Diese Website unterstützt Internet Explorer 11 nicht mehr. Bitte nutzen Sie zur besseren Ansicht und Bedienbarkeit einen aktuelleren Browser wie z.B. Firefox, Chrome
FiBL
Bio Suisse
Logo
Die Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern

Kakianbau in der Schweiz

Die Kaki (Diospyros kaki) ist eine wärmeliebende Obstart aus Ostasien, die seit dem 19. Jahrhundert in Europa angebaut wird. In der Schweiz hat sie vor allem im Tessin in Privatgärten eine lange Tradition. Dort prägen die leuchtend orangefarbenen Früchte im Spätherbst vielerorts das Landschaftsbild, während ein wirtschaftlich bedeutender Anbau bislang kaum besteht. Zurzeit befindet sich die grösste Kaki-Anbaufläche im Kanton Wallis (Flächenstatistik 2025).

Seit einigen Jahren wird der Kakianbau auch nördlich der Alpen getestet. Die Kultur bleibt jedoch bislang eine Nische. Der Anbau wird vor allem durch die lange Vegetationsperiode und die begrenzte Frosttoleranz des Holzes erschwert. In klimatisch begünstigten Lagen zeigt sich dennoch Potenzial. Mit steigenden Temperaturen und dem wachsenden Interesse an alternativen Obstarten könnte die Bedeutung der Kultur künftig zunehmen. Für Direktvermarktungsbetrieben bietet sie zudem eine Möglichkeit zur Diversifizierung.

Für den Grosshandel bleibt die Produktion jedoch anspruchsvoll, da kein Marktschutz besteht und Importware die heimische Produktion preislich stark unter Druck setzt.

Standortansprüche 

Mit einer geeigneten Sorte und Unterlagenwahl ist der Anbau von Kaki in geschützten Obstanlagen der Nordschweiz grundsätzlich möglich. Entscheidend sind klimatisch begünstigte Standorte mit ausreichend langer Vegetationsperiode. Dennoch bleibt ein gewisses Risiko bestehen: In Extremwintern mit Temperaturen unter minus 15 bis minus 18 Grad können auch robustere Sorten Frostschäden erleiden. 

Kakis stellen insgesamt geringe Ansprüche an den Boden und lassen sich auf unterschiedlichen Bodentypen kultivieren. Im Vergleich zu vielen anderen Obstarten tolerieren sie auch etwas schwerere Böden. Optimal sind jedoch tiefgründige, gut drainierte und fruchtbare Standorte mit einem leicht sauren pH-Wert im Bereich von etwa 6,0 bis 6,5.

Unterlagen und Veredelung

Da Sämlinge keine sortenechten Eigenschaften aufweisen, werden Kakis veredelt. Als Unterlage dienen vor allem Amerikanische Persimone (Diospyros virginiana) und die Lotuspflaume (Diospyros lotus). Letztere sorgt in der Regel für ein ausgeglicheneres Wuchsverhalten. Eine Veredelungshöhe von 70 bis 100 Zentimeter kann die Winterhärte zusätzlich verbessern. 

Blüte, Befruchtung und Fruchtbildung

Dank des späten Blühzeitpunkts sind die Blüten meist nur wenig spätfrostgefährdet. Die Knospen reagieren jedoch empfindlich auf Temperaturen unter minus 3 Grad.

Bei Kakibäumen kommen männliche, weibliche und zwittrige Blüten vor. Die Bäume können einhäusig oder zweihäusig sein, selten treten auch polygame Formen auf. Im kommerziellen Anbau werden meist zweihäusige Sorten angebaut. Viele bilden parthenokarpe Früchte, sodass eine Fruchtbildung auch ohne Befruchtung möglich ist. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Honigbienen und kann den natürlichen Fruchtfall verringern.

Anbau und Kulturführung

Junge Bäume werden vorzugsweise im Mai gepflanzt, damit sie bis zum Herbst ein stabiles Wurzelsystem entwickeln können.

Die Pflanzabstände liegen meist zwischen 4,5 und 5,5 Meter in der Reihe sowie 3,5 bis 5 Meter zwischen den Bäumen. In grösseren Anlagen wird regelmässig eine Bestäubersorte integriert (etwa jeder achte bis zehnte Baum).

