Apfelschorf erfolgreich bekämpfen
Apfelschorf zählt weltweit zu den grössten Herausforderungen im Apfelanbau. Einerseits besteht weiterhin eine hohe Nachfrage sowohl bei Grossverteilern als auch bei Konsumentinnen und Konsumenten nach bestimmten beliebten Apfelsorten. Diese zeichnen sich oft durch Geschmack, Aussehen oder Lagerfähigkeit aus. Andererseits sind viele dieser gefragten Sorten, darunter Klassiker wie «Golden Delicious» oder «Gala», anfällig für Apfelschorf.
Dank der stetig wachsenden Auswahl an schorfresistenten Sorten lassen sich heute zwar einige Pflanzenschutzbehandlungen einsparen. Da es sich bei diesen vermeintlich «resistenten» Sorten jedoch eher um Sorten mit erhöhter Toleranz handelt, nehmen Pflanzenschutzmassnahmen, insbesondere in Perioden mit erhöhtem Infektionsrisiko, auch hier weiterhin einen zentralen Stellenwert ein. Nur so ist es möglich, eine hohe Fruchtqualität zu sichern, die Bestände vital zu halten und die verringerte Anfälligkeit der Sorten langfristig zu erhalten.
Mehrjährige Praxisversuche haben dazu beigetragen, die Pflanzenschutzempfehlungen laufend zu verfeinern sowie wirksame und praxistaugliche Strategien für eine erfolgreiche Bekämpfung des Apfelschorfes zu entwickeln.
Symptomatik und Risikovermeidung
Verursacht wird die Krankheit durch den pilzlichen Erreger Venturia inaequalis. Erste Symptome zeigen sich als einzelne helle Flecken auf der Blattoberseite. Diese verfärben sich im weiteren Verlauf olivbraun bis schwarz und werden zunehmend grösser. Auf den Früchten treten dunkelbraune, unscharf begrenzte Flecken auf, welche vor allem bei frühen Infektionen im Verlauf des Fruchtwachstums verkorken und aufreissen können.
Die Entwicklung des Apfelschorfes hängt stark von den meteorologischen Bedingungen ab. Der Apfelschorf überwintert auf befallenem Falllaub, wo die Sporen während des Winters heranreifen. Wie schnell dieser Reifeprozess abläuft, hängt stark von Temperatur und Feuchtigkeit ab. In der Regel sind die Sporen zum Zeitpunkt des Knospenaufbruchs bereit für den Ausstoss. Sobald ausreichend Niederschlag fällt, werden die gereiften Ascosporen freigesetzt und auf junge Blätter und Früchte verteilt. Der Ausstoss von Ascosporen benötigt neben Niederschlag in der Regel auch Licht und erfolgt daher vorwiegend tagsüber.
Sporen, die sich auf Blättern und Früchten befinden, benötigen Blattnässe, um zu keimen und Infektionen zu verursachen. Mit steigender Temperatur verkürzt sich die Dauer der für eine Infektion notwendigen Blattnässe. Generell begünstigen warme und feuchte Bedingungen auch die Entwicklung des Pilzes auf der Pflanze (siehe RIMpro Prognose).
Nach dem vollständigen Abbau des auf dem überwinternden Falllaub befindlichen Sporenpotentials ist die primäre Schorfphase abgeschlossen. Neuinfektionen können ab diesem Zeitpunkt ausschliesslich durch sekundäre Infektionen aus bereits vorhandenen Befallsstellen entstehen. Zur Einschätzung des Risikos von Sekundärinfektionen ist es somit unerlässlich, sich regelmässig ein Bild über die Befallssituation innerhalb der Anlagen zu machen.
Bekämpfung des Apfelschorfs
Im Sinne der biologischen Pflanzenschutzpyramide wird zwischen Massnahmen mit indirektem und direktem Einfluss unterschieden.
Indirekte Massnahmen zielen darauf ab, die Anfälligkeit der Anlage insgesamt zu reduzieren und ungünstige Bedingungen für den Erreger zu schaffen.
