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Wildbienen: wild und wertvoll, aber bedroht

Jede zweite Wildbienenart in der Schweiz ist gefährdet. In der Schweiz gibt es rund 620 Wildbienenarten, einige sind kaum grösser als ein Reiskorn, andere wie die Hummelköniginnen oder Holzbienen, sind mehrere Zentimeter gross. Viele sind spezialisiert und sammeln für ihren Nachwuchs Pollen einer bestimmten Pflanzengattung oder -familie. Verschwinden diese Pflanzen durch intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung oder Zersiedelung fehlt den Wildbienen die Lebensgrundlage. Und wir verlieren unersetzliche Bestäuberinnen. 

Wildbienen gehören nebst Schwebfliegen zu den wichtigsten Bestäubern. Etwa 80 Prozent der Blütenpflanzenarten der gemässigten Breiten sind für die Bestäubung auf Insekten angewiesen. Acht von zehn der wichtigsten Kulturpflanzen sind von tierischen Bestäubern abhängig. 

Gewisse Kulturen wie zum Beispiel Tomaten werden besonders gut von Hummeln bestäubt. Die Pollenkörner sind im Staubbeutel fest eingeschlossen, so dass sie kraftvoll ausgeschüttelt werden müssen. Heute weiss man: je mehr Bestäuberarten die Blüten einer Wild- oder Kulturpflanze besuchen, desto besser ist ihr Fruchtansatz. Auch viele Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen.

Zu wenig Futter und Nistplätze, zu viele Pestizide

Anders als Honigbienen sammeln Wildbienen gleichzeitig Pollen und Nektar. Einige Wildbienenarten fliegen schon bei kälteren Temperaturen und schlechterer Witterung. Im Gegensatz zur Honigbiene leben die meisten Wildbienen allein. Ein einzelnes Weibchen baut ihr Nest, legt Eier und versorgt während ihres kurzen Lebens ihre Brutzellen mit Pollen als Proviant. 
Wildbienen fliegen nicht so weit wie Honigbienen, deshalb ist es für sie überlebenswichtig, dass sich im Umkreis von 100 bis maximal 1500 Metern von ihrem Nistplatz genug Nahrung findet, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Je weiter Wildbienen fliegen müssen, desto weniger Nachwuchs können sie in ihrem Leben versorgen. Die seltene Mörtelbiene (Megachile parietina) zum Beispiel braucht pro Nachkommen den Pollen von über tausend Blüten der Esparsette.
Leider fehlt in unserer Landschaft vielerorts ein ausreichendes Blütenangebot von Frühling bis Herbst. Insbesondere zwischen Juni und Ende August, wenn alles gemäht wurde, haben es solitär lebende Wildbienen, die während den Sommermonaten aktiv sind, sehr schwer. Auch staatenbildende Wildbienenarten wie Hummeln finden dann kaum genug Nahrung, um starke Kolonien aufzubauen. 
Fast die Hälfte der Wildbienenarten in der Schweiz sind gefährdet. Tatsächlich sind die Hauptgründe für den dramatischen Rückgang der Wildbienenarten in den letzten 50 Jahren der anhaltende Mangel an geeigneten Futterpflanzen und Nistplätzen sowie intensive landwirtschaftliche Praktiken wie ein hoher Pestizideinsatz und Stickstoffeintrag. Dazu kommen die zunehmende Verbauung und Versiegelung von Flächen.
 

Auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen

So vielfältig Wildbienen sind, so sind es auch ihre Nistplätze. Etwa drei Viertel der Wildbienenarten sind auf geeignete Bodenflächen angewiesen. Rund die Hälfte der Arten bauen ihre Nester selbst im Boden und etwa ein Viertel legen ihre Eier als sogenannte Kuckucksbienen in die vorgebauten Nester anderer Arten. Zum Nisten werden sonnige, offene Bodenstellen benötigt, wo sie sich gut eingraben können. 
Andere Arten nisten in Hohlräumen wie alten Insektenfrassgängen in Totholz, hohlen Pflanzenstängeln, Stein- und Mauerspalten oder sogar leeren Schneckenhäusern. Einige Wildbienenarten wie die Wald-Pelzbiene oder die Blauschwarze Holzbiene nagen ihre Nester in Totholz. Wiederum andere nisten in markhaltigen Pflanzenstängeln, beispielsweise von Brombeer oder Holunder. Gewisse Arten sammeln zusätzlich Baumaterial wie kleine Steinchen, Baumnadeln, Lehm, Pflanzenblätter oder Pflanzenwolle. Je mehr eine Landschaft bietet, desto vielfältiger sind ihre Bewohner*innen. 

Was können wir tun?

Um Wildbienen zu fördern ist der Erhalt wichtiger Kleinstrukturen (Erdanrisse, offene Bodenflächen, ungeteerte Wege, Wegränder, Trockenmauern, Totholzstrukturen, abgestorbene Pflanzenstängel) und naturnaher Flächen wie extensiv genutzte Wiesen, Weiden, Brachen und Pionierflächen sehr wichtig. 
Damit Wildbienen ihren Nachwuchs versorgen können, braucht es ein vielfältiges Blütenangebot von März bis Oktober, denn die meisten Wildbienen haben artspezifische, enge Flugfenster von einigen Wochen und lösen sich so von Frühling bis Herbst ab. 
Nebst Nistplätzen und genug Nahrung ist eine Reduktion des Herbizid- und Pestizideinsatzes und ein Verzicht auf bienengefährliche Pestizide wichtig, sonst wird der Lebensraum schnell zu einer tödlichen Falle. Blühstreifen, Hecken und Buntbrachen im Ackerland können zudem verschiedene Wildbienenlebensräume miteinander verbinden. 
Auch im eigenen Garten können ein Wildpflanzenbuffet und geeignete Nistplätze wichtige Rückzugsorte für verschiedene Wildbienenarten schaffen. Das FiBL-Merkblatt «Wildbienen fördern – Erträge und Pflanzenvielfalt sichern» zeigt zudem zahlreiche Massnahmen auf, um Wildbienen in der Landwirtschaft besser zu fördern. 

Michelle Knecht, FiBL

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