Da schwachwachsende Unterlagen fehlen, entwickeln sich Kakibäume kräftiger als viele andere Obstgehölze. Entsprechend werden grossvolumigere Kronenformen wie Palmette, Spindel oder Hohlkrone erzogen. Der Schnitt erfolgt eher zurückhaltend. In der Erziehungsphase werden nur die Konkurrenztriebe entfernt und die Leitelemente angeschnitten. Ein zu starker Schnitt verzögert den Ertragsbeginn. In der Ertragsphase dient ein moderater Winterschnitt der Erneuerung des Fruchtholzes.

Je nach Sorte und Standort kann eine Ausdünnung erforderlich sein. Durch eine Blütenausdünnung kann einer möglichen Alternanz entgegengewirkt werden, während die Fruchtausdünnung nach dem Hauptfruchtfall im Sommer erfolgt. Bei letzterer sollte auf Einzelfrüchte ausgedünnt werden, damit sich die Früchte später nicht gegenseitig berühren.

Die Düngung richtet sich nach Alter, Pflanzabstand, Ertrag und Bodeneigenschaften. In Neuseeland orientieren sich die Empfehlungen hinsichtlich Stickstoff- und Kaliumversorgung bei Kakis an Richtwerten aus dem Apfelanbau.

Erntezeitpunkt und Lagerung

Kakis reifen spät, meist zwischen Oktober und November, häufig nachdem die Blätter bereits abgefallen sind. Zum Erntezeitpunkt dürfen die Früchte keine grüne Färbung mehr aufweisen. Die Ernte erfolgt in der Regel in zwei bis drei Durchgängen im Abstand von 10 bis 15 Tagen. Dabei werden die Früchte sorgfältig von Hand gepflückt, um die Kelchblätter nicht zu beschädigen. Die Bäume tragen je nach Sorte und Unterlage meist nach drei bis fünf Jahren erste Früchte. Vollerträge werden in der Regel nach etwa acht bis zehn Jahren erreicht.

Die Sorten variieren im Gehalt an Tanninen (Gerbstoffen), die beim Verzehr eine adstringierende Wirkung entfalten und dadurch ein pelziges und zusammenziehendes Gefühl auf der Zunge verursachen können. Nicht adstringierende Sorten können bei geeigneter Reife bereits im harten Zustand direkt vom Baum verzehrt werden. Adstringierende Sorten hingegen müssen entweder vollständig ausreifen, bis das Fruchtfleisch sehr weich und geleeartig ist, oder nach der Ernte behandelt werden, beispielsweise durch eine CO₂-Behandlung. Diese Behandlung entfernt die Adstringenz, ohne dass die Früchte vollständig weich werden müssen. Auch die gemeinsame Lagerung mit Äpfeln kann durch das freigesetzte Reifehormon Ethylen (C2H4) den Reifeprozess fördern.

Die Lagerfähigkeit hängt stark von der jeweiligen Sorte ab. Nicht adstringierende Sorten sind in der Regel länger haltbar als adstringierende Sorten. Üblich sind Lagertemperaturen von 0 bis 2 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 85 bis 90 Prozent. Versuche mit kontrollierter Atmosphäre (CA) zeigten teilweise Qualitätsprobleme, insbesondere durch zu niedrige Sauerstoffkonzentrationen. In Israel wird jedoch die CA-Lagerung der Sorte «Triumph» erfolgreich angewendet. 

Kakis sind selbst im festen Zustand druckempfindlich und sollten daher sorgfältig behandelt werden. Mechanische Belastungen können rasch zu inneren Verbräunungen führen. 

Krankheiten und Schädlinge

Insgesamt gilt Kaki als robuste und unproblematische Kultur. Zu den bekannten Problemen zählen Pilzbefall (zum Beispiel Alternaria alternata) im Bereich der Kelchblätter, sowie Vogelfrass, Agrobakterium und Glasflügler. Zu den neu auftretenden Schädlingen im Kakianbau gehören die Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata) und weitere Fruchtfliegenarten, die erheblich Schäden an den Früchten verursachen können. Weitere Herausforderungen sind Fruchtfall, eine Tendenz zu Alternanz sowie brüchiges Holz. Gelegentlich treten auch physiologische Störungen wie die Spaltung der Früchte unter den Kelchblättern oder eine Art Stippe auf.

