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Entwicklungen in der Ebermast

Die Ebermast, also das Mästen nicht kastrierter männlicher Schweine, ist in der Schweiz eine Nische. Der weitaus grösste Anteil männlicher Ferkel wird in den ersten Tagen nach der Geburt kastriert. Aus Sicht des Tierwohls ist ein solcher chirurgischer Eingriff am gesunden Tier nicht zu befürworten. Jedoch ist die Vermarktung von Eberfleisch hierzulande eine Herausforderung. In anderen europäischen Ländern werden hingegen traditionell Eber gemästet.

Auf dieser Seite stellen wir eine Auswahl an Beiträgen vor, die einen Einblick in die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte geben. Sie zeigen beispielhaft die intensiven Bemühungen, aber auch Hürden für die Ebermast in der Schweiz und anderen Ländern.

FiBL-Merkblatt «Ebermast im Biobetrieb»

(2024) Das Thema Ebermast wird am FiBL seit vielen Jahren in Forschung und Beratung begleitet und vorangetrieben. 2023 wurde das Merkblatt zur Ebermast auf den neuesten Stand gebracht. Es informiert praxisnah und umfassend über diese tiergerechte Alternative zur Kastration.

zum Artikel (gleiche Rubrik)
zum Merkblatt (FiBL Shop)

Forschungsprojekt Gruppenzusammensetzung - FairPig

(05.10.2015) In den Jahren 2012 bis 2014 lief am FiBL ein Projekt zum Thema Gruppenzusammensetzung in der Ebermast. In einem Versuch wurde der Frage nachgegangen, ob Eber getrennt von weiblichen Tieren gehalten werden sollen oder ob eine gemischtgeschlechtliche Mast möglich und sinnvoll wäre. In dem Versuch wurden auf einem Biobetrieb in der Schweiz drei Gruppen miteinander verglichen:

  • Eine Gruppe mit Ebern und Weibchen
  • Eine reine Ebergruppe
  • Eine Kontrollgruppe mit Kastraten und Weibchen

Die Ergebnisse aus dem Versuch lassen den Schluss zu, dass sowohl eine gemischtgeschlechtliche als auch getrenntgeschlechtliche Aufstallung möglich ist. In den reinen Ebergruppen wurden allerdings leicht mehr Hautkratzer gefunden. Auf die Geruchsentwicklung der geschlachteten Eber wie auch auf die Gehalte von Skatol und Androstenon im Fett hatte die Gruppenzusammensetzung keinen Einfluss. Ebenso wurde bei keinem der weiblichen Tiere aus den gemischten Gruppen eine beginnende Trächtigkeit festgestellt.

Infos zum Projekt (FiBL Projektdatenbank)
Interview mit Mirjam Holinger, FiBL «Den Ebern den Weg ebnen» (227.2 KB) (Magazin Bioaktuell 8|2013)

Publikation «Kastration beim Ferkel und mögliche Alternativen»

(19.08.2014) Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung IGN beleuchte in einer Ausgabe der Reihe «Nutztierhaltung im Fokus» das Thema Ferkelkastration und mögliche Alternativen. Status Quo und Zukunftsperspektiven werden aus rechtlicher, wissenschaftlicher und praxisnaher Sicht beschrieben. Die farbige, 44 Seiten umfassende Publikation kann kostenlos heruntergeladen werden.

Eber haben andere Ansprüche an die Mast

(23.02.2013) Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass die Ebermast durchaus wirtschaftlich ist. Eber punkten bei geringerer Futteraufnahme mit höheren Tageszunahmen, einer besseren Futterverwertung und einem höheren Magerfleischanteil.

Ganzer Artikel (Die Grüne, Nr. 4/2013)

Stellungnahmen zur Ebermast

vom 04.07.2012

Maya Graf, Nationalrätin und Biobäuerin
«Die Ebermast ist die natürlichste und tierfreundlichste Methode. Die männlichen Jungtiere bleiben unversehrt und müssen weder kastriert noch geimpft, weder narkotisiert noch gespritzt werden. Deshalb setze ich mich auf nationaler Ebene dafür ein, dass die Ebermast gefördert wird. Die Schweiz hat ein sehr strenges Tierschutzgesetz und ist auch stolz darauf. Aber beim Thema Ebermast müssen wir aufpassen, dass wir gegenüber den EU-Ländern nicht ins Hintertreffen geraten. Ich bin überzeugt, dass mit den entsprechenden begleitenden Massnahmen alle, auch Produzentinnen und Produzenten, sowie Verarbeitung und Handel von einer Umstellung profitieren können.»

