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Hilfe für Hof und Familie

Damit der Betrieb weiterläuft: Die Verantwortung tage- oder wochenweise abgeben

Wer krank ist, einen Unfall hatte oder in Ferien gehen möchte, kann sich auf dem eigenen Hof vertreten lassen. Landwirtschaftliche Betriebshelferinnen und Betriebshelfer springen ein, solange sie gebraucht werden. Was kostet die Leistung und wer bietet sie an?

«Wenn die Betriebsleiterin oder der Betriebsleiter ausfällt, betrifft das selten nur eine Person», weiss Andrea Schatt. Beim Maschinenring Ostschweiz, der landwirtschaftliche Betriebs- und Haushaltshilfe anbietet, leitet sie die Abteilung Marketing und Kommunikation. Hilfe anzunehmen, ist für Andrea Schatt kein Zeichen von Schwäche. Wer sich vorübergehend unterstützen lasse, übernehme vielmehr Verantwortung – für sich selbst, für die Familie, für den Betrieb und für die Tiere. 

Landwirtschaftliche Betriebshelferinnen und Betriebshelfer kommen zum Einsatz, wenn auf dem Hof jemand krank wird, einen Unfall hatte oder überlastet ist. Auch kann sich vertreten lassen, wer einen Militärdienst antritt oder in Ferien geht.  

Je nach Region gibt es unterschiedliche Organisationen, die neben den zwölf schweizweiten Maschinenringen Betriebshilfe anbieten, etwa der Betriebshelferdienst des Kantons Schwyz, die Landwirtschaftliche Betriebs- und Familienhilfe im Kanton Bern, der Betriebshelferdienst des St. Galler Bauernverbandes oder die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost. Wer sich informieren möchte, kann als erste Anlaufstelle den kantonalen Bauernverband kontaktieren.

Eine Betriebshelferin im Einsatz

Marie-Louise Buri ist Landwirtin EFZ und arbeitet stundenweise als Betriebshelferin beim Maschinenring Ostschweiz. Sie war kürzlich im Einsatz, als ein Betriebsleiter am Knie operiert werden musste. Während er im Spital war und bis zu seiner Genesung, übernahm sie den Betrieb. Wie lange sie aushelfe, sei unterschiedlich – mal zwei Wochen, mal nur einzelne Tage oder morgens und abends zu den Melkzeiten. «Ein Wochenende pro Monat helfe ich bei einem Landwirt, damit er sich erholen und Zeit mit seiner Familie verbringen kann», berichtet die Betriebshelferin.

Ein Schweine- oder Legehennenbetrieb sowie der Gemüsebau gehören zu Marie-Louise Buris Einsatzfeldern. Oft sei sie jedoch auf Milchviehbetrieben im Einsatz. Das Tierwohl – melken, misten und füttern – habe dann oberste Priorität, ergänzt Andrea Schatt. Der Rest könne erstmal warten. Betriebsleitende sollten nicht erwarten, dass Betriebshelfende genauso effizient seien wie sie selbst. Das könne zum Konflikt führen, weiss Andrea Schatt. «Hier braucht es etwas Toleranz seitens der Betriebsleitenden», rät sie.

Marie-Louise Buri hat als Betriebshelferin bisher gute Erfahrungen gemacht. Oftmals bleibe der Kontakt auch nach dem Einsatz noch freundschaftlich bestehen. «Für eine erfolgreiche Betriebshilfe sind Diskretion sowie gegenseitiges Vertrauen deshalb selbstverständlich.»

Der Maschinenring Ostschweiz hat im Jahr 2025 rund 11 000 Einsatzstunden verzeichnet und beschäftigt im Schnitt fünf bis sieben Festangestellte und bis zu zehn Personen im Stundenlohn. Laut Andrea Schatt sind die häufigsten Gründe für einen Einsatz eine Krankheit, ein Unfall und Arbeitsspitzen. Die Einsatzdauer sei sehr unterschiedlich, von einzelnen Tagen, Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Während des Einsatzes sind die Betriebshelferinnen und -helfer beim Maschinenring Ostschweiz gegen Unfälle versichert. Wenn ein Fehler passiere, wird die Haftung fallspezifisch geklärt, so Andrea Schatt.

