Hofprodukte aus Hülsenfrüchten – Proteinquellen mit Potenzial
Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen oder Lupinen gehören zu den Körnerleguminosen und sind wertvolle, pflanzliche Proteinquellen. Sie liefern reichlich Eiweiss, Ballaststoffe und Mineralstoffe. Daneben können die Leguminosen als «Ökosystemdienstleister» punkten, da sie die Fähigkeit haben Stickstoff aus der Luft zu binden und so den Bedarf an organischen Hofdünger reduzieren.
Im konventionellen Markt findet sich eine Vielzahl innovativer pflanzlicher Produkte, die jedoch häufig einen hohen Verarbeitungsgrad aufweisen. Entsprechende Verarbeitungsverfahren – wie beispielsweise die sogenannte Nassextrusion zur Herstellung von Fleischanalogen – sind im Rahmen von Richtlinien wie jenen von Bio Suisse oder Demeter nicht zulässig.
Biologische Produktvielfalt
Gleichzeitig eröffnen sich jedoch auch für Biohofverarbeiter*innen Chancen, eigenständige und innovative Bioprodukte zu entwickeln, die den Anforderungen der biologischen Verarbeitungsrichtlinien entsprechen und gleichzeitig den wachsenden Markt für pflanzliche Alternativen bedienen.
Lupinen können für eine ganze Reihe von Produkten verwendet werden: hier Lupinensamen als Apero, Lupinen Tempeh und Lupinenmehl. Foto: FiBL, Andreas Basler
Klassische Artikel wie getrocknete Linsen, Erbsen oder Bohnen werden seit jeher vermarktet. In jüngerer Zeit erweitern innovative Hofprodukte das Angebot:
Hülsenfruchtmehle aus selbst angebauten Linsen oder Kichererbsen als regionale Zutat in Backwaren
Müsliflocken aus Soja oder Lupinen
Proteinbrot
Hummus, Dips oder Brotaufstriche aus Erbsen, Bohnen oder Lupinen
Proteinreiche Snacks und Riegel mit fein gemahlenen Körnerleguminosen
Fermentierte Spezialitäten zum Beispiel Tempeh aus Soja oder Lupinen, Tofu, Tamari
Pflanzliche Drinks zum Beispiel Sojadrinks
Öle aus Lupinen, Soja
Teigwaren, angereichert mit Lupinen oder Kichererbsen
Kaffee aus Lupinen
Kichererbsen Snacks, geröstet
Burger Patties
Solche Produkte können nicht nur bei der traditionellen Kundschaft punkten, sondern sprechen auch konsumfreudige Zielgruppen an, die pflanzliche Proteine stärker in der Ernährung integrieren wollen.
Herausforderungen in der kleinbäuerlichen Verarbeitung
Trotz dieser Chancen gibt es Hemmnisse: Der Anbau von Hülsenfrüchten ist mit agronomischen Unsicherheiten verbunden – Ertragsrisiken, Unkrautunterdrückung, unregelmässige Qualitäten und Schädlinge erschweren eine konstante Produktion. Die Reinigung, Trocknung und Lagerung getrockneter Körnerleguminosen erfordert Infrastruktur und Know‑how, das auf vielen Betrieben noch fehlt.
In der Vermarktung stehen Höfe zudem vor einem Wettbewerbsdruck durch importierte Hülsenfrüchte, die oft günstiger sind. Nur ein kleiner Teil der in der Schweiz konsumierten Hülsenfrüchte stammt von lokalen Feldern. Netzwerke wie der Verein Schweizer Hülsenfrüchte oder Protein Power Network setzen sich dafür ein, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Körnerleguminosen zu stärken und Rahmenbedingungen zu verbessern. Das Importvolumen von getrockneten Knospe Hülsenfrüchte betrug 2025 laut den BioSuisse Angaben für Knospe Importe:
Speisesoja 498 Tonnen
Linsen (alle Sorten) 950 Tonnen
Kichererbsen 404 Tonnen
Gelberbsen 11 Tonnen
Mungbohnen 142 Tonnen
Kidneybohnen 168 Tonnen
Kundenbedürfnisse und Markttrends
Marktbeobachtungen und Konsument*innenbefragungen zeigen: Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen und nachhaltigen Lebensmittelalternativen wächst – insbesondere in urbanen und bildungsstarken Gruppen. Viele Konsument*innen ernähren sich flexitarisch oder reduzieren bewusst tierische Produkte zugunsten pflanzlicher Alternativen. Das ist ein Trend, der sich auch im Biosegment widerspiegelt. Pflanzliche Alternativen wie Tofu, Tempeh oder Seitan sind weiter gefragt. Dies deutet darauf hin, dass Produkte aus Hülsenfrüchten, die Einfachheit, Geschmack und Nachhaltigkeit verbinden, gute Vermarktungschancen haben.
Verarbeitungswissen und Sammelstellen
Verarbeitungswissen ist in diesem Kontext entscheidend. Die Plattform Legume Hub Swiss bündelt das Know‑how zu Anbau, Sortenwahl und Verarbeitung und erleichtert damit den Zugang zu technischen Ressourcen für landwirtschaftliche Betriebe und Verarbeitungsbetriebe. Auf regionaler Ebene entstehen zunehmend Sammelstellen oder Kooperationen, über die Hülsenfrüchte zentral gesammelt, gereinigt und verarbeitet werden können – ein wichtiger Schritt, um grössere Mengen effizient zu vermarkten und gleichzeitig Hofverarbeiter*innen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Ivraina Brändle, FiBL
Weiterführende Informationen
Bio in Zahlen 2025, Knospe Importe, Produktkategorie Gemüse (Bio Suisse)
Plattform für Anbau und Verarbeitung von Körnerleguminosen (Legume Hub Swiss)
Protein Power Netzwerk (Strickhof)
FiBL-Projekte zu Körnerleguminosen
Förderung des Anbaus von Nischenkulturen in der Schweiz durch die Entwicklung innovativer pflanzlicher Produkte (LEGU4FOOD)
Förderung von Innovationen in der Biolebensmittelwertschöpfungskette (InnOFoodLabs)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.05.2026
