt sich die Versorgung im Betrieb gezielt überprüfen.

Futter beurteilen

Die Gehalte des Futters können entweder durch eine Futteranalyse im Labor bestimmt oder direkt im Betrieb eingeschätzt werden. Hilfsmittel dafür sind unter anderem «der Wirz-Kalender» oder AGFF-Merkblätter.

Die Futterqualität wird durch mehrere Faktoren bestimmt. Dazu gehören die botanische Zusammensetzung, das Wachstumsstadium der Pflanzen sowie die Art der Konservierung. 

Die Beurteilung des Grundfutters beginnt mit der botanischen Zusammensetzung. Unterschieden wird zwischen gräserreichen, leguminosenreichen, kräuterreichen oder ausgewogenen Beständen. 

Entscheidend für den Energiegehalt ist jedoch weniger die botanische Zusammensetzung als vielmehr das Entwicklungsstadium der Pflanzen zum Schnittzeitpunkt. Dieses wird anhand sichtbarer Merkmale eingeordnet:

  • Stadium 2 bis 3: keine oder kaum sichtbare Rispen 
  • Stadium 4: Rispen geschoben 
  • Stadium 5: beginnende Blüte 
  • Stadium 6 bis 7: Blüte oder Samenbildung 

Rechenbeispiel aus der Praxis

Für Heu aus dem ersten Aufwuchs im dritten Entwicklungsstadium kann mit rund 5,8 MJ NEL pro Kilogramm Trockensubstanz gerechnet werden. 

Frisst eine laktierende Aue etwa 2,5 Kilogramm Trockensubstanz, ergibt sich 14,5 MJ NEL pro Tag. Dieser Wert liegt unter dem Bedarf leistungsstarker Tiere.

Erklärung der Einheiten:
MJ NEL = Megajoule Nettoenergie Laktation (Energieeinheit)

Fütterungskontrolle: das Tier als zentrales Instrument

Die Überwachung der Fütterung erfolgt im Alltag über mehrere Beobachtungsgrössen, die zusammen beurteilt werden sollten.

Ein zentraler Parameter ist das Wiederkäuen. Schafe wiederkäuen pro Bissen etwa 60-mal und verbringen insgesamt rund sechs bis acht Stunden pro Tag damit. Das Wiederkäuen liefert direkte Informationen über die Strukturwirkung des Futters. 

Auch die Kotbeschaffenheit ist ein wichtiger Indikator und gibt Hinweise auf die Futterstruktur und damit auf die Funktion der Verdauung.

Darüber hinaus liefern weitere Beobachtungen wichtige Informationen wie die Häufigkeit von Krankheiten, der allgemeine Gesundheitszustand und die Vitalität der Tiere 

Ergänzend liefern Leistungsdaten wertvolle Hinweise auf die Fütterung:

  • Das Geburtsgewicht der Lämmer liefert Informationen über den Nährzustand der Aue während der Trächtigkeit.
  • Das Absetzgewicht der Lämmer gibt Hinweise auf die Milchleistung und den Nährzustand der Aue.

Diese Parameter ermöglichen eine praxisnahe Einschätzung der Fütterung.

Körperkondition (BCS): Fettreserven und Veränderungen beurteilen

Ein zentrales Instrument ist der Body Condition Score (BCS). Er dient zur Beurteilung der Körperfettreserven und des Körperfettabbaus. Milchschafrassen sollten im Durchschnitt zwischen 2 und 3 liegen, Fleischschafe bei einem BCS von 3.

Die Beurteilung erfolgt über die Wirbelsäule, insbesondere über die Dorn- und Querfortsätze. Je nach Bewollung werden diese sichtbar oder müssen ertastet werden.

Entscheidend ist die Entwicklung:

  • Ein Abfall von BCS 3 auf 2 oder tiefer ist das ein deutliches Warnsignal. 
  • Bei einem Anstieg auf BCS 4 oder 5 wird das Schaf zu fett. 

Beides ist problematisch:

  • Eine starke Abnahme in kurzer Zeit bedeutet, dass bereits viel Körperfett eingeschmolzen wurde. Dies ist ein deutliches Warnsignal, dass eine Ketose bevorstehen könnte. 
  • Eine starke Zunahme bedeutet ein erhöhtes Risiko für eine Ketose in der kommenden Hochträchtigkeit. 

Grundsätzlich gilt: Die Körperkondition sollte möglichst stabil bleiben. Kleinere Schwankungen sind natürlich, aber Schwankungen von einer ganzen BCS-Stufe oder mehr gelten als kritisch.

Mit etwas Übung wird die Beurteilung der Körperkondition zur Routine. Bereits der Blick über die Herde ermöglicht oft eine erste Einschätzung, ohne jedes Tier einzeln zu beurteilen.

Fütterungsmanagement: Rhythmus und Ruhephasen beachten

Neben Futterqualität und Tierbeobachtung ist das Management entscheidend für die Futterverwertung.

Für Schafe und ihre Mikroorganismen ist es optimal, wenn sie morgens und abends das gleiche Futter erhalten. Besonders in der Winterfütterung ist dies relevant.

Zwischen den Fütterungen, insbesondere am frühen Nachmittag, benötigen die Tiere Ruhe zum Wiederkäuen. Zusätzliche Futtergaben zur Mittagszeit stören diesen Rhythmus und verschlechtern die Futterverwertung.

Empfohlen wird daher:

  • morgens und abends ausreichend füttern
  • dazwischen Ruhephasen einhalten

Weitere zentrale Punkte

  • keine abrupten Futterwechsel, damit sich die Mikroorganismen anpassen können 
  • Futterreste zulassen, da selektives Fressen normal ist 
  • genügend Fressplätze, damit auch rangniedere Tiere ungestört fressen können 

Die Inhalte dieses Artikels basieren auf einem FiBL-Webinar zur Schafhaltung vom 28. Januar 2026. Die Aufzeichnung ist auf YouTube verfügbar und wurde für diesen Beitrag redaktionell aufbereitet.

Zum Film (YouTube)

FiBL Raufutteranalysen

Das FiBL Schweiz bietet Raufutteranalysen im eigenen Labor an. Die Proben werden mittels Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS) untersucht. Dabei werden die wichtigsten Inhaltsstoffe wie Rohprotein und Energiegehalt bestimmt.

Für Wiederkäuer werden die Ergebnisse in nutzbares Protein sowie Nettoenergie umgerechnet.

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