Direkte Massnahmen hingegen greifen gezielt in das Infektionsgeschehen ein, etwa durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder durch Eingriffe zur Reduktion des Sporenpotenzials. Ein wirksamer Pflanzenschutz basiert dabei immer auf einer durchdachten Kombination beider Ansätze.
Indirekte Massnahmen:
Da die Feuchtigkeit und insbesondere die Abtrocknung nach Niederschlägen eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Apfelschorfes einnimmt, sind die Optimierung der mikroklimatischen Bedingungen wie auch die Gewährleistung einer schnellen Abtrocknung entscheidet. Dies wird durch luftige, gut aufgebaute Kronen und möglichst windoffene Standorte gefördert und stellt einen wichtigen präventiven Baustein für eine erfolgreiche Bekämpfung dar.
Eine weitere indirekte Massnahme zur Optimierung des Mikroklimas und Verringerung des Infektionsrisikos ist die gezielte Begrenzung der Wuchskraft beispielsweise durch Wurzelschnitt, die Wahl schwachwüchsiger Unterlagen oder eine angepasste Stickstoffdüngung.
Im Falle von starkem Vorjahresbefall spielt die gezielte Förderung des Laubabbaus eine zentrale Rolle, um die Sporenmenge und somit das Infektionspotential für die nächste Saison zu reduzieren. Massnahmen wie mehrmaliges Mulchen, Einsaugen oder oberflächliches Hacken haben sich hier in der Vergangenheit als wirksame Mittel erwiesen. Eine weitere Möglichkeit zur Beschleunigung des Laubabbaus ist die Förderung von Mikroorganismen durch die Ausbringung von Reifekompost oder die Applikation von «Vinasse» im Herbst auf das am Boden liegende Laub.
Auf diese Weise kann die geschlechtliche Fortpflanzung der saprophytischen Pilze, die während des Winters im abgestorbenen Laub am Boden stattfindet, eingeschränkt und das Infektionspotenzial für das Folgejahr reduziert werden.
Direkte Massnahmen:
Die direkten Massnahmen konzentrieren sich in erster Linie auf den gezielten Einsatz der im biologischen Anbau verfügbaren Pflanzenschutzmittel. Diese werden je nach Infektionsrisiko vorbeugend oder zusätzlich zur Intervention während Infektionsereignissen eingesetzt.
Kupfer
Kupfer ist ein breit wirksames Kontaktfungizid und wird in der Bekämpfung des Apfelschorfs vorbeugend eingesetzt.
Kupfer darf vom Knospenaufbruch bis zum Beginn der Blüte eingesetzt werden. Sortenabhängig kann es ab dem Grünknospenstadium zu einer erhöhten Berostungsgefahr kommen. Unter Berostung versteht man eine leicht raue, verkorkte Fruchthaut, deren Farbe bei Äpfeln gewöhnlich von grünlich braun über gelblich braun bis hin zu rötlich grau reichen kann. Sie kann sortentypisch sein, wird jedoch auch durch äussere Einflüsse wie Pflanzenschutzbehandlungen begünstigt.
Die Verträglichkeit von Kupfer kann je nach Sorte variieren. Einige Sorten reagieren bereits früh empfindlich, weshalb eine fortlaufende Reduzierung der Aufwandmengen sinnvoll ist. Insbesondere unter feuchten und kühlen Bedingungen besteht durch den Einsatz von Kupfer ein erhöhtes Risiko für Blatt- und Fruchtverbrennungen.
Trotz dieser Risiken ist Kupfer ein sehr wirksames Mittel zur präventiven Bekämpfung von Apfelschorf und ist in seiner Wirkung besonders bei Temperaturen unter 15 Grad Schwefel deutlich überlegen.
Schwefel
Schwefel wirkt als Kontaktfungizid, indem es auf der Blatt- und Fruchtoberfläche eine schützende Barriere bildet und auf diese Weise die Keimung von Sporen hemmt.
Neben Apfelschorf zeigt Schwefel eine sehr gute Wirkung gegen den Echten Mehltau. Seine Wirkung ist abhängig von der Temperatur von kurzer Dauer und bei starkem Infektionsdruck oft nicht ausreichend. Aus diesem Grund wird empfohlen, Schwefel nicht allein einzusetzen.