Cäsar Bürgi, Ebermäster
«Unser Ziel ist es, der Ganzheit Sorge zu tragen. Eine Chance zu packen, die es möglich macht, schmerzhafte Eingriffe oder Betäubungsmittel überflüssig zu machen, um ein natürliches Lebensmittel auf den Markt zu bringen. Wir sind auf dem Weg, ohne das Ziel definiert zu haben. In der eberspezifischen Zerlegung und Vermarktung sehen wir noch grosses Potential, um diese Art der Schweinehaltung zu etablieren.»

Urban Gschwend, Ebermäster
«Eberfleisch ist ein hochwertiges Fleisch und anderem Schweinfleisch ebenbürtig. Es ist kräftig, aber gleichzeitig zart im Geschmack. Das grosse Plus der Eberhaltung ist die Tierfreundlichkeit. Generell sollte man offensiver mit den Vorteilen der Ebermast umgehen und das Thema breit in den Medien verankern.»

Markus Arbenz, FiBL 
«Die Kastration ist ein riesiger Eingriff ins Leben eines Tieres und verhindert ein art- und geschlechtsgerechtes Leben. Biolandbau heisst auch Respekt vor der Würde des Tieres. Darum müssen wir alles daran setzen, eine umsetzbare Lösung zu finden, dass in Zukunft unsere Tierhaltungsmethoden ohne Kastration auskommen. Der Weg dazu fordert uns bei der Erkennung des Ebergeruches und bei der Organisation der Mast. Die Tiere danken es mit besserer Robustizität und mit höheren Zunahmen.»

Zuchtprojekt für geruchsarme Eber

(19.06.2012) In mehreren europäischen Ländern gab es Bemühungen, die Ebermast voranzubringen. Zeitweise stand der komplette Verzicht auf die Kastration in Aussicht. Auch die Schweiz bereitete sich seit 2010 mit dem Projekt «Zucht gegen Ebergeruch» auf die Ebermast vor. Ab 2013 war Sperma von genetisch geruchsarmen Ebern erhältlich. Wegen geringer Nachfrage wurde das Projekt jedoch wieder eingestellt.

Ganzer Artikel (Die Grüne, Nr. 11/2012)

Ausführliche Informationen zur Zucht gegen Ebergeruch gibt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (Deutschland): Zucht gegen Ebergeruch (Website)

Der Ebermast gehört die Zukunft

(17.10.2011) An der 18. Freiland-Tagung in Wien wurden Resultate einer Verkostung von Eberfleischprodukten vorgestellt. 

Ganzer Artikel (Zürcher Bauer vom 14.10.2011)

Kassensturz: Beitrag zur Ebermast

(23.02.2010) Kassensturz besuchte für diesen Beitrag unter anderem den Aargauer Bioschweinehalter Lori Spuhler, der auf die Ebermast setzt. Im Beitrag wird kritisch hinterfragt, warum die Detailhändler zwar die Ebermast befürworten, aber dennoch kein Fleisch aus Ebermast in ihr Sortiment aufnehmen. Dem werden erfolgreiche Beispiele für die Verarbeitung von Eberfleisch auch im grossen Stil gegenübergestellt.

Publikumsreaktionen (Kassensturz, Fernsehen SFDRS 1, 23.02.2010)

Ebermast als Ziel für Bio Suisse und Demeter

(29.05.2008) Der Vorstand von Bio Suisse bezeichnete die Ebermast im Jahr 2008 als Ziel für Bioschweinehaltungen. Bis die Ebermast praxistauglich ist, verbietet Bio Suisse keine gesetzlich vorgesehenen Kastrationsmethoden

Würde die Bioverordnung des Bundes (BioV) es zulassen, dürften somit auch Knospe-Betriebe ihre männlichen Schweine per «Impfung» kastrieren. Zurzeit ist dies in der BioV nicht vorgesehen und somit nicht erlaubt.

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