Gute Tierbeobachtung ist entscheidend, um Hitzestress frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Foto: FiBL, Thomas Alföldi
Milchkühe auf der Weide besonders gefährdet
Hitzestress kann bereits ab etwa 16 Grad Celsius auftreten. Wie stark die Tiere belastet sind, hängt unter anderem von Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind ab. Je höher die Luftfeuchtigkeit, je stärker die direkte Sonneneinstrahlung und je geringer die Luftbewegung, desto grösser ist das Risiko für Hitzestress bereits bei vergleichsweise tiefen Temperaturen.
Kühe unter Hitzestress fressen weniger, um zusätzliche Wärmeerzeugung durch die Verdauung zu vermeiden. Dadurch fehlt Energie für die Milchproduktion, was zu einem Rückgang der Milchleistung führen kann. Bei Hitzestress erhöhen die Kühe ihre Atemfrequenz, um Körperwärme abzugeben. Gelingt ihnen das nicht mehr, steigt die Körpertemperatur. Heftiges Atmen ist daher ein wichtiges Warnsignal. Im Verhalten zeigen Kühe auf der Weide Hitzestress unter anderem im sogenannten Gruppierungsverhalten. Dabei stehen sie nahe zueinander, fressen nicht und kauen auch nicht wieder.
Wichtig ist, die Tiere frühzeitig zu beobachten und erste Anzeichen von Hitzestress rechtzeitig zu erkennen. Unterstützend können Warn-Apps genutzt werden, die anhand von Wetterdaten auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Im Weidemanagement helfen Massnahmen wie das Weiden in den kühleren Morgen- und Abendstunden oder das vorübergehende Zurückbringen der Tiere in den Stall. Zudem sollten auf der Weide jederzeit ausreichend Tränken zur Verfügung stehen. Schattenplätze – etwa durch Bäume oder künstliche Unterstände – tragen zusätzlich dazu bei, die Hitzebelastung der Tiere zu reduzieren. Im Schatten ist auch die Anzahl lästiger oder stechender Insekten meist geringer. Bei Stallhaltung können Ventilatoren, Vernebelungsanlagen oder Duschen eingesetzt werden. Auch bei Neu- oder Umbauten von Ställen sollte der Faktor Hitze frühzeitig berücksichtigt werden.
Einen anschaulichen Überblick zur Erkennung von Hitzestress bei Milchkühen auf der Weide bietet ein Film von FiBL. Er zeigt praxisnah, worauf im Verhalten der Tiere zu achten ist und welche Massnahmen im Weidemanagement helfen, Hitzestress frühzeitig zu vermeiden.
Zum Film (YouTube)
Hitzestress betrifft auch Schweine und Geflügel
Nicht nur Wiederkäuer sind betroffen. Auch Geflügel und Schweine reagieren sensibel auf hohe Temperaturen. Schweine können nicht schwitzen und sind daher besonders auf Möglichkeiten zur Abkühlung angewiesen. Zentral sind dabei Suhlen, Duschen sowie Sprüh- oder Vernebelungsanlagen. Zudem benötigen die Tiere jederzeit ausreichend Trinkwasser. Im Aussenbereich sind zudem Schattenplätze durch Bäume oder künstliche Schattenspender wichtig. Im Stall trägt eine gute Belüftung neben technischen Kühleinrichtungen dazu bei, die Hitzebelastung zu reduzieren.
Hühner besitzen ebenfalls keine Schweissdrüsen und können überschüssige Körperwärme nicht über die Haut abgeben. Stattdessen erfolgt die Kühlung über die Atemwege, was die Tiere bei hohen Temperaturen zusätzlich belastet. Hitzestress zeigt sich häufig durch Hecheln, ausgebreitete Flügel und eine verminderte Futteraufnahme.
Veranstaltungstipp: Hitzestress beim Geflügel vermeiden
Wie Geflügelbestände während Hitzeperioden wirksam geschützt werden können, thematisiert ein Kurs von Agridea am 23. Juni 2026. Dabei erfahren die Teilnehmenden, wie Hitzestress beim Geflügel entsteht, woran er frühzeitig erkannt werden kann und welche Folgen er für Gesundheit und Produktivität der Tiere hat. Anhand von Grossstall- und Mobilstallsystemen werden praxiserprobte und umsetzbare Massnahmen zur Vorbeugung und Reduktion von Hitzestress vorgestellt.
Weiterführende Informationen und Kursanmeldung: Kursserie Klima - Hitzestress beim Geflügel vermeiden (Website Agridea)
Weiterführende Informationen
Hitzestress bei Milchkühen auf der Weide erkennen und vermeiden (Rubrik Milchviehaltung)
Merkblatt «Freilandhaltung von Schweine» (FiBL-Shop)