Insbesondere bei hohen Temperaturen oder starker Einstrahlung kann Schwefel auf Früchte und Blätter phytotoxische Wirkung haben. Folglich wird der Schwefeleinsatz lediglich bei Temperaturen zwischen 12 und 28 Grad empfohlen. Generell wird empfohlen die Schwefelkonzentration bei steigenden Temperaturen sukzessive zu verringern, um das Risiko von Schäden auf Blättern und Früchten zu senken. Erfahrungen zeigen, dass insbesondere rote Kulturvarietäten sehr anfällig für die Phytotoxizität von Schwefel sind.
Auch im Hinblick auf Nützlinge ist beim Einsatz von Schwefel Vorsicht geboten. Schwefel kann unter anderem Wanzen, Raubmilben und parasitisch lebende Hautflügler beeinträchtigen.
Tonerde
Tonerdeprodukte (schwefelsaure Tonerde und Schachtelhalmextrakt) werden vorbeugend gegen den Apfelschorf eingesetzt und wirken zudem gegen weitere Schaderreger wie beispielsweise Echten Mehltau, Marssonina, Feuerbrand und verschiedene Lagerkrankheiten. Die Wirkung beruht auf der Freisetzung von Aluminiumionen in einer wässrigen Lösung, welche eine hemmende Wirkung auf die keimenden Pilzsporen haben. Tonerdeprodukte zeigen auch bei tiefen Temperaturen eine zuverlässige Wirkung.
Für eine optimale Anwendung und eine gute Lösung der Spritzbrühe hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:
- Produkt vorrangig in ausreichend Wasser unter ständigem Rühren auflösen. Die Zugabe von etwas Zitronensäure verbessert die Löslichkeit.
- Spritztank zur Hälfte mit Wasser füllen und das vorgelöste Produkt bei laufendem Rührwerk zugeben.
- Anschliessend den Tank mit der restlichen Wassermenge auffüllen.
Tonerdeprodukte dürfen ausschliesslich mit Netzschwefel gemischt werden. Andere Schwefelpräparate sind nicht kompatibel.
Kaliumhydrogencarbonate
Kaliumhydrogencarbonate zeigen neben Schorf auch eine sehr gute Wirkung gegen Echten Mehltau wie auch gegen Regenflecken (Russfleckenkrankheit) und die Fliegenschmutzkrankheit.
Durch die Veränderung des osmotischen Drucks führt das Hydrogencarbonat zur Auflösung der Sporen und hemmt die Myzelbildung in der Keimungsphase von Sporen. Die beste Wirkung wird bei einer Behandlung ins trockene Laub während einer laufenden Infektion (Sporenkeimungsphase) erreicht. Die Kombination mit Schwefel verbessert die Wirkung insbesondere bei warmen Temperaturen und bietet durch den Schwefel einen zeitlich begrenzten vorbeugenden Schutz.
Präventiv besitzen Kaliumhydrogencarbonate gegen den Apfelschorf jedoch keine nennenswerte Wirkung. Bei häufigen Behandlungen ohne vollständige Abwaschung können bei gewissen Sorten unter Umständen Blattverbrennungen entstehen (siehe Armicarb). Die Produkte sind nicht mischbar mit Schwefelkalk, Tonerde- und Hefepräparaten.
Armicarb®
Aufgrund seiner Formulierung haftet Armicarb® gut an den Blättern und wird somit nicht leicht abgewaschen. Seine Wirkung gegen die Russflecken- und die Fliegenschmutzkrankheit ist auf die im Produkt enthaltenen Seifen zurückzuführen. Bei Verwendung von Armicarb® kann es bei verschiedenen Sorten unter Umständen zu phytotoxischen Reaktionen im Sinne von Nekrosen auf Blättern kommen.
