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Praktische Massnahmen zum Schutz vor Birnen­schorf

Der Birnenschorf, verursacht durch den Pilz Venturia pyrina, ist eine der bedeutendsten Krankheiten im Birnenanbau. Besonders anfällige Sorten wie zum Beispiel Kaiser Alexander zeigten in bestimmten Jahren mit zahlreichen Regenperioden im Frühjahr und Sommer starken Befall. Eine solche Infektionslage führt zu einem erhöhten Schorfdruck im Folgejahr und erschwert die Sanierung betroffener Parzellen. Da Konidien, die asexuellen Sporen des Erregers, im Gegensatz zum Apfelschorf nicht nur auf den Blättern, sondern auch in Holzläsionen überwintern und bereits früh in der Saison freigesetzt werden, sind sowohl indirekte als auch direkte Pflanzenschutzmassnahmen besonders wichtig.

Krankheitszyklus

Der Krankheitszyklus ähnelt dem des Apfelschorfes mit dem Unterschied, dass die Überwinterung des Birnenschorfs auch auf Trieben von infizierten Zweigen stattfindet. An diesen Stellen bilden sich dann Konidien, die bei regnerischem Wetter ausgespült werden und so weitere Infektionen auslösen können. Ein zweiter Überwinterungsweg findet auf den Blättern wie beim Apfelschorf statt, wobei dann im Frühjahr Ascosporen ausgeschleudert und Primärinfektionen ausgelöst werden. Aus den Infektionsstellen auf Blättern, Früchten und Trieben werden dann wiederum Sporen ausgestossen, die Sekundärinfektionen verursachen.

  • Blattinfektionen können während der ganzen Vegetationsperiode stattfinden. Sowohl neue als auch alte Blätter sind betroffen. Erste Infektionen können im Frühjahr bereits bei minimal geöffneten Knospen erfolgen und es gibt keine Altersresistenz.
  • Fruchtinfektionen finden bis etwa im Juli statt, wobei eine sortenabhängige Altersresistenz besteht. Die Symptome treten häufig erst kurz vor der Ernte oder sogar erst im Verlaufe der Lagerung auf.
  • Triebinfektionen treten auf grünen Trieben bis etwa im Juni oder bis zum Abschluss des Triebwachstums auf. Diese Triebläsionen setzen auch im Folgejahr Konidien frei und können direkt zu Saisonbeginn neue Infektionen verursachen. Mit dem zunehmenden Dickenwachstum werden die Läsionen weniger infektiös, problematisch sind deswegen vor allem befallene einjährige Triebe.
  • Konidien werden in allen Läsionen gebildet (auf Blätter, Früchten und Trieben). Für die Freisetzung von Konidien genügen bereits kurze Feuchteperioden und sie ist im Gegensatz zu den Ascosporen auch nachts möglich. Zudem reifen die Konidien kontinuierlich nach und werden ab Saisonstart von den Läsionen freigesetzt.

Krankheitsmanagement und Pflanzenschutzmassnahmen

Direkte Massnahmen wirken unmittelbar gegen den Pilz auf den Pflanzenteilen:

Die aktuell zugelassenen Biopflanzenschutzmittel können gut wirken, wenn sie gezielt eingesetzt werden und kein oder nur minimaler Vorjahresbefall vorhanden ist. Kupfer spielt dabei eine entscheidende Rolle im Frühjahr vor der Blüte, da schwefelbasierte Produkte in dieser Zeit aufgrund der tiefen Temperaturen häufig in ihrer Wirkung eingeschränkt sind. Im späteren Verlauf der Saison kann Schwefel genutzt werden, allerdings ist bei einigen Sorten ein Risiko für Phytotox respektive Berostung auf den Früchten vorhanden, weswegen die Aufwandmenge bei diesen Sorten und insbesondere an sonnenreichen und heissen Tagen reduziert werden muss.

Für den gezielten Einsatz und die Optimierung der Pflanzenschutzmassnahmen kann einerseits auf das RIMpro-Birnenschorfmodell zurückgegriffen werden, welches das Infektionspotenzial von Konidiosporen aus Holzläsionen abbildet. Um das Infektionsrisiko durch Ascosporen in der Primärsaison abzuschätzen, kann das RIMpro Apfelschorfmodell genutzt werden. 

Indirekte Massnahmen wirken vorbeugend, indem der Infektionsdruck in der Anlage durch bestimmte Massnahmen gesenkt wird:

Vorbeugend spielen vor allem die Anlagehygiene durch die Förderung des Blattabbaus oder Entfernung des Schnittguts eine Rolle, denn so kann die Inokulummenge verringert werden. Versuche der letzten Jahre haben auch gezeigt, dass gezielte Schnittmassnahmen (Entfernung der befallenen einjährigen Triebe) und die Limitierung des Wachstums ein gutes Potenzial haben, den Infektionsdruck zu senken. 

Fabian Baumgartner und Miro Zehnder, FiBL

Weiteführende Informationen

RIMpro-Birnenschorfmodell (Rubrik Pflanzenschutz)
RIMpro Apfelschorfmodell (Rubrik Pflanzenschutz)
Merkblatt «Pflanzenschutz im Biokernobstanbau» (FiBL Shop)
Betriebsmittelliste (FiBL Shop)

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