Bleibt der Ertrag aus, sollte zunächst die Blütenbildung geprüft werden. Fehlende Früchte trotz vorhandener Blüten können auf einen fehlenden Befruchter hinweisen. Je nach Sorte sind Kakibäume selbstfruchtbar oder auf einen geeigneten Befruchter angewiesen. Zeigt der Baum hingegen keine Blüten, liegt die Ursache häufig an einer übermässigen Nährstoffversorgung und damit einem starken vegetativen Wachstum.

Die wichtigsten Sorten im Handel

Rojo Brillante: Die Früchte dieser Sorte wiegen etwa 250 – 300 Gramm. Sie sind länglich-konisch geformt und im Querschnitt rund. Die Schale ist leuchtend hellrot, das Fruchtfleisch gelborange und färbt sich bei voller Reife rötlich-orange. Nach der Entfernung der Adstringenz werden die Früchte unter dem geschützten Handelsnamen «Kaki Persimon®» vermarktet. Es handelt sich um die wichtigste Sorte Spaniens.

Triumph: Die Sorte Triumph bringt Früchte mit einem Gewicht von etwa 150 – 220 Gramm hervor. Sie sind im Längsschnitt eher abgeflacht und wirken im Querschnitt fast quadratisch. Die Schale ist dunkelgelb-orange, das Fruchtfleisch gelb. Nach einer Behandlung mit CO₂, durch die die Adstringenz entfernt wird, bleiben die Früchte lange fest. Dadurch eignet sich die Sorte besonders gut für Lagerungund Export, da sie weniger schnell weich oder verderblich wird. Im Handel sind sie meist als «Sharonfrucht» bekannt. Triumph ist die Hauptsorte in Israel und Südafrika sowie eine Nebensorte in Spanien.

Kaki Tipo: Die Früchte dieser Sorte erreichen ein Gewicht von etwa 180 – 250 Gramm und sind sowohl im Längs- als auch im Querschnitt rund geformt. Die Schale ist blassgelb-orange, das Fruchtfleisch kräftig orange. Die Essbarkeit hängt von der Samenbildung ab: Samenhaltige Früchte können bereits im festen Zustand gegessen werden. Samenlose Früchte hingegen sind zunächst adstringierend und sollten entweder vollständig weichreifen oder einer Nacherntebehandlung zur Entfernung der Adstringenz unterzogen werden. Eine CO₂-Behandlung ist möglich, erfordert jedoch längere Behandlungszeiten als bei der Sorte «Rojo Brillante». Auf dem Markt werden sie entsprechend entweder als samenlose, weich gereifte Früchte oder als samenhaltige Früchte angeboten, die im festen Zustand essbar sind. «Kaki Tipo» ist die wichtigste Sorte Italiens und im Tessin weit verbreitet.

Fuyu: Die Früchte erreichen ein Gewicht von etwa 180 – 250 Gramm. Im Längsschnitt sind sie flachrund, im Querschnitt rund bis leicht quadratisch geformt. Die Schale ist orange- bis orangerot gefärbt, das Fruchtfleisch gelborange. Die Sorte ist bereits am Baum nicht adstringierend und kann daher im festen Zustand gegessen werden. Zudem verfügt sie über eine gute Haltbarkeit und eignet sich für den Transport. Sie zählt weltweit zu den bedeutendsten Kakisorten.

Lena Caminada, FiBL

Weiterführende Informationen

«Möglichkeiten des Kaki-Anbaus auf der Alpennordseite (602.2 KB)» (pdf, Zeitschrift Obst- und Weinbau)
«Übersicht: Kakis (1.8 MB)» (pdf, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung)

Möchten Sie die Website zum Home-Bildschirm hinzufügen?
tippen und dann zum Befehl zum Home-Bildschirm hinzufügen nach unten scrollen.