Versuche und zahlreiche praktische Erfahrungen haben dazu beigetragen, die Pflanzenschutzempfehlungen für dieses Produkt zu optimieren. Um eine Anreicherung des Mittels zu vermeiden, ist es wichtig, die Behandlungen nicht in zu kurzen Abständen zu wiederholen (mindestens mehr als acht Tage). In Kombination mit Netzschwefel kann die Dosis auf 3,2 Kilogramm pro Hektare reduziert werden, um das Risiko einer Phytotoxizität zu verringern. Aber Achtung: Auf keinen Fall flüssige Schwefelformulierungen verwenden.
Vitisan
Vitisan besteht aus reinem Bikarbonat. Sein Wirkungsprinzip ähnelt dem von Armicarb®. Da Vitisan jedoch nicht formuliert ist, wird es bei alleiniger Anwendung schneller abgewaschen und ist dadurch weniger wirksam gegen die Russfleckenkrankheit. Zudem wurden beim Einsatz von Vitisan seltenere phytotoxisch bedingte Schäden beobachtet.
Zur Bekämpfung der Russfleckenkrankheit sowie zur Verbesserung der Haftfähigkeit von Vitisan kann BiofaCocana (Kokosseife) zugegeben werden.
Schwefelkalk
Schwefelkalkprodukte wie «Curatio» wirken als Kontaktfungizide und entfalten ihre Wirkung über einen hohen pH-Wert in der Spritzbrühe (<11). Schwefelkalk wird vorrangig als teilkurative Behandlung direkt nach Regen (in der Sporenkeimungsphase) auf das noch feuchte Laub appliziert und hat eine sehr gute Wirkung gegen keimende Sporen. Auf diese Weise kann eine beginnende Infektion unterbunden werden. Nach dem Antrocknen kommt es durch den enthaltenen Schwefel zu einer zusätzlichen vorbeugenden Wirkung.
Schwefelkalk zeigt zudem auch eine gute Wirkung gegen Marssonina und die Russfleckenkrankheit, sollte jedoch zum Schutz von Nützlingen und der Vermeidung von Spritzflecken vorzugsweise nur während der primären Schorfphase (zirka Anfang Juni) eingesetzt werden.
Achtung: «Curatio» darf nicht mit anderen Produkten gemischt werden. Sämtliches Spritzmaterial muss unmittelbar nach der Behandlung gründlich gespült und gereinigt werden. Zudem kann der Schwefelbelag bei Temperaturen über 28 Grad wie Netzschwefel Sonnenbrand oder phytotoxische Reaktionen verursachen.
Weiterführende Informationen zu Bekämpfungsstrategien sind im FiBL-Merkblatt «Pflanzenschutz im Biokernobstanbau» beschrieben.
Behandlungsempfehlungen
Präventiv:
- Kupfer (200 bis 300 Gramm Reinkupfer pro Hektare) allein. Achtung: Gemäss Bio Suisse Richtlinien dürfen 2 Kilogramm pro Hektare und Jahr nicht überschritten werden (3 Kilogramm in Ausnahmejahren mit Kompensation über 5 Jahre) oder
- Kupfer (100-200 Gramm Reinkupfer pro Hektare) plus Netzschwefel 80 Prozent (3,2 Kilogramm pro Hektare) oder
- Tonerdeprodukte (8 Kilogramm pro Hektare) plus Netzschwefel 80 Prozent (3,2 Kilogramm pro Hektare)
Intervenierend:
- Kaliumhydrogencaronate* (4-5 Kilogramm pro Hektare) plus Netzschwefel 80 Prozent (2-7 Kilogramm pro Hektare) ins frisch abgetrocknete Laub
- Schwefelkalk** (20-25 Liter pro Hektare) ins noch feuchte Laub
*Kaliumhydrogencarbonate haben eine stoppende Teilwirkung bis zu 12-24 Stunden nach Regen.
**Schwefelkalk hat eine stoppende Teilwirkung bis maximal 24 Stunden nach der Infektion, bei einer Durchschnittstemperatur von 12-13 Grad.
Weiterführende Informationen
Apfelschorf Prognose mit RIMpro (Rubrik Pflanzenschutz)
Schorfbulletin (Rubrik Pflanzenschutz)
Merkblatt «Pflanzenschutz im Biokernobstanbau» (FiBL Shop)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.06.2026