Was die Hilfe kostet

Abgerechnet wird meist nach Stunden oder Tagespauschalen. Beim Betriebshelferdienst des Kantons Schwyz beispielsweise unterscheiden sich die Tarife, je nachdem ob es sich um einen Einsatz während Arbeitsspitzen, Ferien- und Militärdienste handelt oder ob es um einen Notfall geht. Im Notfall zahlen Nichtmitglieder für die ersten 14 Tage 180 Franken pro Tag und 24 Franken pro Stunde. 230 Franken am Tag und 29 Franken pro Stunde sind es bei Ferien oder Arbeitsspitzen. Für Mitglieder, die einen jährlichen Beitrag von 30 Franken zahlen, wird es günstiger (Stand 2023).

Auf der Internetseite des Bauernverbandes Aargau heisst es, dass Mitglieder von einem Kantonsbeitrag von 5 Franken pro Stunde profitieren, wenn sie die Betriebshilfe des Maschinenrings Mittelland in Anspruch nehmen. Die Genossenschaft Milchproduzenten im Mittelland (MPM) unterstützt zusätzlich mit 50 Franken pro Tag, wenn Betriebsleitende ausfallen, weil sie krank sind, einen Unfall hatten oder in Kur gehen. Bei Ferien oder Arbeitsspitzen erstattet die MPM 25 Franken pro Arbeitstag von zehn Stunden. Über einen Fonds für Betriebs- und Familienunterstützung der Krankenkasse Agrisano lassen sich zusätzlich Beiträge erstatten. 

Die Betriebshilfe im Kanton Thurgau wird vom Maschinenring Ostschweiz koordiniert und nach effektivem Stundenaufwand abgerechnet. Eine Einsatzstunde kostet rund 35 Franken exklusive Mehrwertsteuer. Die Kosten werden durch den Betriebshilfefonds unterstützt, der vom Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), den Thurgauer Milchproduzenten (TMP), dem Kanton Thurgau und dem Maschinenring Ostschweiz getragen wird. Wer gleichzeitig Mitglied beim VTL, TMP und Maschinenring Ostschweiz ist, erhält eine Vergünstigung von bis zu 10 Franken pro Einsatzstunde.

Unterstützung nötig – Was tun?

Wer Hilfe benötigt, kann Kontakt zum Maschinenring aufnehmen. «Dazu braucht man nur ein Telefon», ermutigt Andrea Schatt. Besprochen werden die Umstände, die konkreten Aufgaben und die Dauer des Einsatzes. 

Wie schnell eine Betriebshelferin oder ein Betriebshelfer im Notfall einspringen könne, hänge davon ab, ob Personal verfügbar sei. Erschwerend hinzu käme, dass landwirtschaftliche Betriebe heute sehr unterschiedlich seien. Der Betriebshelfer oder die Betriebshelferin müssten zu den jeweiligen Aufgaben passen. Beim Maschinenring, so Andrea Schatt, werde das Personal gut geschult, damit es sich kurzfristig auf eine neue Situation einstellen sowie die Gegebenheiten vor Ort rasch erfassen könne und selbstständig handle. 

Anna Schmitz, Bioaktuell Magazin

Dieser Online-Artikel ergänzt den Beitrag «Sich selbst im Blick» aus dem Bioaktuell-Magazin 7|26.

Weiterführende Informationen

Regionale Organisation der Betriebshilfe und Dienstleistungen unter: maschinenring.ch
Betriebshelferdienste und Hilfsangebote schweizweit: Brauchen Sie Hilfe? (Website Schweizer Bauernverband)
Betriebshelferdienst des Kanton Schwyzs: bvsz.ch
Bauernverband Aargau: bvaargau.ch > Betriebshelferdienst
Übersicht «Gesundheit in der Landwirtschaft» (gesamte Rubrik)

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