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Der ökologische Fussabdruck auf unserem Teller

Ernährung ist weit mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks. Sie beeinflusst Klima, Umwelt, Biodiversität und den Ressourcenverbrauch enorm. Wie nachhaltig unser Ernährungssystem ist, hängt nicht allein von der landwirtschaftlichen Produktion ab, sondern auch welche Konsumgewohnheiten wir haben. Dies zeigen sowohl die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms NFP 69 als auch eine gemeinsame Studie des FiBL, der Universität Wageningen und der ETH Zürich.

Gemäss den Erkenntnissen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 69 sind in der Schweiz rund ein Drittel aller Umweltauswirkungen auf die Land- und Ernährungswirtschaft zurückzuführen. Bei einem Anteil von knapp 7 Prozent an der nationalen Bruttowertschöpfung, trägt dieser Sektor folglich überproportional zur Umweltbelastung bei. 17 Prozent der Treibhausgasemissionen werden allein durch unser Ernährungssystem verursacht. Die meisten Treibhausgase sind dabei auf die hohe Fleisch- und Milchproduktion zurückzuführen. Auch die beträchtliche Boden- und Wassernutzung in der Landwirtschaft belasten die Umwelt.

Grossteil des Fussabdrucks fällt im Ausland an

Die tatsächlichen Umweltauswirkungen unseres Konsums sind allerdings nicht nur auf die Schweiz selbst beschränkt. Tatsächlich fallen rund zwei Drittel des ökologischen Fussabdruckes unseres Lebensmittelkonsums im Ausland an, weil die Schweiz einen grossen Teil der Lebensmittel, Futtermittel und Rohstoffe importiert. Auch vor diesem Hintergrund spielen unsere Konsumgewohnheiten eine grosse Rolle, denn die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln beeinflusst die negativen Umweltauswirkungen weit über unsere Landesgrenzen hinaus.

Konsummuster

Eine FiBL-Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte sechs Strategien, mit denen Konsument*innen zu einer nachhaltigeren Ernährung beitragen könnten. Zwei Strategien betrafen die Ernährungsweise selbst: eine Ernährung, bei der auf Fleisch verzichtet wird, sowie die Orientierung an den Schweizer Ernährungsempfehlungen. Weitere Strategien umfassten einen höheren Anteil biologisch produzierter Lebensmittel, biologische Produktion kombiniert mit Kreislaufprinzipien wie «Feed no Food», die Reduktion von Food Waste sowie einen höheren Anteil von Lebensmitteln aus inländischer Produktion. Die Forschenden verglichen, wie sich einzelne Strategien auf verschiedene Nachhaltigkeitsindikatoren wie Treibhausgasemissionen, Nährstoffüberschüsse, Flächenbedarf, Biodiversität und Ernährungskosten auswirken.

Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung 

Besonders wirksam erwiesen sich Ernährungsweisen mit einem höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel. Mit einer pflanzenbetonten Ernährung lassen sich Umweltbelastungen bis etwa zur Hälfte reduzieren und zugleich die Ernährungsqualität verbessern. Gleichzeitig gehen sie jedoch mit erhöhten sozialen Risiken einher, da in diesen Szenarien vermehrt Leguminosen importiert werden, wobei in den Herkunftsländern potenziell schlechtere Arbeitsbedingungen herrschen. 
Auch Forschende des NFP69 nannten die Reduktion des Fleischkonsums als einen wichtigen Hebel für ein gesünderes und gleichzeitig nachhaltigeres Ernährungssystem. Interessant ist, dass Ernährungsweisen, die chronischen Erkrankungen vorbeugen, oft auch besser für die Umwelt sind. Eine Ernährung mit mehr Gemüse, Früchten, Hülsenfrüchten und Getreide sowie weniger Fleisch und Milchprodukten senkt nicht nur die Umweltbelastung, sondern trägt auch zur Vorbeugung chronischer Krankheiten bei. 

Bio kombinieren

Ein steigender Bioanteil führte zu einer Verringerung des Stickstoffüberschusses, gleichzeitig erhöhten sich jedoch der Flächenbedarf und die Ernährungskosten. Die Autorinnen und Autoren der FiBL-Studie betonen deshalb, dass biologische Landwirtschaft allein nicht alle Nachhaltigkeitsziele gleichzeitig erreichen kann, sondern eine Kombination verschiedener Strategien sinnvoll ist.
Zum Beispiel könnte man Biolandbau mit den Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft kombinieren. In einem auf «Feed no Food» basierenden Ernährungssystem erhalten Nutztiere ausschliesslich Futtermittel, die nicht mit der menschlichen Ernährung konkurrieren. Verfüttert werden beispielsweise Gras, Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung oder Biomasse, die für den Menschen nicht essbar ist. Dadurch sinkt zwar die verfügbare Menge tierischer Lebensmittel, gleichzeitig verbessern sich jedoch sämtliche untersuchten Umweltindikatoren um bis zu 75 Prozent. So könnte der höhere Flächenbedarf der biologischen Landwirtschaft weitgehend ausgeglichen werden. 

Food Waste vergrössert den Fussabdruck

Laut NFP 69 gehen in der Schweiz rund ein Drittel der Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette verloren oder werden weggeworfen. In der Schweiz entstehen dadurch jährlich etwa 2.6 Millionen Tonnen Lebensmittelverluste. Auch die FiBL-Studie zeigt, dass eine Reduktion von Food Waste sämtliche untersuchten Nachhaltigkeitsindikatoren verbessert. Im Gegensatz zu anderen Strategien treten dabei kaum Zielkonflikte auf. Weniger Lebensmittelverluste bedeuten automatisch weniger Ressourcenverbrauch und geringere Umweltbelastungen.

Die Zukunft des Schweizer Ernährungssystems

Die Ergebnisse des NFP 69 Berichtes sowie der FiBL-Studie machen deutlich, dass Konsument*innen eine wichtige Rolle bei der Verringerung des ökologischen Fussabdrucks spielen. Eine Ernährung mit mehr pflanzlichen Lebensmitteln, weniger tierischen Produkten und weniger Lebensmittelverschwendung könnte die Umweltbelastungen deutlich reduzieren.
Gleichzeitig zeigen die Studien, dass nachhaltige Ernährung nicht durch eine einzelne Massnahme erreicht werden kann. Vielmehr braucht es ein Zusammenspiel verschiedener Strategien und Veränderungen entlang des gesamten Ernährungssystems. Die Frage, wie die Schweiz ihre Ernährung in den kommenden Jahrzehnten gestalten will, bleibt damit eine zentrale Herausforderung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Michelle Knecht, FiBL

Weiterführende Informationen

Studien zu Wirtschaft und Konsum (im Auftrag des BAFU)
NFP 69 Berichte zu Nachhaltiger Ernährungswirtschaft
FiBL-Studie (Frehner et al. 2022): Consumer strategies towards a more sustainable food system
FiBL-Studie (Augustiny et al. 2026): Reducing biodiversity impacts of agricultural production while maintaining food supply
Agrarpolitik Blog: Warum wir anders Einkaufen als wir Wählen

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