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Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern

Hofprodukte aus Hülsenfrüchten – Proteinquellen mit Potenzial

Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen oder Lupinen gehören zu den Körnerleguminosen und sind wertvolle, pflanzliche Proteinquellen. Sie liefern reichlich Eiweiss, Ballaststoffe und Mineralstoffe. Daneben können die Leguminosen als «Ökosystemdienstleister» punkten, da sie die Fähigkeit haben Stickstoff aus der Luft zu binden und so den Bedarf an organischen Hofdünger reduzieren.

Im konventionellen Markt findet sich eine Vielzahl innovativer pflanzlicher Produkte, die jedoch häufig einen hohen Verarbeitungsgrad aufweisen. Entsprechende Verarbeitungsverfahren – wie beispielsweise die sogenannte Nassextrusion zur Herstellung von Fleischanalogen – sind im Rahmen von Richtlinien wie jenen von Bio Suisse oder Demeter nicht zulässig. 

Biologische Produktvielfalt 

Gleichzeitig eröffnen sich jedoch auch für Biohofverarbeiter*innen Chancen, eigenständige und innovative Bioprodukte zu entwickeln, die den Anforderungen der biologischen Verarbeitungsrichtlinien entsprechen und gleichzeitig den wachsenden Markt für pflanzliche Alternativen bedienen.

Klassische Artikel wie getrocknete Linsen, Erbsen oder Bohnen werden seit jeher vermarktet. In jüngerer Zeit erweitern innovative Hofprodukte das Angebot:

  • Hülsenfruchtmehle aus selbst angebauten Linsen oder Kichererbsen als regionale Zutat in Backwaren 

  • Müsliflocken aus Soja oder Lupinen

  • Proteinbrot

  • Hummus, Dips oder Brotaufstriche aus Erbsen, Bohnen oder Lupinen 

  • Proteinreiche Snacks und Riegel mit fein gemahlenen Körnerleguminosen 

  • Fermentierte Spezialitäten zum Beispiel Tempeh aus Soja oder Lupinen, Tofu, Tamari

  • Pflanzliche Drinks zum Beispiel Sojadrinks

  • Öle aus Lupinen, Soja

  • Teigwaren, angereichert mit Lupinen oder Kichererbsen

  • Kaffee aus Lupinen

  • Kichererbsen Snacks, geröstet

  • Burger Patties

Solche Produkte können nicht nur bei der traditionellen Kundschaft punkten, sondern sprechen auch konsumfreudige Zielgruppen an, die pflanzliche Proteine stärker in der Ernährung integrieren wollen.

Herausforderungen in der kleinbäuerlichen Verarbeitung

Trotz dieser Chancen gibt es Hemmnisse: Der Anbau von Hülsenfrüchten ist mit agronomischen Unsicherheiten verbunden – Ertragsrisiken, Unkrautunterdrückung, unregelmässige Qualitäten und Schädlinge erschweren eine konstante Produktion. Die Reinigung, Trocknung und Lagerung getrockneter Körnerleguminosen erfordert Infrastruktur und Know‑how, das auf vielen Betrieben noch fehlt. 

In der Vermarktung stehen Höfe zudem vor einem Wettbewerbsdruck durch importierte Hülsenfrüchte, die oft günstiger sind. Nur ein kleiner Teil der in der Schweiz konsumierten Hülsenfrüchte stammt von lokalen Feldern. Netzwerke wie der Verein Schweizer Hülsenfrüchte oder Protein Power Network setzen sich dafür ein, Produktion, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Körnerleguminosen zu stärken und Rahmenbedingungen zu verbessern.  Das Importvolumen von getrockneten Knospe Hülsenfrüchte betrug 2025 laut den BioSuisse Angaben für Knospe Importe: 

  • Speisesoja 498 Tonnen

  • Linsen (alle Sorten) 950 Tonnen

  • Kichererbsen 404 Tonnen

  • Gelberbsen 11 Tonnen

  • Mungbohnen 142 Tonnen

  • Kidneybohnen 168 Tonnen

Kundenbedürfnisse und Markttrends

Marktbeobachtungen und Konsument*innenbefragungen zeigen: Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen und nachhaltigen Lebensmittelalternativen wächst – insbesondere in urbanen und bildungsstarken Gruppen. Viele Konsument*innen ernähren sich flexitarisch oder reduzieren bewusst tierische Produkte zugunsten pflanzlicher Alternativen. Das ist ein Trend, der sich auch im Biosegment widerspiegelt.  Pflanzliche  Alternativen wie Tofu, Tempeh oder Seitan sind weiter gefragt. Dies deutet darauf hin, dass Produkte aus Hülsenfrüchten, die Einfachheit, Geschmack und Nachhaltigkeit verbinden, gute Vermarktungschancen haben.

Verarbeitungswissen und Sammelstellen

Verarbeitungswissen ist in diesem Kontext entscheidend. Die Plattform Legume Hub Swiss bündelt das Know‑how zu Anbau, Sortenwahl und Verarbeitung und erleichtert damit den Zugang zu technischen Ressourcen für landwirtschaftliche Betriebe und Verarbeitungsbetriebe. Auf regionaler Ebene entstehen zunehmend Sammelstellen oder Kooperationen, über die Hülsenfrüchte zentral gesammelt, gereinigt und verarbeitet werden können – ein wichtiger Schritt, um grössere Mengen effizient zu vermarkten und gleichzeitig Hofverarbeiter*innen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. 

Ivraina Brändle, FiBL

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