Wildbienen - wild und wertvoll, aber bedroht
Jede zweite Wildbienenart in der Schweiz ist gefährdet. In der Schweiz gibt es rund 620 Wildbienenarten, einige sind kaum grösser als ein Reiskorn, andere wie die Hummelköniginnen oder Holzbienen, sind mehrere Zentimeter gross. Viele sind spezialisiert und sammeln für ihren Nachwuchs Pollen einer bestimmten Pflanzengattung oder -familie. Verschwinden diese Pflanzen aufgrund von intensiven Landwirtschaftspraktiken, Flächenversiegelung oder Zersiedelung fehlt ihnen ihre Lebensgrundlage und wir verlieren unersetzliche Bestäuberinnen.
Durch aufgeräumte Landschaften, intensive Landwirtschaftspraktiken und Flächenversiegelung finden viele Wildbienenarten kaum Nahrung und geeignete Nistplätze. In der Schweiz ist bereits jede zweite Wildbienenart gefährdet. Foto: FiBL, Roxane Muller
In stehendgelassenen und getrockneteten Königskerzenstängeln können im nächsten Jahr verschiedene Wildbienenarten nisten. Wichtig, ist, dass sie in der Nähe ihres Nistplatzes genug Pollen und Nektar finden. Foto: FiBL. Simona Moosmann
Einige Wildbienenarten nisten in alten Käferfrassgängen. Die grosse Blauschwarze Holzbiene nagt lange Gänge in Totzholz und legt dann behutsam ihre Eier in diese "Kinderzimmer". Foto: FiBL, Simona Moosmann
Wildbienen gehören nebst Schwebfliegen zu den wichtigsten Bestäubern. Etwa 80 % der Blütenpflanzenarten der gemässigten Breiten sind für die Bestäubung auf Insekten angewiesen. 8 von 10 der wichtigsten Kulturpflanzen sind von tierischen Bestäubern abhängig. Im Gegensatz zu Honigbienen sammeln Wildbienen gleichzeitig Pollen und Nektar und einige Wildbienenarten fliegen schon bei kälteren Temperaturen und schlechterer Witterung. Gewisse Kulturen wie z.B. Tomaten werden besonders gut von Hummeln bestäubt. Ihre Pollenkörner sind im Staubbeutel fest eingeschlossen, so dass sie kraftvoll ausgeschüttelt werden müssen. Heute weiss man, dass je mehr Bestäuberarten die Blüten einer Wild- oder Kulturpflanze besuchen, desto besser ist der Fruchtansatz der Pflanze. Auch viele Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen.
Zu wenig Futter und Nistplätze, zu viele Pestizide
Im Gegensatz zur Honigbiene, leben die meisten Wildbienen allein. Ein einzelnes Weibchen baut ihr Nest, legt Eier und versorgt während ihres kurzen Lebens ihre Brutzellen mit Pollen als Proviant. Im Gegensatz zur Honigbiene fliegen Wildbienen nicht so weit, für sie ist es überlebenswichtig, dass es innerhalb von 100 bis maximal 1500m von ihrem Nistplatz genug Nahrungsangebot hat, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Je weiter sie fliegen müssen, desto weniger Nachwuchs können sie in ihrem Leben versorgen. Die seltene Mörtelbiene (Megachile parietina) zum Beispiel braucht pro Nachkommen den Pollen von über tausend Blüten der Esparsette. Leider ist das in unserer Landschaft gar nicht so einfach, vielerorts fehlt ein ausreichendes Blütenangebot von Frühling bis Herbst. Insbesondere zwischen Juni und Ende August, wenn alles gemäht wurde, haben es solitär lebende Wildbienen, die während den Sommermonaten aktiv sind, sehr schwer. Auch staatenbildende Wildbienenarten wie Hummeln finden dann kaum genug Nahrung, um starke Kolonien aufzubauen.
Tatsächlich sind die Hauptgründe für den dramatischen Rückgang der Wildbienenarten in den letzten 50 Jahren der anhaltende Mangel an geeigneten Futterpflanzen und Nistplätzen sowie intensive landwirtschaftliche Praktiken wie ein hoher Pestizideinsatz und Stickstoffeintrag. Dazu kommen auch zunehmende Verbauung und Versiegelung von Flächen.
Auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen
So vielfältig Wildbienen sind, so sind es auch ihre Nistplätze. Etwa drei Viertel der Wildbienenarten sind auf geeignete Bodenflächen angewiesen. Rund die Hälfte der Arten bauen ihre Nester selbst im Boden und etwa ein Viertel legen ihre Eier als sogenannte Kuckucksbienen in die vorgebauten Nester anderer Arten. Zum Nisten werden sonnige, offene Bodenstellen benötigt, wo sie sich gut eingraben können. Andere Arten nisten in Hohlräumen wie alte Insektenfrassgänge in Totholz, hohlen Pflanzenstängeln, Stein- und Mauerspalten oder sogar leeren Schneckenhäusern. Einige Wildbienenarten wie die Wald-Pelzbiene oder die Blauschwarze Holzbiene nagen ihre Nester in Totholz. Es gibt auch Wildbienenarten, die in markhaltigen Pflanzenstängeln nisten, z.B. von Brombeer- oder Holunderstängeln. Wichtig ist auch, dass sie genug Baumaterial finden, je nach Art benötigen sie kleine Steinchen, Baumnadeln, Lehm, Pflanzenblätter oder Pflanzenwolle. Je mehr Kleinstrukturen und Baumaterial in einer Landschaft vorhanden sind, desto vielfältiger ihre Bewohner*innen.
Was können wir tun?
Um Wildbienen zu fördern, ist der Erhalt wichtiger Kleinstrukturen (Erdanrisse, offene Bodenflächen, ungeteerte Wege, Wegränder, Trockenmauern, Totholzstrukturen, abgestorbene Pflanzenstängel) und naturnahen Flächen wie extensiv genutzte Wiesen, Weiden, Brachen und Pionierflächen sehr wichtig. Damit die Wildbienen genug Nachwuchs versorgen können, braucht es ein vielfältiges Blütenangebot von März bis Oktober, denn die meisten Wildbienen haben artspezifische, enge Flugfenster von einigen Wochen und lösen sich so von Frühling bis Herbst ab. Nebst Nistplätzen und genug Nahrung ist auch eine Reduktion des Herbizid- und Pestizideinsatzes und ein Verzicht auf bienengefährliche Pestizide wichtig, sonst wird der Lebensraum schnell zu einer tödlichen Falle. Blühstreifen, Hecken und Buntbrachen können zudem verschiedene Wildbienenlebensräume auch im Ackerland miteinander verbinden. Auch im eigenen Garten können ein Wildpflanzenbuffet- und geeignete Nistplätze ein wichtiger Rückzugsort für verschiedene Wildbienenarten werden.
Das unten verlinkte Merkblatt vom FiBL zeigt zudem zahlreiche Massnahmen auf, um Wildbienen auch in der Landwirtschaft besser zu fördern.
Michelle Knecht, FiBL
Weiterführende Informationen
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 03.08.2026
