Drahtwürmer und ihre Besonderheiten
Der Name ist bei ihnen Programm: Drahtwürmer sind zäh und widerstandsfähig. Sie zählen zu den wichtigsten Schädlingen im Kartoffelanbau. Doch warum sind Drahtwürmer eigentlich so schwer zu bekämpfen? Und wie lässt sich feststellen, ob sie ein Problem darstellen?
Lebensweise
Die Drahtwurmschäden sind besonders bei anhaltender Trockenheit hoch, wenn die Kartoffelhaut noch weich ist, zum Beispiel kurz nach der mechanischen Krautvernichtung. Foto: FiBL, Maurice Clerc
Mehrere Drahtwurmarten
Obwohl sich anhand der 2-4 mm breiten Frassgängen an der Knolle leicht auf den Übeltäter schliessen lässt, ist die Bestimmung des Schädlings gar nicht so offensichtlich. Denn auf einer Fläche kommen häufig gleich mehrere Drahtwurmarten vor. Meist ist es eine Mischung aus zwei bis drei häufigen Arten, die zwar alle ähnlichen Schäden an den Kulturpflanzen verursachen, sich in ihrer Biologie jedoch wesentlich unterscheiden können. Bekämpfungsmassnahmen zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen daher möglicherweise eine Art, während eine andere grösstenteils verschont bleibt.
Bis zu 15 Larvenstadien
Bis sich aus Drahtwürmern ausgewachsene Schnellkäfer entwickeln, vergehen drei bis fünf Jahre, in denen sie bis zu 15 Larvenstadien durchlaufen. In einer Saison findet man deshalb im Ackerboden nicht nur verschiedene Arten, sondern auch Drahtwürmer verschiedenen Alters vor, die unterschiedliche Aktivitätsphasen und Nahrungsvorlieben haben.
Überlebensart
Drahtwümer besitzen die Fähigkeit, sich bei Gefahr in tiefe Bodenschichten zu vergraben. Sobald die Lebensbedingungen in oberflächennahen Schichten ungünstig werden (z.B. wegen Kälte im Winter oder Trockenheit im Sommer), «tauchen» die Tiere in wenigen Tagen in 50 bis 60 Zentimeter Tiefe ab. Ohne Nahrung können sie dort, gleichermassen gut geschützt vor Witterungseinflüssen und Bekämpfungsmassnahmen, problemlos mehrere Monate überdauern. Ebenso schnell kommen sie wieder nach oben, wenn die Bodentemperaturen gegen 10 °C ansteigen, und richten unerwartet an Kulturpflanzen Schaden an. Nach beendeter Winterruhe fliegen die Käfer aus, paaren sich und legen die Eier dicht unter die Bodenoberfläche.
Besonders beliebt sind dichte Bestände wie Wiesen oder verunkrautete Parzellen, die eine hohe Bodenfeuchte aufweisen. Aus den Eiern schlüpft rund 4-6 Wochen später die Larve, die über 3-5 Jahre verschiedene Stadien durchläuft. Im letzten Entwicklungsjahr verpuppt sie sich im Juli/August, schlüpft 3-4 Wochen später. Dann graben sich die geflügelten Käfer in den Boden ein um zu überwintern.
Für die Schäden verantwortlich sind die Larven, die während der zweiten Frassphase im Spätsommer und im Herbst (erste im Frühling) die Knollen anfressen, um an Feuchtigkeit zu kommen. Das ist besonders der Fall bei längerer Trockenheit, wenn die Epidermis der Kartoffeln noch nicht fest ist.
Schäden durch Drahtwürmer treten nebst bei Kartoffeln zum Beispiel auch an Getreide, Mais und Zuckerrüben auf. Oft werden schon die keimenden Pflanzen unterirdisch abgebissen. Bei Getreide fällt der Schaden nicht auf, denn Getreide kann im Gegensatz zu Mais bestocken und auch mit wenigen Trieben noch einen guten Ertrag bilden.
Parzellenwahl
Durch das Legen von Fallen im Frühjahr (sobald die Temperatur zum ersten Mal über mehrere Tage lang 15 °C überschritten hat), können Sie den Acker untersuchen, der im Jahr danach für den Kartoffelanbau bestimmt ist:
- Sie Legen an etwa 20 Stellen pro Hektare in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe je einen Kartonteller mit gequollenen Getreidekörnern aus.
- Nach etwa 7 Tagen können Sie untersuchen, wie viele Fallen Drahtwürmer hatten und wie viele Drahtwürmer pro Falle gefunden wurden.
Toleranzschwelle
Mit dieser Methode können Sie abschätzen, ob die Drahtwurmpopulation ein besorgniserregendes Ausmass erreicht hat. Als Faustregel gilt:
- Wenn Sie dutzende Würmer auf der Fläche finden, sollten Sie vom Anbau einer empfindlichen Kultur absehen.
- Der umgekehrte Schluss ist jedoch nicht zulässig: Keine oder nur einige wenige Drahtwürmer in den Fallen bedeuten nicht, dass auf der Fläche gefahrlos Kartoffeln gebaut werden können.
Eine in allen Situationen gültige Toleranzschwelle kann auf der Grundlage dieser Fangmethode nicht definiert werden. Aus diesem Grund ist es ratsam, einen Experten eines kantonalen Pflanzenschutzdienstes oder den Ansprechpartner von Agroscope (Kasten) zu konsultieren, um die Fangmethode oder die Interpretation der Ergebnisse zu besprechen.
Weiterführende Informationen
Merkblatt Drahtwürmer im Biokartoffelanbau (FiBL Shop)
Kartoffeln (Rubrik Ackerbau)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.04.2020
